Bürger wollen Wasserspiel und Sitzmöglichkeiten als Zentrum am Brandende

Burgdorfs Wirtschaftsförderin Petra Fritz erläutert die Variante "Platz im Platz", die am Ende am meisten Zustimmung erhielt.
Foto: Bastian Kroll

Mehr Aufenthaltsqualität, Gastronomie und ein Wasserspiel: Die Bürger haben bei der Platz-Werkstatt am heutigen Mittwoch, 25. Februar 2026, eine klare Tendenz für die Neugestaltung des Platzes Am Brandende gezeigt. Bei einer Abstimmung am Ausgang des Ratssaals votierte die Mehrheit der rund 70 Teilnehmer für die Variante „Platz im Platz“ – ein zentrales Wasserspiel mit Sitzmöglichkeiten als Ankerpunkt. Zuvor hatten die Bürger bei einem Vor-Ort-Termin den Status Quo besichtigt und im Schloss vier Entwürfe der Landschaftsarchitekten diskutiert. Die Stadt plant mit Gesamtkosten von 500 000 Euro im Rahmen der Städtebauförderung, einen Ratsbeschluss vor der Sommerpause und Baubeginn frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027.

An der Veranstaltung nahmen unter anderem Stadträtin Silke Vierke, Stefanie Riessler vom Tiefbauamt, Mitglieder des Stadtrates und des Seniorenrates teil. Rund 60 Anwesende waren zuvor beim Vor-Ort-Termin auf dem Platz Am Brandende dabei.

Von der „Brandente“ zum „Brutalo-Pflaster“: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

An Schautafeln im Ratssaal wurde der Status Quo verdeutlicht: Welche Vor- und Nachteile hat der Platz, warum nutzen Menschen ihn? Ein Zeitstrahl lud die Besucher ein, aufzuzeigen, was sie in der Vergangenheit mit dem Platz verbinden, was sie heute dazu sagen und wie sie sich „den Platz in Zukunft“ vorstellen.

Viele Erinnerungen sind an die „Brandente“ und das Brandendenfest verbunden. Der Platz sei der Treffpunkt der Jugend gewesen. Für viele erscheint der Platz seit der Geburt unverändert.

Heute wird der Platz eher als schmutzig und unsicher empfunden. „Brutalo-Pflaster“ war allerdings der drastischste Ausdruck an der Tafel. „Öde“ war ein anderer – ein Platz „ohne Thema“. Aufgrund der geringen Verschattung sei dieser Platz im Sommer auch zu warm.

Für die Zukunft wünschen sich die Menschen Ordnung und Sauberkeit, dazu Gastronomie und mehr Aufenthaltsqualität – beispielsweise durch Bänke oder Blumenbeete. Ein Wasserspiel oder Brunnen stand ebenso wieder auf der Wunschliste.

Hintergrund: Von der Brandstelle zum Platz

1809 brannte die Stadt – dort war das Brandende, heute stehen dort mit die ältesten Gebäude Burgdorfs. 1977 wurde die dort durchgehende Straße entwidmet und zum Platz umgestaltet. Vorher ging eine Straße von Nordost nach Südwest, von der Schmiedstraße zur Bahnhofstraße. Anfang der 1980er Jahre entstanden dann auch mehrere Gebäude auf dem Platz.

Vor-Ort-Termin: „Bäume bekommen zu wenig Luft“

Landschaftsarchitektin Dipl.-Ing. Ines Kruse vom Büro Linnea Landschaftsarchitekten aus Hannover führte kurz in den Platz ein: „Er ist Teil der Wegeverbindung. Wir haben uns hier mal hingesetzt und Linien gezeichnet, wie die Wege über den Platz waren. Mittags ist es voll hier, das haben wir gesehen.“

Die Bepflasterung ist ein Natursteinpflaster mit Klinkerstreifen. Zum Teil wird dieses von den Bäumen hochgedrückt. „Die Bäume bekommen vermutlich zu wenig Luft, deswegen drücken die Wurzeln nach oben. Bei einer Neugestaltung sollte man versuchen, das besser zu machen.“

Zentrales Element ist der Brunnen, der abgängig ist – rund 45 Jahre alt wie der Rest des Platzes. Zudem gibt es im Boden noch Leitungen, die zu beachten sind. Vor allem, wenn es um Baumpflanzungen geht.

Für eine mögliche Nutzung sind auch Veranstaltungen ein Thema, wie das Fest im vergangenen Sommer im Rahmen der Hutkonzerte zusammen mit dem Doktor 1667 gezeigt hat.

Im Ratssaal: „Freue mich, dass wir zusammengekommen sind“

Silke Vierke begrüßte im Namen der Stadtverwaltung die Gäste: „Im Januar 2025 wurde überlegt, was man im Rahmen der Städtebauförderung machen kann. Ich freue mich, dass wir hier zusammengekommen sind und es weitergeht. Die Gäste sollen mitgestalten, diskutieren, Fragen stellen können.“

Zur Online-Befragung Ende vergangenen Jahres sagte sie: „Wir haben 700 Rückmeldungen erhalten – darauf sind wir stolz. Wir freuen uns über das Interesse.“ Das Projektleitungsteam im Haus stehe unter der Leitung von Stefanie Riessler.

Jochen Rienau vom Büro KoRiS aus Hannover führte in Hintergrund und Ziele der Planung ein. Der Zeitplan sieht als Nächstes einen Aktionstag am 13. März mit Kindern und Jugendlichen vor, im Sommer 2026 dann die Präsentation der Planungen.

Städtebauförderung: 500 000 Euro, bis zu 90 Prozent Förderung

Stefanie Riessler vom Tiefbauamt der Stadt Burgdorf erklärte: „Wir bekommen Mittel zur Verfügung gestellt zur Städtebauförderung. Es gab einen Arbeitskreis, der sich damit beschäftigte, die Innenstadt attraktiver zu machen – und es stellte sich die Frage: Womit können wir starten? Der Fokus wurde aufs Brandende gelegt“, dass der Platz „etwas in die Jahre gekommen“ ist, so Riessler, er sei „wie Aschenbrödel.“

Im Programm „Perspektive Innenstadt“ nach Corona wurden zwei Konzepte entwickelt: städtebaulicher Rahmenplan und Spiel- und Bewegungskonzept – „beides mit verschiedenen Sichtweisen“.

Bettina Schlomka (Stadtplanung) stellte das mehrjährige Projekt vor – bis zu 15 Jahre Städtebauförderung. „Umbau Rathaus, Umbau Schulstraße, jetzt Brandende, wie auch später noch andere Stadtplätze – Spittaplatz, Bürgermeister-Schuster-Park.“ Wegen der angespannten Haushaltslage sei eine Förderung bis zu 90 Prozent möglich (sonst nur zwei Drittel). „500.000 Euro für Umbau und Planung sind eingeplant. Es sollen auch keine Ausbaubeiträge erhoben werden. Wir denken, dass das Brandende ein sehr schönes Projekt ist – wir wollen damit zeigen, was man mit der Städtebauförderung erreichen kann.“

Wirtschaftsförderin Petra Fritz ergänzte: „Wir wollen die Innenstadt als Ganzes attraktiver gestalten, Das Brandende ist nur ein Teil. Ziel ist es, die Verbindung der Geschäftsstraßen Hannoversche Neustadt und Marktstraße zu stärken und attraktiver zu machen.“

Lars Schumacher vom Ordnungsamt erklärte: „Es ist extra ein Verteilerkasten für Strom gebaut worden, der im vergangenen Jahr das erste Mal seit langem genutzt wurde. Ich kann mir vorstellen, den Verteilerkasten zehnmal im Jahr zu nutzen – es müssen ja keine großen Rockkonzerte sein, aber könnten es viel besser nutzen.“

Online-Umfrage: Außengastronomie ganz oben

Ines Kruse stellte die Ergebnisse der Online-Umfrage vor: Die Außengastronomie stand ganz oben auf der Liste, Sitzmöglichkeiten, mehr Grün. „Der Brunnen ist abgängig, er wird auf jeden Fall verschwinden.“

Die Ziele: „Wie versuchen, Räume zu bilden und gemütlich zu machen.“ Es werde versucht, die Betreiber mit einzubinden – vielleicht auch mit Lichterketten oder Ähnlichem. Auch Veranstaltungen sollen möglich sein: Es seien Konzerte mit Bühne und Schankwagen, ein Flohmarkt oder Weinfest auf dem Platz möglich.

Dabei sollten die Sitzmöglichkeiten möglichst mehr als Bänke sein – beispielsweise bespielbar, multifunktional. Es seien aber „unbedingt seniorengerechte Angebote“ vorgesehen, betonte sie.

„Wir sehen auf jeden Fall ein Wasserspiel, das war ein großer Wunsch. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten: Ein Wasserspender, Fließweg oder Rinne – das wäre nicht so kostenintensiv und kann von Kindern genutzt werden. Es geht aber auch aufwendiger: Fontänen, fünf bis sechs Stück – sowas kann für Kinder ein Magnet sein.“ Aber auch ein Wasserspiegel oder Wassertisch seien möglich.

Barrierefreiheit kontrovers: Pflaster abschleifen statt austauschen

Das Thema Barrierefreiheit wurde kontrovers diskutiert: Die einen sagen, das Natursteinpflaster gehört zur historischen Lage dazu. Die anderen sagen, es ist zu holprig. Abschleifen könnte ein Kompromiss sein. Kruse erklärte: „Das Pflaster kann man nicht komplett ersetzen, weil das schon das gesamte Budget aufbrauchen würde.“ Aber ein Abschleifen sei denkbar – das ist allerdings eine recht neue Technik. Man müsste es punktuell ausprobieren, um die Barrierefreiheit zu erreichen. Auch wurde vorgeschlagen, einen ‚Weg‘ über den Platz abschleifen.

Vier Varianten zur Diskussion

Die Landschaftsarchitekten stellten vier Entwürfe vor. Variante A „Inseln“ sieht Bauminseln mit Sitzmöglichkeiten vor, möglich seien hier auch Lichterketten von den Gebäuden in die Mitte – die dem Platz „ein Dach geben“. Variante B „Platz im Platz“ ist die klassischste Lösung mit einem Wasserspiel und Sitzmöglichkeiten als Zentrum im Bereich des heutigen Brunnens. Variante C „Schlange“ arbeitet mit einem Schwung aus unterbrochenen Sitzmöglichkeiten, die den Platz verbinden und durchführen, ebenfalls mit Wasserspiel. Die Idee dahinter: „Es schafft Räume und gleichzeitig Zusammenhang“. Variante D „Grün“ nimmt eine größere Fläche raus. Es wird mehr entsiegelt und ausgemuldet. „Das kann auch etwas wilder aussehen“, do die Planer.

Die rund 70 Besucher teilten sich nach der Grobvorstellung der Planung bei der Platz-Werkstatt in vier Gruppen auf und diskutierten an vier Stationen die Varianten. Bei Variante A gefielen das ebenerdige Wasserspiel, sich gegenüberliegende Sitzmöglichkeiten und Gestaltungselemente für die Gastronomie. Variante B überzeugte durch ein überbaubares Wasserspiel und Variabilität für Veranstaltungen. Bei Variante C wurden Grün, Blumenkübel und Pergola positiv gesehen – kontrovers diskutiert wurde aber die Eignung für Veranstaltungen. Variante D stieß auf Kritik: Die Grünfläche würde Nutzbarkeit und Gastronomie einschränken. Zwar wurde der Klimaeffekt durch vertikales Grün ausgesprochen, aber „das kommunikative Sitzen fehlt“. Ein Einwand aus der Reihe der Gäste: Man müsse unbedingt die Gastronomen mit einbeziehen. „Hier geht es um nett sitzen und Aufenthaltsqualität – aber die Gastronomen müssen am Ende des Monats ihre Rechnungen bezahlen.“ Die Gastronomen selbst waren – bis auf den Doktor 1667 – allerdings nicht anwesend. „Wir haben viele Anregungen aufgenommen, die vorher so nicht gedacht wurden“, resümierte Kruse nach den Diskussionen.

Fazit: Kombination aus Grün, Sitzen, Wasser

Das Fazit von Ines Kruse: „Es waren viele Informationen, aber auch sehr schön – wir werden in Ruhe sortieren.“ Es werde auch nicht eine Variante 1:1 umgesetzt, „es wird eine neue entstehen“ – eine Kombination aus mehr Grün, Sitzmöglichkeiten und einem Wasserspiel.

Zeitplan und Beteiligung

Riessler: „Wir wollen vor der Sommerpause die Entscheidung im Rat holen. Der Baubeginn liege – wenn alles gut geht – frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027. Es gibt noch nicht den endgültigen Auftrag.“ Die Planung werde in den Ausschüssen des Stadtrates vorgestellt. Sie verwies auf den Newsletter unter diesem Link, um informiert zu bleiben.

Silke Vierke appellierte: „Ich würde Sie bitten: Bleiben Sie dabei. Wir brauchen Ihre Stimme, wir möchten Sie mitnehmen. Der Rat möchte ja, dass wir es gemeinsam erarbeiten. Gehen Sie zu Freunden, Nachbarn und reden Sie darüber und bringen Sie sich ein..“

Am Ende gab es Applaus für das Projektteam und die Beteiligten – einhergehend mit dem Dank, dass die Bürger informiert werden und sich auch einbringen können.

Abstimmung: „Platz im Platz“ gewinnt

Am Ausgang konnten die Besucher für eine der vier Varianten abstimmen. Mit Mehrheit wurde sich für den Entwurf „Platz im Platz“ (Variante B) entschieden, der im Bereich des heutigen Brunnens ein Wasserspiel und Sitzmöglichkeiten als zentralen Ankerpunkt des Platzes vorsieht. Die Planer werden diesen nun aufnehmen und mit den Anregungen aus der Platz-Werkstatt zu einer Variante verbinden, die möglichst viele Vorschläge umsetzen kann.

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