Rathaus-Zukunft: Verwaltung drängt auf Entscheidung bis März

Das alte Realschulgebäude steht nach dem Umzug der IGS nun leer. Eine Nachnutzung wird gesucht, doch diese gestaltet sich schwierig.
Foto: Bastian Kroll

Die Zeit drängt: Bis 2028 muss eine Lösung für die Zukunft der Burgdorfer Rathäuser gefunden sein. Das machte die Stadtverwaltung im Ausschuss für Haushalt, Finanzen und Verwaltungsangelegenheiten am gestrigen Montag, 26. Januar 2026, im Rathaus II deutlich. Bereits im März soll eine Richtungsentscheidung getroffen werden – favorisiert wird Option 3, ein Neubau als Erweiterung am Rathaus III. Doch einigen Politikern geht das Tempo zu schnell.

„Die einzige Option, die wir nicht haben, ist nichts zu tun“, betonte Stefan Breitmoser, Leiter der Abteilung Gebäudewirtschaft, und wiederholte damit seine Aussage aus der Dezember-Sitzung. Der Investitionsstau sei zu groß, Handeln zwingend erforderlich. Stefan Breitmoser stellte einen Überblick über die im vergangenen Jahr erarbeiteten Gutachten und Studien vor – darunter zu den Rathäusern I, II und III, der Alten Realschule, der Ingo-Siegner-Grundschule, der Alten Prinzhornschule, dem Parkhaus sowie dem ehemaligen Gärtnerbauhof und Straßenbauhof.

Baugenehmigung für Rathaus II läuft 2028 aus

Ein entscheidender Faktor erhöht den Zeitdruck: Für das Rathaus II liegt nur eine zeitlich befristete Baugenehmigung vor, die Mitte 2028 ausläuft. „Wir haben brandschutztechnische Missstände und haben es mühsam mit einer provisorischen Fluchttreppe durchbekommen“, erklärte er die Frage von Simone Heller (Bündnis 90/Die Grünen). Die Genehmigung wurde Mitte 2023 ausgesprochen und gilt für fünf Jahre. Eine Verlängerung durch die Aufsichtsbehörde sei dabei fraglich.

Breitmoser führte weitere gravierende Mängel an: Der vorbeugende Brandschutz sei unzureichend, die Elektroversorgung marode. „Das kann man nicht auf dem kleinen Dienstweg sanieren, da muss grundlegend etwas getan werden“, so der Gebäudewirtschaftsleiter. Selbst wenn eine Lösung vorbereitet werde, könne das Gebäude möglicherweise nur noch eingeschränkt weitergenutzt werden. „Wir müssen einfach weiterkommen.“

Politik fordert mehr Zeit für Diskussion

Doch nicht alle Ausschussmitglieder wollen dem von der Verwaltung vorgegebenen Tempo folgen. „Mir geht das zu schnell. Innerhalb von zwei Monaten den ersten Pflock einzuschlagen, halte ich für sportlich“, sagte Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf). Er schlug vor, einen Workshop durchzuführen, „um das auseinanderzunehmen“ – ein fraktionsübergreifender Dialog mit der Verwaltung.

Auch Dirk Bierkamp (WGS Freie Burgdorfer) schloss sich dieser Meinung an: „Mir geht es zu schnell.“ Er gab zu bedenken, dass man übergangsweise in freien Liegenschaften oder Containern weiterarbeiten könne. „Die Campuslösung geht nicht so schnell.“

Rathaus II: Diskussionen um Erhalt des Gebäudes

Ein emotionales Thema ist die Zukunft des Rathaus II, die alte Landratsvilla in der Straße Vor dem Hannoverschen Tor. Andrea Buhndorf (SPD) warb für den Erhalt des Gebäudes: „Die Campuslösung gab es schon immer, aber ein wichtiger Aspekt: Das Rathaus II ist das Eingangstor zum Stadtpark. Hier finden viele kulturelle Aktionen statt, wir sollten uns davon leiten lassen. Diese sind für Burgdorf extrem wichtig.“ Es wurde daran erinnert, dass bereits Anfang der 2000er-Jahre eine Untersuchung gezeigt habe, dass das Gebäude als Rathaus nicht nutzbar sei – damals wollte ein Investor ein Altenheim daraus machen.

Ausschussvorsitzender Gerald Hinz (SPD) stimmte zu: „Wir müssen eine Lösung finden, wo das Rathaus II erhalten bleibt.“ Er verwies darauf, dass der Vorgängerrat bereits einen Beschluss für die Campuslösung gefasst habe. „Dann gehen wir den Weg einfach weiter.“

Breitmoser stellte jedoch klar: „Es hat sich geändert. Der frühere Rat hatte die Realschule noch nicht auf der Agenda.“ Der Verwaltung sei wichtig zu wissen: „Bleiben wir dabei?“ Es gebe drei gleichberechtigte Optionen, man könne auch anders entscheiden und so beispielsweise auch Teile der Verwaltung in das alte Schulgebäude einziehen lassen.

Hinz fasste zusammen: „Die Verwaltung stellt fest, Option 3 ist die beste.“ Gawlik forderte jedoch mehr Transparenz: „Fragen beantworten, transparent sein – als Basis für das Weitere.“ Und auch bei ihm gebe es hinsichtlich des Rathaus II „auch Emotionen.“ Hinz räumte ein: „Es gibt viele weiche Faktoren.“

Alte Realschule oder Ingo-Siegner-Grundschule, oder beides?

Neben den Rathäusern stehen weitere städtische Gebäude zur Disposition. Zum Alten Realschule erklärte Breitmoser: „Nutzung und Umnutzung hinsichtlich Schule, Verwaltung, Wohnung oder Hotel ist grundsätzlich möglich, aber mit Schwächen.“ Der Investitionsaufwand sei bei allen Varianten hoch. „Es gibt keine Option, bei der man sagen kann: Die ist es.“

Für die Ingo-Siegner-Grundschule seien „große bauliche Eingriffe nötig, um zur perfekten Lösung zu kommen“. Je nach Variante gebe es deutliche Unterschiede im Investitionsbedarf. „Mit Abstrichen geht es auch für weniger, ganz ohne Investition geht es nicht, diesen Standort weiterzubetreiben.“

Hinz warf ein: „Die Realschule steht unter Denkmalschutz, die Ingo-Siegner-Grundschule nicht. Eine Verwertung der Ingo-Siegner wäre sinnvoller.“ Heller sah in der großen Turnhalle der Realschule ein Argument: „Was machen wir mit dieser riesigen Turnhalle? Sie ist die neustes im Stadtgebiet. Für mich schreit das nach Schulnutzung.“

20 Millionen für Realschule, 15 bis 17 Millionen für Grundschule

Auf Nachfrage von Gawlik nach konkreten Vergleichszahlen nannte Breitmoser „ganz grobe Zahlen aus dem Vergleich mit anderen Varianten“: Für das alte Realschulgebäude seien etwa 20 Millionen Euro zu veranschlagen, „mit Abstrichen beim energetischen Standard, den kann man nicht auf modernen Standard heben, was aber bei einer Schulnutzung eine untergeordnete Rolle spielt“. Bei der Ingo-Siegner-Schule seien die Architekten auf etwa 15 bis 17 Millionen Euro gekommen. „Wenn man den Faktor Zeit einbezieht, deckt es sich in etwa. Wenn man etwas erst in 10 oder 15 Jahren macht, weiß man nicht, was 17 Millionen dann noch wert sind.“

Der bauliche Unterschied sei jedoch erheblich: „Für die Realschule wäre eine große Investition am Anfang nötig, das wäre deutlich einfacher vom Baulichen her.“ In der Grundschule seien die Arbeiten viel komplizierter, da dort ein Schulbetrieb stattfinde. Bei der Ingo-Siegner-Grundschule könne man dagegen zunächst nur geringe Eingriffe vornehmen und „mit kleinerem Aufwand reingehen“.

Gawlik mahnte: „Wenn man was macht, muss man es zukunftssicher machen.“ Hinz ergänzte: „Man muss es so summieren, dass beide gleich verglichen werden, zum Beispiel bei der Barrierefreiheit – es muss schon die Gesamtsumme sein, um vergleichbare Ergebnisse zu haben.“

Dirk Bierkamp gab zu bedenken: „Theoretisch wäre die Verwertung der Ingo-Siegner-Schule noch abzuziehen – 1,5 Millionen für die Fläche.“

Alte Prinzhornschule: Wohnnutzung ungünstig

Zur ehemaligen Prinzhornschule erläuterte Breitmoser, dass ein Wertgutachten ergeben habe: „Verkauf nur bei Wohnnutzung bedingt rentabel.“ Allerdings sei die Grundstückslage aufgrund der unmittelbaren Nähe zu öffentlichen Sportanlagen für Wohnnutzung ungünstig. Die Stadt habe Abfragen bei Sportvereinen, der Musikschule, Bildungseinrichtungen und der Region durchgeführt. „Leerstand ist keine Option.“

Parkhaus: Vollständige Sanierung mit Aufwertung kostet zweistelligen Millionenbetrag

Beim Parkhaus erteilte Breitmoser einer förderfähigen Sanierung eine klare Absage: Diese sei nicht möglich, eine Förderung aus der Städtebauförderung komme nicht infrage. „Wir würden hier eine Millionen Euro bekommen, aber dann man muss nicht nur sanieren, sondern aufwerten, attraktivieren.“ Die notwendigen Maßnahmen lägen dann aber im zweistelligen Millionenbereich. „Da hätte eine Million nicht viel beigetragen“, so Breitmoser.

Zum Substanzerhalt seien Maßnahmen im Rahmen der Bauunterhaltung und regelmäßige Begutachtung nötig, letztere in engerer Taktung. „Die Bausubstanz macht Sorgen.“ Die Frage, wie mit den innerstädtischen Parkplätzen allgemein umgegangen werden solle, müsse beantwortet werden.

Hinz verwies auf andere Städte: Dort sind Parkhäuser alle bewirtschaftet. Parkplätze werden ja gebraucht. Wir wollen ja auch, dass der Bahnverkehr genutzt wird.“ Das Parken für Pendler auf dem Schützenplatz mache keinen Sinn. Man solle bei anderen Städten anfragen, wie diese mit der Parkraumbewirtschaftung umgingen.

Breitmoser betonte, dass Handlungsbedarf bestehe: „Das Eindringen von Tausalz schädige die Struktur. Die Halbwertszeit ist begrenzt“. Auf konkrete Zahlen wollte er sich nicht festlegen: „Ich kann nicht sagen, wie lange es noch hält.“ Aber: „Wir werden es schon noch ein paar Jahre über die Zeit bringen.“

Gawlik fragte nach der Dringlichkeit: „Wir haben hier Handlungsbedarf in den nächsten drei, vier Jahren – das muss der Politik adressiert werden, wie dringend ist das Thema?“ Breitmoser bestätigte: „Es steht auf der Liste der Gebäude, wo wir Bedarf haben, da fliegt es auch nicht raus.“

Ehemaliger Gärtnerbauhof: Verwertung geplant

Zum ehemaligen Gärtnerbauhof teilte die Verwaltung mit, dass eine Verwertung des Grundstücks geplant sei – anteilig für Friedhofszwecke und Wohnen und auch der ehemaligen Straßenbauhof solle in Wohnraum entwickelt werden.

Wie geht es weiter?

Die Verwaltung strebt an, im März 2026 eine Beschlussfassung mit einer Richtungsentscheidung für Option 3 – Neubau/Erweiterung am Rathaus III – vorzubereiten. Im nächsten Schritt soll dann eine detailliertere Ausarbeitung folgen. Ob die Politik diesem Tempo folgen wird oder zunächst weitere Diskussionen in Workshops führen möchte, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Zeitdruck durch die bis 2028 befristete Baugenehmigung für Rathaus II lässt wenig Spielraum für langes Zögern.

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