Vom Kellerbrand bis zur Brandschutzerziehung: Feuerwehr Schillerslage im neuen Zuhause angekommen

Zehn Einsatzkräfte erhielten neue Dienstgrade.
Foto: Bastian Kroll

70 Fahrzeuge auf der Autobahn 37 im Dunkeln einzeln wenden und rückwärts zurückfahren lassen – das war der spektakulärste Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Schillerslage im Jahr 2025. „Wir kamen gerade noch mit dem ersten Fahrzeug durch, die Kameraden aus Heeßel auch – danach war alles dicht“, berichtete Ortsbrandmeister Timo Scheffler am gestrigen Freitag, 20. Februar 2026, bei der Jahreshauptversammlung im Feuerwehrhaus. Nach dem schnell gelöschten Pkw-Brand in der Baustelle kam die eigentliche Herausforderung: „Der Rettungswagen kam nicht raus, nicht vor und zurück. Dann hatten wir richtig Spaß“, so der Ortsbrandmeister. Bei der Versammlung vor rund 50 Gästen präsentierte Scheffler auch das fertiggestellte neue Feuerwehrhaus, das nach 1,5 Jahren zum „zentralen Punkt“ für Dorf- und Feuerwehrgemeinschaft geworden ist.

Unter den Gästen waren Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn, Ortsbürgermeister Cord Reißer, Feuerwehrausschussvorsitzende Beate Neitzel, Erster Stadtrat Michael Kugel, Brandschutzabschnittsleiter Tobias Jacob, Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer, Ortsbrandmeister Burgdorf und stellvertretender Stadtbrandmeister Florian Bethmann, Zugführer Historischer Löschzug Jörg Neitzel, Musikzugführerin Jessica Inselmann sowie die Ehrenortsbrandmeister Otto Wietfeldt und Benno Hoffmann. Auch der Fördervereinsvorsitzende Heiner Wehrs konnte begrüßt werden.

27 Einsätze: Von Ölspur bis Kellerbrand

2025 fuhr die Ortswehr 27 Einsätze: 8 Brandalarme, 14 technische Hilfeleistungen (davon 6 Tauchereinsätze), 3 Fehlalarme und 2 Brandschutzerziehungen. Insgesamt leisteten die Einsatzkräfte 6.029 Stunden Feuerwehrdienst.

Das Jahr begann und endete mit einer Ölspur – am 1. August auf der B188. Am 24. April gab es zudem einen Kellerbrand in der Lerchenstraße. Am 27. Mai kam es zu einem Verkehrsunfall auf der B443 Richtung Röddensen. Gemeinsam mit der Ortsfeuerwehr Heeßel wurde die Lage abgearbeitet. „Wir arbeiten im Zug gut zusammen“, so Scheffler. Am 13. Juli brannte erneut ein Keller in der Weststadt.

Der spektakulärste Einsatz folgte am 27. September: Pkw-Brand in der Baustelle auf der A37. „Das haben wir schnell in den Griff gekriegt – aber dann hatten wir richtig Spaß“, so Scheffler. Im Auftrag der Polizei begannen die Einsatzkräfte, die wartenden Fahrzeuge zu wenden – rund 70 Autos musstren im Dunkeln zurückdirigiert werden.

Brandschutzerziehungen: „Mal nicht zu hilflosen Personen“

Besonders hervorzuheben sind zwei Brandschutzerziehungen. Nach langer Zeit besuchte wieder ein Kindergarten die Feuerwehr. „Die Kinder waren ganz begeistert.“ Am 1. Dezember fuhr die Wehr zur Kita Pusteblume (Krippe) zum lebendigen Weihnachtskalender – natürlich zur Begeisterung aller mit dem Feuerwehrauto. „Diese Einsätze sind immer was Besonderes. Da müssen wir mal nicht zu Personen in einer Notlage fahren, sondern zu Kindern, die sich die Feuerwehr angucken können“, betonte Scheffler.

Neues Feuerwehrhaus: „Zentraler Punkt für Dorf und Feuerwehr“

„Nach 1,5 Jahren ist das Haus endlich fertig“, freute sich Scheffler. Vor drei Wochen wurde das Schild angebracht und der Schaukasten aufgestellt. Die Wehr zog im August 2024 in den Neubau ein.

„Als wir vor 1,5 Jahren hier eingezogen sind, habe ich mir gewünscht, dass es wieder so ein zentraler Punkt wird. Ich denke, das hat ganz gut geklappt.“ Mit örtlichen Vereinen pflege man ein gutes Verhältnis und „wir unterstützen uns gegenseitig“. Auch überörtlich werde das Gebäude genutzt – die Stadtfeuerwehr nutzte das Gebäude und das Jugendorchester des Feuerwehrmusikzugs der Freiwilligen Feuerwehren Burgdorf und Hänigsen hat in diesem geübt.

Die Wehr veranstaltete das erste Osterfeuer im neuen Haus, „das ist überall gut angekommen. Die Arbeit hat sich gelohnt, es wurde deutlich mehr als letztes Jahr verkauft. Die Besucher konnten sich besser verteilen. Alle hatten Spaß und es gab wie immer keinen Ärger.“

Auch beim Ortsrat unterstützte die Wehr bei der Aktion „Sauberes Dorf“, marschierte beim Schützenfest mit und half dem Spielmannszug beim Laternenumzug.

Ausbildung: QS-Lehrgänge und Zug-Dienst mit Heeßel

2024 absolvierten Einsatzkräfte erstmals QS2 und QS3. „QS3 hatte Bauschmerzen gemacht, aber die Truppführer wurden gut ausgebildet.“ Ein besonderer Zug-Dienst mit Heeßel beschäftigte sich mit Transdev-Zügen: „Uns wurde erklärt, wie man eine S-Bahn aufkriegt und wo man rangehen kann.“ Bei Zugunfällen mit Menschenleben in Gefahr komme dieses vor allem bei der S-Bahn vor, weswegen dieser Dienst so wichtung aber auch besonders war.

2025 kamen zwei neue Aktive hinzu, drei Aktive wurden verabschiedet. Aktuell sind drei Kinder in der Kinderfeuerwehr und sieben in der Jugendfeuerwehr – beide bei der Ortsfeuerwehr Burgdorf, da in Schillerslage keine Nachwuchsabteilung betrieben wird.

Mitgliederzahlen und Fahrzeuge

Zum 1. Januar 2025 bestand die Wehr aus 45 Aktiven, 16 Alterskameraden, acht Musiker, drei Passive – 72 Mitglieder insgesamt, berichtete der Ortsbrandmeister.

Im Dezember wurde der Mannschaftstransportwagen (MTW) ausgesondert – er war bei der Hauptuntersuchung durchgefallen. „Das Fahrzeug fehlt hier natürlich, die MTWs werden für Veranstaltungen immer gebraucht.“ Als Ersatz nutzt die Wehr derzeit einen MTW von der Feuerwehr Ramlingen-Ehlershausen. Ersatz sei beschafft worden, aber „30 Monate Lieferzeit – damit hätte keiner gerechnet.“ Mitte 2026 soll der neue MTW kommen.

2029 ist das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) für Ersatzbeschaffung vorgesehen. „Mit dem aktuellen Fahrzeug kommen wir gut klar, haben alles, was wir brauchen“, so Scheffler. Problem: „Die Fahrzeuge werden schwerer. Entweder heißt das weniger Beladung, oder es muss ein größeres Fahrzeug her. Weniger Beladung sei aber keine Motivation für die Aktiven aus Schillerslage. 1.000 Liter auf unserem Fahrzeug reichen gerade so eben, bis das nächste wasserführende Fahrzeug da ist.“

Scheffler blickte voraus: „Gucken, dass wir vernünftige Fahrzeuge kriegen und wir weiterhin adäquat helfen können.“

Förderverein: Osterfeuer und Dreschefest bringen Erfolg

Fördervereinsvorsitzender Heiner Wehrs berichtete über neun neue Mitglieder – jetzt sind es 218 Mitglieder insgesamt, die die Ortsfeuerwehr unterstützen. „Die allgemeine Förderung der Gruppen und Ausstattung, Unterstützung der Gruppenkasse und Aktivitäten standen im Vordergrund. Viel wurde auch in Erhalt und Reparatur der Maschinen und Inventar investiert – vieles ist auch im Feuerwehrhaus gelagert.“

Das Osterfeuer war „nochmal eine Schippe drauf im Vergleich zu 2024. Der Aufwand, den wir betreiben, lohnt sich.“ Auch beim Dreschefest: „Die Buden wurden gut angenommen, als gäb’s kein Morgen – trotz Wind und Staub hat dem ganzen keinen Abbruch getan. Es wat am Ende alles ausverkauft, jeder war zufrieden. Die ganze Arbeit, Zeit und Kraft lohnt sich – alles geht in den Förderverein.“

Grußworte: „Dorfgemeinschaft und Feuerwehrgemeinschaft“

Bürgermeister Armin Pollehn brachte „den Dank und die Anerkennung von Rat und Verwaltung mit. Ihr seid immer bereit rauszufahren – meinen und unseren Dank für diese Einsatzbereitschaft.“

Er freue sich über das Feuerwehrhaus: „Erstens, dass es fertiggestellt ist. Und das Zweite, was mich auch sehr freut: dass ihr es für die Gemeinschaft nutzt – Feuerwehrgemeinschaft und Dorfgemeinschaft. Das finde ich schön, es wurde gut in die Dorfgemeinschaft eingeführt. So soll es auch sein, dafür freut sich auch der Steuerzahler, dass wir diese Dinge hier vor Ort auch machen können.“

Zum Thema Ausbildung: „Gut, dass ihr immer dabei seid – Euer Dienst trägt zur persönlichen Weiterbildung und Kompetenz der Feuerwehr bei.“ Dass die Wehr Nachwuchs habe, „das ist gut, das finde ich prima. Fantastisch, was der Förderverein für die Feuerwehr tut – da steckt viel Arbeit hinter.“

Zum Dreschefest: „Das ist Dorfgemeinschaft, Feuerwehr trägt ganz viel dazu bei – das ist ganz wichtig, das muss auch erwähnt sein.“ Er freue sich über die 45 Aktiven und die anderen Mitglieder.

Ein Punkt sei ihm noch wichtig: „Die Expertise der Feuerwehren wird in Zukunft auch beim Katastrophen- und Bevölkerungsschutz benötigt.“

Erster Stadtrat Michael Kugel betonte: „Ihr seid zusammen ein geschlossenes Team, stellt persönliche Belange zurück, um der Dorfgemeinschaft und Stadtgesellschaft zu helfen.“

Ebenfalls seinen Dank sprach Ortsbürgermeister Cord Reißer aus: „Ich möchte mich für die Bürger bei euch für die ehrenamtliche Arbeit bedanken, die ist wichtig und wird häufig unterschätzt. Da steckt viel Arbeit hinter und viele, viele Stunden – vielen Dank dafür.“

Brandschutzabschnitt IV: 1.177 Einsätze, fünf Alarmierungen pro Tag

Brandschutzabschnittsleiter Tobias Jacob berichtete über die Statistik 2025 auf Brandschutzabschnittsebene: „Wir hatten 1.177 Einsätze abzuarbeiten, insgesamt waren es 1.875 Alarmierungen. Im Durchschnitt fünf Alarmierungen am Tag, die durch die 40 Ortsfeuerwehren abgearbeitet werden – eine sehr beachtliche Zahl, ich war selbst sehr überrascht.“

Es wurden zudem auf Regionsebene zwei Arbeitsgruppen gebildet: Robotik in der Feuerwehr und Weiterentwicklung des ABC-Konzeptes.

Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer brachte „den Dank für euren Einsatz für das Gemeinwohl. 271 Einsätze 2025 gab es im Stadtgebiet, dazu 19 außerhalb für Drehleiter und Taucher – 99 Brände, 123 technische Hilfeleistungen, 49 sonstige. Highlights hatten wir nicht, 2025 war Durchschnitt: Wasserschäden, Bäume auf Fahrbahn, hilflose Personen hinter Türen oder in Aufzügen, eCall-Einsätze.“ Die Alarmeirungen zu ausgelösten Brandmeldeanlagen und Rauchwarnmeldern seien weiterhin hoch. „Man kann aber festhlaten: Die Technik funktioniert, sie löst aus, wenn sie soll.“ 385 Mitglieder hatet die Stadtfeuerwehr am 31. Dezember – 15 weniger als im Vorjahr. Zudem 74 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr, 134 in Kinderfeuerwehr und 85 Musiker.

„Dank vor allem an eure Familien, die die Tätigkeit in der Feuerwehr ermöglichen – und der Dank an euch, dass wenn die Sirene geht, ihr auch kommt.“

Verabschiedung: Holger Meyer nach 30 Jahren Gruppenführer

Nach 30 Jahren als Gruppenführer wurde Holger Meyer von der ersten Gruppe mit einem Geschenk verabschiedet. Holger Meyer konnte dabei die ein oder andere Träne der Rührung nicht unterdrücken. Er dankte den Mitgliedern der Gruppe für das Geschenk.

Ernennungen und Ehrungen

Kim Scharringhausen, Lennart Fischer, Hubertus von Eller-Eberstein und Malte Lammert wurden zur Feuerwehrfrau bzw. zum Feuerwehrmann ernannt und leisteten ihren Diensteid.

Zum Oberfeuerwehrfrau bzw. Oberfeuerwehrmann wurden befördert: Sabrina Bruns und Julius von Eller-Eberstein.

Zur Hauptfeuerwehrfrau bzw. zum Hauptfeuerwehrmann wurden ernannt: Yasemin Molenda, Tom Schankweiler, Christian Potthoff und Joachim Dreesmann.

Zum Oberlöschmeister wurden Andreas Czylwik und Christopher Gröning befördert.

Brandmeister Olaf Buuk wurde das Feuerwehrehrenzeichen des Landes Niedersachsen für 50-jährige Verdienste des Landes Niedersachsen verliehen.

Hauptfeuerwehrmann Wolfgang Heldt wurde das Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landesfeuerwehrverbandes für 60-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr verliehen.

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