
Der Ausschuss für Soziales, Integration, Prävention und Gleichstellung hat am heutigen Dienstagabend, 3. März 2026, im Ratssaal des Schlosses am Spittaplatz einstimmig den Weg für die Neustrukturierung des Präventionsrates Burgdorf freigemacht. Die Vorlage sowie ein ergänzender Änderungsantrag der FGB-Fraktion wurden ohne Gegenstimmen zur weiteren Beratung in den Verwaltungsausschuss und schließlich in den Rat weitergeleitet.
Ein langer Weg zur Neuaufstellung
Die Geschichte des Burgdorfer Präventionsrates reicht bis ins Jahr 1999 zurück, als das Gremium gegründet wurde. In den 2000er Jahren entfaltete es eine hohe Aktivität mit bis zu fünf oder sechs gleichzeitig laufenden Arbeitsgruppen zu Themen wie Kinder- und Jugendgewalt, Integration und Häuslicher Gewalt. Burgdorfs neue Gleichstellungsbeauftragte Fokeline Beerbaum-Vellinga, die das Konzept vorstellte, würdigte ausdrücklich das damalige ehrenamtliche Engagement: Die Gruppen seien gut vernetzt gewesen, und vieles sei damals bereits geleistet worden, auch wenn sich Prävention nicht immer in Zahlen messen lasse. Im Jahr 2018 wurden zuletzt Mitglieder vom Stadtrat in den Präventionsrat berufen – ein Ratsbeschluss zur Einrichtung eines kommunalen Präventionsrates blieb jedoch folgenlos. Nun soll dieser Beschluss durch die aktuelle Vorlage aktualisiert und mit Leben gefüllt werden.



Dreistufige Struktur als Grundgerüst
Der neue „Präventionsrat 2.0″ soll nach den Empfehlungen des Landespräventionsrates Niedersachsen aufgebaut werden, die bereits im Januar in einer Sitzung des Ausschusses vorgestellt worden waren. Kern des Konzepts ist eine dreistufige Struktur: Der Präventionsrat selbst bildet das strategische Dach und tagt in der Regel ein- bis zweimal jährlich. Eine Lenkungsgruppe übernimmt die operative Steuerung und bereitet Entscheidungen vor – sie soll viermal im Jahr zusammenkommen. Darunter sollen themenbezogene Arbeitsgruppen mit klaren Aufträgen arbeiten, wobei die Zahl der parallel laufenden Gruppen auf maximal zwei bis drei begrenzt wird. Beerbaum-Vellinga betonte, dass ein zu großes Themenspektrum die Entscheidungsfähigkeit lähme – Fokus sei das entscheidende Prinzip.
Als Grundlage für die Schwerpunktsetzung sieht das Konzept eine dreigliedrige Bedarfsanalyse vor: Gespräche mit relevanten Akteuren aus Vereinen und Verbänden, eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik sowie eine öffentliche Auftaktveranstaltung. Ziel ist es, innerhalb von sechs Monaten nach der Konstituierung eine klare Schwerpunktsetzung auf Datenbasis vorzulegen. Der Auftakt soll nach der Sommerpause erfolgen, die Schwerpunkte bis Jahresende feststehen.
Politische Einbindung und Zieldiskussion
Die Diskussion im Ausschuss zeigte, dass der Wille zur Neuaufstellung zwar parteiübergreifend getragen wird, über die Ausgestaltung aber durchaus unterschiedliche Vorstellungen bestehen. Hartmut Braun (Bündnis 90/Die Grünen) merkte an, das Konzept enthalte viele Akteure, aber wenig direkte Politik – Beerbaum-Vellinga entgegnete, dass der Einfluss der Politik über den Sozialausschuss in der Lenkungsgruppe gewährleistet sei und sie bereit sei, regelmäßig in Ausschusssitzungen Sachstand zu berichten. Tanja Kicza (CDU) regte an, den Vorsitz des Sozialausschusses explizit in der Lenkungsgruppe zu verankern – ein Punkt, der ebenfalls einstimmig angenommen wurde.
Dr. Karl-Heinz Vehling (Freigeist Burgdorf) brachte zwei wesentliche Kritikpunkte ein: Ihm fehlten konkrete Ziele von Beginn an, und er wünschte sich, dass die Erkenntnisse aus dem derzeit in Arbeit befindlichen Integrationskonzept direkt in die Arbeit des Präventionsrates einfließen. Zudem plädierte er dafür, mit dem neuen Wahlzyklus zu beginnen, um sicherzustellen, dass ein neu gewählter Rat nicht mit Beschlüssen arbeiten müsse, die er selbst nicht mehr mittrage.
Antrag als Ergänzung angenommen
Der von Dr. Vehling eingebrachte Änderungsantrag der Fraktion Freigeist Burgdorf zielt darauf ab, den Präventionsrat stärker an messbaren Zielen auszurichten. Konkret fordert er, dass der Rat innerhalb von sechs Monaten nach seiner Konstituierung einen priorisierten Zielrahmen entwickelt und dem Rat vorlegt. Als mögliche Handlungsfelder nennt der Antrag unter anderem die Unterstützung von Kindern mit erhöhtem Schulabbruchrisiko, die Prävention von Gewalt im öffentlichen Raum, die Stärkung von Sprach- und Integrationskompetenzen sowie Sicherheitskonzepte für Bereiche subjektiver Unsicherheit wie den Bahnhof oder Schulhöfe.
Birgit Meinig (SPD) zeigte sich aufgeschlossen gegenüber den Anregungen, betonte aber, dass eine solide Analyse der Ausgangspunkt für Ziele sein müsse – und nicht umgekehrt. Hartmut Braun bezeichnete den Antrag treffend als Ergänzungsantrag, der sich gut in das Gesamtkonzept einfüge. Der Angtrag wurde einstimmig angenommen.
Budget und nächste Schritte
Der Leiter der Polizeiinspektion Burgdorf, Christoph Badenhop, einer von drei Gästen der Sitzung, gab dem Ausschuss noch einen praktischen Rat mit auf den Weg: Ein Präventionsrat ohne Budget sei „ein zahnloser Tiger“. In anderen Kommunen seien Beträge zwischen 5.000 und 12.000 Euro üblich – er regte an, dem Rat ein entsprechendes Finanzpolster zu ermöglichen. Björn Sund (SPD) mahnte an, dass im Gesamtbeschluss zudem auch ein konkreter Startzeitpunkt fehle. Die Mitglieder einigten sich darauf, nicht bis zum Start der nächsten Legislaturperiode Kommunalwahl in acht Monaten zu warten, sondern den Präventionsrat schnellstmöglich zu etablieren.
Die Gesamtvorlage inklusive aller Ergänzungen wurde schließlich einstimmig zur weiteren Beratung in den Verwaltungsausschuss (17. März) und zur Entscheidung in den Stadtrat (19. März) weitergeleitet.
