
Aus Anlass des Holocaust-Gedenktags haben sich die Oberstufenschüler der Geschichtskurse von Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule, Berufs- und Allgemeinbildendem Gymnasium mit dem Buch „Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis“ der Journalistin und Autorin Charlotte Wiedemann befasst.
In mehreren Unterrichtseinheiten haben sie sich mit Wiedemanns Fragen auseinandergesetzt: „Welche Opfer sind uns nahe, welche bleiben fern und stumm? Welches Leid hat Stimme, welcher Schmerz spricht zur Welt? Ist Empathie einfach ein Gefühl, das wir nicht beeinflussen können, oder ist sie eine ethische Entscheidung, die wir treffen?“ Für die Schüler, von denen heute ein wachsender Teil einen sogenannten Migrationshintergrund hat, war es eine ausdrückliche Einladung, kritisch auf die deutsche Erinnerungskultur zu blicken. Dabei blieb es wichtig, dass die Einbeziehung unterschiedlicher geschichtlicher Katastrophen und Leiderfahrungen, keine Relativierung der sogenannten Shoa, also der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden und Jüdinnen durch Nazi-Deutschland, bedeutet, sondern: „anzuerkennen, dass es kein menschliches Leid gibt, das weniger bedeutsam ist als andere.“ Die Beziehungen zwischen verschiedenen Erinnerungen an menschliches Leid seien keine Beziehungen der Vorrangigkeit oder Vorherrschaft, sondern der Solidarität. Memory Citizenship nannte Charlotte Wiedemann diese zugehörigkeitsstiftende, zukunftsweisende Form der Erinnerungskultur.
Nachdem Lea Sobotta und Jarne Stopper zusammen mit ihrem Lehrer Dr. Malte Kling von der RBG Passagen aus dem Buch vorgetragen hatten, ging Charlotte Wiedemann in ihrem Vortrag auf weitere Erfahrungen aus Reisen an Orte der Kolonialgeschichte in Afrika und Asien, aber auch an Gedenkorte der nationalsozialistischen Verfolgung in Mittel- und Osteuropa ein. Isabell Sülter und Milan Bayir von der RBG, die Wiedemann einleitend vorgestellt hatten, sowie Ghayoor Vakili von der BBS, haben ihre etwa 200 Mitschüler dann zu Fragen an die Autorin aufgefordert und die Diskussion moderiert.
Dr. Judith Rohde bedankte sich zum Abschluss im Namen des Arbeitskreises Gedenkweg 9. November und der Amnesty International-Regionalgruppe Hannover Nord-Ost, die gemeinsam die Veranstaltung initiiert und finanziert haben, bei den Schüler-Moderatoren, den beteiligten Lehrkräften Frau Oßenbrügge (BBS), Dr. Kling (RBG) und Herrn Rode (Gymnasium) sowie bei der aus Berlin angereisten Autorin Charlotte Wiedemann.


