
Beim traditionellen Neujahrstreffen der Fußball-Sparte der TSV Burgdorf am vergangenen Freitag, 27. Februar 2026, hat der 1. Vorsitzende Rolf Tameling im Vereinsheim zahlreiche Sponsoren sowie Vertreter aus Politik begrüßt und die Gelegenheit für einen ebenso kritischen wie engagierten Rück- und Ausblick genutzt. Es wurde ein Abend mit klaren Forderungen, selbstkritischen Tönen und bewegenden Momenten.
„Schutz für Kinder“ – Spendenaufruf für neue Torsicherungen
Unter das Motto „Schutz für Kinder“ stellte Tameling seinen Bericht. Nachdem im vergangenen Jahr Torsicherungen entwendet worden waren, warb er um Unterstützung für die Neubeschaffung. „Sicherheit auf unseren Plätzen hat oberste Priorität“, betonte er und appellierte an die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten.
Kritik an der Sportförderung und steigenden Kosten
Deutliche Worte fand Tameling zur kommunalen Sportförderung. „Die Sportförderung ist keine Sportförderung“, erklärte er. Rund 90 Prozent der Fördermittel flössen indirekt an die Stadt zurück. Zwar habe die Kommune nur eingeschränkte Handlungsspielräume, doch mit engerer Zusammenarbeit ließen sich aus seiner Sicht andere Ziele erreichen.
Das Stadion im Herzen der Stadt sei zwar eine überragende Anlage, doch der Unterhalt werde bei sinkenden Mitgliederzahlen zunehmend zur Belastung. Der starke Pflanzenbewuchs erfordere nahezu einen eigenen Maschinenpark, selbst einfache Arbeiten wie der Heckenschnitt seien kaum noch zu bewältigen. Für notwendige Geräte fehle es an Ausstattung, auch wenn genügend Helfer bereitstünden. Hinzu kämen sanierungsbedürftige Bereiche wie die Laufbahn, die ebenfalls von Schulen genutzt werde. „Das kann nicht allein Aufgabe des Vereins sein“, machte Tameling deutlich und forderte gemeinsame Lösungen mit der Stadt.
Zugleich verwies er auf stark gestiegene laufende Kosten für Strom, Gas und Düngemittel sowie auf höhere Hallennutzungsgebühren.
Kunstrasen und Wettbewerbsnachteile
Auch beim geplanten, vom Bund geförderten Kunstrasenplatz äußerte Tameling Kritik. Ursprünglich habe es sich um eine Interessenbekundung mit 24 Monaten Ausarbeitungszeit gehandelt, nun müsse erneut ein Jahr gewartet werden. Zwar lobte er die Gesprächsbereitschaft von Politik und Verwaltung, doch andere Kommunen seien deutlich weiter. In Immensen entstehe eine weitere Kunstrasenanlage, in Hannover gebe es mittlerweile 14 Plätze, etwa die Hälfte aller Spiele werde dort auf Kunstrasen ausgetragen. Für Burgdorfer Mannschaften entstünden dadurch „klare Wettbewerbsnachteile“.
Fusionen und verpasste Chancen
Mit Blick auf die Zukunft des regionalen Fußballs sprach Tameling offen über mögliche Fusionen. „Überall wird über Fusion gesprochen“, sagte er. Jugendtrainer, Teile von Vorständen und Sponsoren sähen die Notwendigkeit, konkrete Schritte blieben jedoch aus. Man hänge vielerorts noch an alten Strukturen. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, Gespräche zu führen, solange finanzielle Lage und Mitgliederzahlen stabil seien. Aus der Not heraus zu handeln oder auf das Scheitern anderer Vereine zu warten, könne kein Erfolgsmodell sein.
Als positives Beispiel nannte er die Stadt Verl, wo Vereine gemeinsam den Weg in die 3. Liga gefunden hätten. „Wir vertun solche Chancen Jahr für Jahr“, mahnte er. Die TSV Burgdorf arbeite dennoch mit „langem Atem“ an Ideen für Jugend- und Herrenbereich, um attraktiv und erfolgreich zu bleiben.
Appell an die eigene Gemeinschaft
Kritik richtete Tameling auch an die eigenen Reihen. „Es darf keine Ein-Mann-Gesellschaft sein“, betonte er. Der Vorstand dürfe nicht zum Hausmeisterteam werden. Eine gepflegte Anlage sei Aufgabe aller Mitglieder. Mülltonnen leeren, Aschenbecher säubern oder vor den Kabinen fegen – Gemeinschaft beginne im Kleinen. Das moderne und vielfach gelobte Vereinsheim zeige, was gemeinsames Anpacken bewirken könne.
Nachwuchsarbeit und falsche Erwartungen
Gemeinsam mit Trainer Halit Özden sprach Tameling über die Entwicklung im Jugendbereich. Immer häufiger träumten junge Spieler von hohen Geldsummen im Bezirks- oder Kreisbereich. Die TSV setze auf fundierte Ausbildung, verliere jedoch Talente an Vereine mit großen Versprechungen. Der ältere A-Jugendjahrgang mit zwei Mannschaften sei dadurch faktisch zerfallen, Auswirkungen reichten bis in die C-Jugend. Rund 75 Prozent der abgeworbenen Spieler seien inzwischen nicht mehr aktiv. Demgegenüber stehe die erfolgreiche Arbeit der JSG-Gründervereine, die einen Großteil ihrer Jugendspieler integrieren konnten und heute erfolgreich im Bezirk und in der Kreisliga spielen.
Halit Özden kündigt Abschied an
Für einen emotionalen Höhepunkt sorgte Halit Özden. Nach 26 Jahren „Traumfußball“ in Burgdorf kündigte der Trainer der 1. Herren seinen Rücktritt zum Saisonende an. Private und berufliche Gründe seien ausschlaggebend, nicht der Verein. Er werde der TSV jedoch verbunden bleiben. Die Anwesenden verabschiedeten ihn mit großem Respekt.
Innovationen und neue Reichweite
Positiv hob Tameling den etablierten Platzhirsch-Pokal hervor, der sich auf Kreisebene zu einem Publikumsmagneten entwickelt habe. Auch das Neujahrsturnier solle ab 2027 im Hallenbereich weiter aufgewertet werden. Dafür werden noch Sponsoren gesucht.
Zudem informierte die Sparte über neue Werbemöglichkeiten, darunter eine neue Spielstandsanzeige und individuell gestaltbare Bildschirmwerbung im Vereinsheim. Der „Stadionkurier“ erscheine zusätzlich online und erreiche so eine deutlich größere, jüngere Zielgruppe.
Abschluss mit Florian Meyer
Den Abschluss gestaltete der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Florian Meyer mit Anekdoten und Spielszenen. Interaktiv bezog er die Gäste in Entscheidungen ein und sorgte für großen Applaus.
Am Ende stand ein klares Signal: Die Fußball-Sparte der TSV Burgdorf sieht sich mit finanziellen, strukturellen und gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Verein mit Engagement, Innovationsbereitschaft und dem Willen zur Zusammenarbeit die kommenden Jahre aktiv gestalten will.



