Rathäuser: Campuslösung wird präferiert

"Wir haben keinen Schimmel bis unter das Dach", betonte Bürgermeister Armin Pollehn zum Rathaus II. Ob und wie es saniert wird, steht noch nicht fest. Es geht aber um Millionen.
Foto: Bastian Kroll

Die Campuslösung für die Burgdorfer Rathäuser wird als Leitidee verfolgt: Der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau empfahl am heutigen Montag, 16. Februar 2026, mit Mehrheit, dass die Rathäuser I, II und III zusammen einen sogenannten „Campus“ bilden sollen – mit Sanierung und eventueller Erweiterung – statt alle fünf Rathäuser zu erhalten, einen Neubau auf der grünen Wiese zu errichten oder die Alte Realschule zu nutzen. Die Entscheidung fiel nach kontroverser Debatte, in der vor allem die CDU vor einer Kostenexplosion wie bei Rathaus I warnte. Die endgültige Entscheidung hierüber trifft der Rat im März.

Klaus Köneke (CDU) zeigte sich alarmiert. Er zitierte aus der Beschlussvorlage: „Es gibt Mängel in der Gebäudesubstanz. Bekommen wir bei Rathaus II und III dasselbe Problem wie bei Rathaus I? Dann ist fraglich, ob wir die Gebäude II und III anfassen.“ Er verwies auf die Kostenexplosion bei Rathaus I: „Wir haben eine Steigerung von 3,2 auf 8,3 Millionen Euro erlebt – und wahrscheinlich noch nicht das Ende der Fahnenstange. Das möchte ich vermeiden, auch im Namen meiner Fraktion.“

Zur zeitlich befristeten Erlaubnis bis 2028 für das Rathaus II erklärte Stefan Breitmoser, Leiter der Abteilung Gebäudewirtschaft der Stadt Burgdorf: „Man kann hoffen, es zu verlängern, aber nicht einfordern. Der vorbeugende Brandschutz der Region Hannover hat festgestellt, dass das Rathaus II Mängel hat – vor allem bei den Fluchtwegen und der Elektroinstallation im gesamten Gebäude. Das ist nicht mit kleinen Maßnahmen zu kompensieren.“

Es sei eine Fluchttreppe angebaut worden, „der Brandschutz entspannt sich dann, ist aber immer noch nicht perfekt. Die Geschosse sind brandschutztechnisch noch nicht getrennt.“ Die Region habe sich vorerst darauf eingelassen: „‚Bis 2028 dürft ihr noch‘, heißt es von der Region. Man kann hoffen, dass die Region es noch weiter zulässt, vor allem wenn wir einen Plan haben – wir dürfen aber nicht erst 2028 ankommen und dann keinen Plan haben.“

Breitmoser räumte ein: „Beide Gebäude haben Schäden, aber nicht so grundlegend, zu sagen, sie sind abgängig. Man kann beide Gebäude sanieren. Aber man muss es auch tun in der nächsten Zukunft. Man kann nicht sagen, das lohnt sich nicht mehr.“

Köneke fragte nach: „Sind sie im Wesentlichen geschädigt?“

Matthias Paul (SPD) präzisierte: „Die Verwaltung nimmt an, dass man es mit vertretbarem Aufwand sanieren kann. Wir entscheiden ja nicht, ob wir Rathaus II sanieren – wir entscheiden heute über den Pfad. Als Leitidee festgesetzt, Rathaus I, II und III umzusetzen.“

Oliver Sieke (CDU) fragte rethorisch: „Wurde denn vorher gesagt, dass das Rathaus I abgängig ist?“ Die Verwaltung verneinte. Sieke warnte: „Wir holen uns genau so eine Baustelle mit Rathaus II wie mit Rathaus I.“

Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) widersprach diesem. Sieke fuhr fort: „Es geht um das Konzept Rathaus Burgdorf. Mir fehlt, dass das Konzept mit einem Rathaus auf der grünen Wiese dabei ist. Sie können sagen, dass es am Ende die schlechteste Lösung ist – aber für mich gehört es zu einer Machbarkeitsanalyse mit rein.“

Pollehn konterte: „Der Rat hat damals einstimmig darüber entschieden, eben nicht auf der grünen Fläche zu bauen. Der vom vorhergehenden Rat beschlossene Campus steht, und nun wird keine Diskussion über die grüne Wiese gemacht. Es ist so schnell dahingesagt, eine Analyse zu machen – das ist aber so schnell nicht machbar.“ Er wolle keine „Arbeit investieren in eine Sache ohne Beschluss. Denn den haben wir: Das ist die Campuslösung, nicht die grüne Wiese.“

Sieke beharrte: „Wir brauchen ein effektives Rathaus, in dem man effektiv arbeiten kann. Mir ist es ein Graus, vor dem Stadtpark einen Betonblock zu bauen, den keiner da in dieser Gegend haben will.“

Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) hinterfragte: „Ich habe nie verstanden, warum der Name ‚Campus‘ getroffen wurde. Das ist nicht zusammenhängend – Rathaus I ist weit weg von Rathaus II. Sollten wir nicht schauen, welche Flächen hätten wir denn in fünf oder zehn Jahren? Das sind andere als vor zehn Jahren.“ Er nannte Beispiele: „Das Grundstück der Grund- und Hauptschule, dieses Areal ist nicht mit reingenommen worden. Es gab auch keine Machbarkeitsstudie in Richtung TSV-Stadion beziehungsweise der Nachnutzung der Prinzhorn-Schule – ein Rathaus hätte kein Problem mit einem Sportplatz nebenan.“ Derzeit steht eine mögliche Wohnbebauung dort zur Diskussion.

Zur geplanten Anmietung fragte Nijenhof: „Wenn wir jetzt darüber nachdenken und entscheiden, dass Rathaus III einen Anbau bekommt, Rathaus IV und V leer bekommen – aus meiner Kenntnis läuft der Mietvertrag gerade aus, wir müssen einen neuen schließen, 10 oder 15 Jahre. Gibt’s eine Option, da früher rauszukommen? Nehmen wir mal an, das geht alles schnell – müssen wir dann die anderen Gebäude weiter mieten?“ Die Verwaltung entgegnete, dass man, wenn man ein gutes Angebot machen würde, eventuell auch dieses Problem lösen könne.

Dr. Karl-Heinz Vehling (Freigeist Burgdorf) fragte: „Ist die Bindung an den Beschluss von 2020 noch gegeben?“ Er warnte vor dem Brandschutzprojekt im Rathaus II: „Alles muss dann raus bis auf Rohbau – ich habe kein Projekt gesehen, wo es lief wie geplant, sondern eher Richtung Rathaus I. Dieses Risiko ist nicht auszuschließen. Die Beschlüsse von 2020 sind in hohem Maße gefährlich. Auch Anforderungen an Arbeitsplätze haben sich verändert.“ Er plädierte: „Wir optieren dafür, den Beschluss von 2020 in Frage zu stellen. Neue Gebäude schaffen, die funktionalen Ansprüchen entsprechen – neu bauen. Investoren finden und anmieten.“

Cord-Heinrich Schweer (CDU) erklärte: „Ich wundere mich über die Diskussion. Wir legen uns nicht fest, wir können ja noch korrigieren.“

Dagmar Thöner (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte: „Wir haben es diskutiert und alles auf dem Tisch gehabt. Die Grünen folgen diesem Beschluss als Leitidee für die Weiterentwicklung. Dann sind wir schon mal einen Schritt weiter.“

Köneke lenkte ein: „Ich kann dem Vorschlag der Verwaltung folgen. Die Alte Realschule wäre noch schlimmer – ich weiß, was da auf uns zukommt, die Räumlichkeiten wären eine unendliche Geschichte.“

Er forderte: „Den Satz zur gefährdeten Bausubstanz würde ich rausstreichen lassen – das ist besser. Wenn wirklich die Substanz in Rathaus II gefährdet ist, dann kann man keine acht Millionen investieren. Denn dann kann man doppelt so viel mit einem Bürogebäide daneben bauen. Dann ist es wirklich nur ein Leitbild, dann können wir dem zustimmen. Die Verwaltung muss Verantwortung übernehmen.“

Bürgermeister Armin Pollehn antwortete: „Ich verstehe die Forderung und verstehe auch Dr. Vehling – man kann bei Sanierungsprojekten nicht ausschließen, dass etwas Unvorhersehbares passiert. Was Sie hier fordern: die Verantwortung auf die Verwaltung zu legen, das schließt jedes Risiko aus. Das ist gar nicht statthaft. Das Rathaus II hat Substanz, wir arbeiten da drin und können arbeiten. Die Fragen sind dann, Denkmalschutz und Brandschutz übereinander zu bringen.“

Andreas Fischer, Leiter Stadtentwicklung und Hochbau der Stadt Burgdorf, ergänzte: „Wir sind noch auf der Studienebene. Wir diskutieren noch nicht über den Baugrund oder die Bausubstanz. Beim Rathaus II müssen wir müssen erstmal sehen, wo wir stehen. Das Rathaus III ist brandschutztechnisch ertüchtigt. Wir entscheiden heute nicht final – ohne Kostenschätzungen oder Kostenrechnungen. Wir können später immer noch entscheiden, ob und was wir es machen wollen.“

Nijenhof räumte ein: „Wir sind gebrannte Kinder. Wir hätten damals niemals gesagt: 8,3 Millionen ist ein guter Preis. Es ist schwierig. Option 2 ist auf jeden Fall raus“ – gemeint war der Umzug in die Alte Realschule.

Pollehn präzisierte zum Vergleich mit Rathaus I: „Wenn wir von Bausubstanz reden, reden wir unter anderem von Brandschutz und Elektroverteilung. Wir haben da keinen Schimmel bis unters Dach. Das Rathaus I ist aus einer ganz anderen Substanz entstanden – in den 1950er Jahren kamen zwei Stockwerke oben drauf. Damals gab es auch keine keine fachmännische Bauleitung, die Balken wurden nicht verzapft, sondern nur Winkel angeschraubt.“

Sieke begründete abschließend noch einmal seine Ablehnung: „Das schließt zwangsläufig andere Ideen aus.“

Mehrheitlich wurde die Campuslösung als Leitidee beschlossen.

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