
Der Verein „Burgdorf ist bunt!“ hat am vergangenen Mittwochabend, 28. Januar 2026, mit finanzieller Unterstützung des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses zu einem besonderen Filmabend in die Neue Schauburg Burgdorf eingeladen. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm „Kein Land für Niemand – Ein Einwanderungsland schottet sich ab“. Der Eintritt war kostenfrei, stattdessen wurde um Spenden für die zivile Seenotrettungsorganisation Sea-Eye gebeten. Am Ende des Abends kamen 678,70 Euro für die Organisation zusammen.
Der Film setzte sich mit der europäischen Migrationspolitik und deren Folgen für Menschen auf der Flucht auseinander. Im Anschluss schloss sich ein Podiumsgespräch an, das von Christina Budde vom Verein Burgdorf ist bunt! moderiert wurde. Auf dem Podium diskutierten Yvonne Marchewitz von Sea-Eye, Nadir Apakar Yahya, der selbst Fluchterfahrungen gemacht hat, Djenabou Diallo Hartmann, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in Hannover sowie Sprecherin für Migration, Geflüchtete und Antirassismus, und Uschi Wieker vom Burgdorfer Mehrgenerationenhaus.
Yvonne Marchewitz schilderte eindrücklich ihr Engagement bei Sea-Eye und betonte mit Blick auf das große Interesse im Kinosaal: „Die Menschen, die zuhören und reflektieren, geben mir Kraft.“
Sehr persönlich berichtete Nadir Apakar Yahya von seinen eigenen Erfahrungen. „Ich habe heute im Film gesehen, was ich als Jugendlicher auf meiner Flucht erlebt habe“, sagte er. Besonders eindrücklich schilderte er seine Zeit in Libyen. „Ich bin zweimal auf der Flucht gefangen worden und war drei Monate in einem Gefängnis. Wir waren in einem Zimmer eingesperrt und haben nur ungekochte Nudeln zu essen gehabt. Das war schlimm. Und dann denkt man: Entweder ertrinke ich – oder ich komme an.“


Die politische Dimension des Themas sprach Djenabou Diallo Hartmann deutlich an. „Deutschland zeigt mit jedem Menschen, der im Mittelmeer ertrinkt, wie die Werte Deutschlands untergehen“, sagte sie. Gleichzeitig machte sie Mut und verwies darauf, dass es weiterhin eine große Mehrheit gebe, die auf Grundlage der Menschenrechte leben wolle. Sie betonte zudem, dass Integration Zeit brauche und kein kurzfristiger Prozess sei. Integration sei eine dauerhafte Aufgabe. Auch die Rolle der Kommunen hob Diallo Hartmann hervor und machte deutlich, dass Städte und Gemeinden Unterstützung benötigten, um Menschen gut aufnehmen zu können. Einrichtungen wie das Burgdorfer Mehrgenerationenhaus seien dabei wichtige Orte für Beratung und Teilhabe.
Uschi Wieker stellte den Bezug zur Stadt Burgdorf her. Sie betonte, wie wertvoll es sei, den Film gemeinsam vor Ort zu sehen und die Inhalte auf die eigene Stadt zu beziehen. Menschen mit Fluchterfahrung und andere Migranten, die in Burgdorf leben, seien ein selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft. „Nur dank Menschen mit Fluchterfahrung sind wir eine Kleinstadt mit über 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.“ Besonders bewegend war ein Zitat aus ihrer Beratungsarbeit. Ein Mensch habe ihr gesagt: „Ich hatte nur zwei Arme – da konnte ich nur zwei meiner Kinder retten.“ Viele Geflüchtete wünschten sich legale und sichere Wege nach Europa. Immer wieder werde geäußert, dass der Wunsch bestehe, nichts Illegales zu tun, sondern in Deutschland anzukommen und sich hier ein Leben aufzubauen.
Zum Abschluss richtete Christina Budde den Blick auf das Engagement vor Ort und sagte, dass man es den betroffenen Menschen schuldig sei, aktiv zu werden. Auf die Frage aus dem Publikum, wie Menschen mit dem Gefühl der Überforderung umgehen könnten, antwortete Djenabou Diallo Hartmann, dass Helfen nur möglich sei, wenn man selbst psychisch stabil bleibe. Pausen seien notwendig, um langfristig engagiert zu bleiben.
Uschi Wieker erläuterte auf Nachfrage die Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Engagements im Burgdorfer Mehrgenerationenhaus. Dort werde sowohl Unterstützung bei der Begleitung von Menschen auf ihren ersten Wegen und beim Spracherwerb benötigt als auch Hilfe bei der Einbindung in bestehende Strukturen, etwa durch eine erste Begleitung in eine Sportgruppe. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann Kontakt über www.bmgh.de/kontakt aufnehmen.
Der Verein Burgdorf ist bunt! zeigte sich dankbar für das große Interesse, die offenen Gespräche und die konstruktive Zusammenarbeit in Burgdorf. Der Abend habe deutlich gemacht, wie wichtig Information, Austausch und gemeinsames Handeln für ein solidarisches Miteinander sind. Wer die Seenotrettung unterstützen möchte, kann sich unter sea-eye.org/gruppe-hannover informieren. Auch der Verein Burgdorf ist bunt! freut sich über neue Mitglieder oder Unterstützung für kommende Veranstaltungen unter www.burgdorfistbunt.de und www.betterplace.org/de/projects/167518.
