
Das könnte ein einmaliger Vorgang im Feuerwehrausschuss der Stadt Burgdorf gewesen sein: Über die Personalie des Ortsbrandmeisters der Schwerpunktfeuerwehr Burgdorf hat der Ausschuss im nichtöffentlichen Teil entschieden. Die Feuerwehrkräfte fühlen sich verraten und respektlos behandelt.
Was war passiert? Nach 12 Jahren im Amt hatten die Mitglieder der Ortsfeuerwehr im Sommer entschieden, dass Amtsinhaber Florian Otto Bethmann für weitere sechs Jahre die Ortsfeuerwehr Burgdorf leiten soll. Seine zweite Amtszeit endet am 31. Dezember. Als Ehrenbeamter muss der Stadtrat den Ortsbrandmeister ernennen, die Ortsfeuerwehr besitzt hierbei ein Vorschlagsrecht. Der Feuerwehrausschuss entscheidet in erster Instanz darüber und gibt eine Empfehlung an den Stadtrat.
Doch diese Empfehlung blieb nun aus und auch das weitere Prozedere unterscheidet sich grundlegend. Der Tagesordnungspunkt 6 – „Ernennung des Ortsbrandmeisters Burgdorf“ – wurde übersprungen, was zu einem hörbaren Raunen unter den rund 85 Anwesenden führte. „Dieses ist als Einzelfall zu betrachten und wurde im nichtöffentlichen Teil beschlossen“, gab die Feuerwehrausschussvorsitzende Beate Neitzel bekannt.

Schon im Vorfeld war bekannt geworden, dass diese Ernennung nicht dem üblichen Verfahren entsprechen wird. Entsprechend stark stattete die Ortsfeuerwehr Burgdorf der Ausschusssitzung mit rund 40 Mitgliedern einen Besuch ab, „um zu zeigen, dass wir hinter unserem Ortsbrandmeister stehen“, wie ein Feuerwehrmann vor der Sitzung dem AltkreisBlitz erklärte.
Beim letzten Tagesordnungspunkt, der Einwohnerfragestunde, kam der Unmut der Feuerwehrkräfte dann offen zum Vorschein. „Warum wird der Tagesordnungspunkt übergebügelt?“, lautete die erste Frage. Ein altgedienter Feuerwehrmann ergänzte: „Ich bin seit 48 Jahren in der Feuerwehr. So etwas habe ich noch nicht erlebt, dass dem Wunsch nicht entsprochen wird. Das Ganze auch noch im Geheimen – das ist unter aller Würde.“ Dafür erhielt er großen Applaus. Ein weiterer Feuerwehrmann fragte: „Wenn unser Ortsbrandmeister nicht eingesetzt wird, wie sieht es denn aus, wenn wir alle unsere Melder abgeben?“



Aus den Reihen der Feuerwehr hieß es zudem: „Wir stehen hier geschlossen und stehen für unseren Ortsbrandmeister ein, wenn Sie als Feuerwehrausschuss nicht unserer Empfehlung nachkommen.“ Mehrere Feuerwehrkräfte sprachen an, dass das Vorgehen Fragen zur zukünftigen Motivation aufwerfe, „wenn so mit uns und unserem Ortsbrandmeister umgegangen wird“. Deutlich sichtbar wurde schon hier: Was die Motivation angeht und auch die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Verwaltung und Politik wird in Zukunft ein anderer Wind wehen. Und sicherlich kein besserer.



Christian Enderle, Leiter des Ordnungsamtes, versuchte, die Lage etwas zu beruhigen. „Es ist noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden“, erklärte er. Jugendfeuerwehrwart Jan Kruse zeigte sich jedoch ebenfalls fassungslos: „Wie kann es nicht abschließend geklärt sein? So etwas gilt als Formalie. Das ist das erste Mal, dass so eine Ernennung nicht öffentlich beschlossen wird – und dann sagt niemand, was das Problem ist, dass der Wille der Ortsfeuerwehr umgesetzt wird.“
Björn Sund, stellvertretender Ausschussvorsitzender, fügte hinzu: „Die Entscheidung, es im nichtöffentlichen Teil zu beraten, kam auf Bitten der Verwaltung der Stadt Burgdorf.“ Es gebe eine Diskussionsgrundlage, und da es um schützenswerte private Daten gehe, werde dies nicht öffentlich debattiert. Auch Sund betonte, dass es noch keine Entscheidung gebe, und bat um Verständnis für das Vorgehen. „Wir können in der Öffentlichkeit nichts dazu sagen“, schloss er ab. Worum es also im Detail geht, wurde den Anwesenden nicht bekanntgegeben.
Unterstützung erhielt die Ortsfeuerwehr Burgdorf auch von einem Mitglied des THW, dem Nachbarn der Feuerwehr in der Straße Vor dem Celler Tor. „Wir haben eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Es gibt ein klares Votum der Mitglieder. Eines gebe ich hier nur zu bedenken: Feuer wird nicht durch die Verwaltung oder die Politik gelöscht“, sagte er.
Nach der Fragestunde zog sich der Ausschuss erneut in den nichtöffentlichen Teil zurück, die Besucher mussten den Ratssaal des Schlosses verlassen. Draußen zeigte die Feuerwehr dieselbe Geschlossenheit wie zuvor im Saal.
In sich gekehrt und mit leerem Blick konnte man Ortsbrandmeister Florian Bethmann ansehen, dass auch er kaum verstehe, was gerade geschehen war – und erhielt breiten Zuspruch von allen Seiten und Form von Worten wie aber auch Umarmungen.
Weiter geht die Personalie im Verwaltungsausschuss, der ebenfalls nichtöffentlich tagt. Diese Sitzung wird vor der nächsten Ratssitzung am 11. Dezember stattfinden.
