
Die Zukunft der Burgdorfer Rathäuser bleibt eine der größten und teuersten offenen Fragen der Stadtpolitik – aber sie hat am heutigen Montag, 9. März 2026, im Haushaltsausschuss zumindest eine klarere Richtung bekommen. Der Ausschuss empfahl dem Stadtrat sieben Leitlinien, die künftig die Planungen rahmen sollen. Endgültig entscheidet der Rat.
Der Ausgangspunkt war eine Beschlussvorlage auf Grundlage des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK), die Verwaltungsgebäude in der Stadtmitte konzentrieren will – intern als „Campusidee“ bekannt. Doch gleich zu Beginn der Debatte war klar: So, wie die Vorlage lag, wollte sie kaum jemand beschließen. Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) legte den Finger in die Wunde: „Wir müssen auf Null gehen. Die Grundlagen haben sich geändert.“ Er schlug vor, fraktionsübergreifend eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Auch Rüdiger Nijenhof (WGS Freie Burgdorfer) zeigte sich offen dafür, Oliver Sieke (CDU) kritisierte, die Machbarkeitsstudie sei nicht vollumfänglich.
Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) mahnte hingegen zur Entschlossenheit: „Wir reden seit Jahrzehnten darüber. Jetzt noch einmal zu verschieben ist nicht verantwortungsvoll – die Kostensteigerungen im Baubereich sind immens.“ Auch Simone Heller (Bündnis 90/Die Grünen) und Jens Braun (AfD) wollten keine weitere Arbeitsgruppe: „Irgendwann muss mal Schluss sein mit den Diskussionen“, so Braun.
Nach langer intensiver Diskussion einigten sich die Mitglieder am Ende auf ein Paket aus sieben Empfehlungen, über die einzeln abgestimmt wurde:
Die Verwaltungsstandorte sollen in der Stadtmitte konzentriert bleiben – dafür stimmten sieben Mitglieder, bei einer Enthaltung. Die von der Verwaltung vorgestellte Neubauvariante – längs auf dem Parkplatz vom Rathaus III zum Rathaius II – ist dabei keine zwingende Vorgabe, sondern nur ein möglicher Lösungsweg – einstimmig beschlossen. Ebenfalls einstimmig: Die Alte Realschule wird als Verwaltungs-Standort nicht weiterverfolgt. Anmietungen von Büroflächen sollen auf ein Minimum beschränkt werden. Ein gesonderter Arbeitskreis zur weiteren Planung wurde mit fünf zu vier Stimmen abgelehnt. Die Sanierung des Rathauses II soll weiterverfolgt werden – einstimmig. Schließlich sollen auch der Antrag der Fraktion Freigeist Burgdorf zu einem Rathaus am Schloss sowie die Idee eines gespiegelten Rathauses III in die weiteren Überlegungen einfließen – ebenfalls einstimmig.
Der Begriff „Campus“, der die Debatte zuletzt geprägt hatte, dürfte damit der Vergangenheit angehören. Simone Heller stellte am Ende trocken fest: „Das böse Wort Campus ist weg.“
Patricia-Diana Könecke aus der Abteilung Gebäudewirtschaft der Stadt Burgdorf hatte zuvor noch einmal die Dringlichkeit unterstrichen: „Wir geben jeden Tag Geld aus. Hätten wir den Anbau an Rathaus III damals gemacht, hätten wir diese Probleme heute nicht. Es wird jeden Tag teurer.“
