Burgdorf mit knapp 33 Millionen Euro Defizit: Rat beschließt Nachtragsstellenplan und Nachtragshaushalt

Der Burgdorfer Stadtrat beschloss gestern den Nachtragshaushalt.
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Der städtische Haushalt entwickelt sich schlechter als geplant: Das Defizit der Stadt Burgdorf beläuft sich auf fast 33 Millionen Euro für das Jahr 2026. Der Rat der Stadt hat am gestrigen Donnerstag, 19. März 2026, sowohl den Nachtragsstellenplan 2026 als auch die erste Nachtragshaushaltssatzung 2026 beschlossen – jeweils mit 24 Ja-Stimmen bei fünf Gegenstimmen.

Neue Stellen, alte Wunden

Der Nachtragsstellenplan sieht 12,25 zusätzliche Stellen vor, für die die Stadt lediglich 215.000 Euro einplant. Der Grund: Acht der Stellen sind als Personalreserve ausgewiesen – sie sind mit null Euro veranschlagt. Stadträtin Silke Vierke erläuterte die ungewöhnliche Konstruktion: Langjährig erkrankte Mitarbeitende könnten möglicherweise dauerhaft nicht mehr in ihre alten Stellen zurückkehren. Um die gut eingearbeiteten Kräfte, die diese Stellen inzwischen besetzen, halten zu können, brauche die Stadt neue Planstellen. Sonst könnten die Mitarbeitenden nur befristet beschäftigt werden und würden sich am Ende einen anderen Arbeitgeber suchen. Die ursprünglichen Stellen blieben unbesetzt – daher entstünden keine zusätzlichen Personalkosten.

Gerald Hinz (SPD) sprach für die Gruppe SPD/Grüne und nannte die Situation erschreckend, aber erklärbar: Qualifiziertes Personal sei immer schwieriger zu bekommen. Neben der Personalreserve werden eine Stelle für Digitalisierung, Stellen im Bereich Zivilschutz und Gefahrenabwehr sowie zwei Stellen in der Gebäudewirtschaft beantragt – allesamt mit begründetem Bedarf.

Rechnerei und Reibungspunkte

Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) konnte dem Stellenplan nicht zustimmen. „Da hab ich ein ganz großes Problem mit“, sagte er: Wenn die acht Erkrankten zurückkehrten, stünden plötzlich doppelt so viele Stellen im Haushalt. „Das Ergebnis könnte ganz anders aussehen.“ Außerdem habe seine Fraktion bereits gegen den ursprünglichen Haushalt gestimmt – ein Nachtrag mache ihn nicht besser: „Es geht in die falsche Richtung.“

Anika Lilienthal (FDP) schloss sich dem an. Klaus Köneke (CDU) stimmte „mit Bauchschmerzen“ zu: Im selben Ausschuss seien 1,5 Stellen eingespart worden, während neue hinzukämen. Die Fluktuation in der Verwaltung – rund 20 Stellen pro Jahr – sei ein strukturelles Problem: „Da muss sich was tun, damit man langfristig Einsparungen hat.“

Michael Fleischmann (parteilos) zog grundsätzlich vom Leder: Burgdorf habe mehr Personal als die Stadt Lehrte, obwohl Lehrte die größere Stadt sei. Gerald Hinz (SPD) wies das zurück: Lehrte habe deutlich mehr Verwaltungspersonal als Burgdorf. Vierke bestätigte dies.

Die Diskussionen zogen schließlich größere Kreise. Michael Fleischmann betitelte die IGS als „maßlos“. Es sei eine „Unverschämtheit, das müssen die Bürgerinnen und Bürger zahlen“. Gerald Hinz verwies auf andere Schulbauprojekte: „Man kann nicht behaupten, dass unsere Schule zu teuer war, im Vergleich zu anderen Vorhaben.“ In dieselbe Kerbe schlug Rüdiger Nijenhof: „Die Schule würde heute 200 Millionen kosten. Heute würde man sagen: Das war ein Schnäppchen“.

Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) pflichtete Köneke bei und rechnete nüchtern vor: „Die IGS wird uns 30 Millionen Euro alleine an Zinsen kosten. Der Bauhof zusammen mit den Zinsen eher 40 Millionen. Das sind die Kosten, wenn man es auf Kredit bezahlt“. Denn auf die eigentlichen Baukosten „kommen „dummerweise noch Kapitalkosten.“

Hinz mahnte gleichzeitig zur Verhältnismäßigkeit: „Der Verzicht auf Investitionen ist keine Einsparung.“ Der neue Bauhof und die IGS motivierten auch die Mitarbeitenden. „Wir müssen lernen, dass das Verschieben von Investitionen in die Zukunft immer teurer wird“, so Hinz.

Appell an Bund und Land

Mehrere Rednerinnen und Redner wandten sich an die übergeordneten politischen Ebenen in Land und Bund. „Wenn ihr uns Aufgaben gebt, dann gebt uns auch das Geld dafür“, forderte Nijenhof. Hinz schloss sich an: Defizitäre Haushalte seien ein Problem für alle Kommunen. „Da wird bestellt, wir müssen es zahlen – das geht auf Dauer nicht, sonst wird die Handlungsfähigkeit eingeschränkt.“

Gegen den Nachtragsstellenplan und den Nachtragshaushalt stimmten WGS FreieBurgdorfer, AfD, FDP und Michael Fleischmann – insgesamt fünf Stimmen. 24 Ratsmitglieder stimmten jeweils dafür.

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