
Was war das erste Telefongespräch in Burgdorf, wer saß als erste Frau im Stadtrat – und wie stellen sich die Bürgerinnen und Bürger die Stadt im Jahr 2050 vor? Rund 50 Gäste kamen zur Eröffnung am heutigen Sonnabend, 21. März 2026, ins Stadtmuseum an der Schmiedestraße 6 in Burgdorf. Musikalisch begleitet vom Trio Brazzo Brazzone wurden gleich zwei Ausstellungen eröffnet: „Die Ersten in Burgdorf – Eine Stadt wagt Neues“ sowie „VISIONEN – Burgdorf 2050″.



Schlachter, Bäcker und das Tempo des Wandels
SMB-Vorsitzender Markus Wzietek begrüßte die Gäste und spannte einen weiten Bogen: Es sei bereits die zweite Ausstellung des Jahres, und es gehe in dieser ums Bewahren und Verändern. „Wie viele Schlachter und Bäcker gab es früher noch in Burgdorf?“ fragte er – und gab die Antwort gleich mit: Heute sei es ein Bäcker und gerade noch zwei Schlachter im Stadtgebiet. Auch das Gaststättensterben beschäftige ihn: Früher sei um 22 Uhr überall noch was los gewesen, heute schließe man um diese Uhrzeit – auch wegen des Fachkräftemangels. In der Geschichte sei es aber immer darum gegangen, Neues zu wagen und sich zu verändern. Wzietek dankte den Unterstützern der Ausstellung: dem VVV, dem Förderverein Stadtmuseum, der Sparkasse Hannover, CKT Folientechnik sowie der Region Hannover. Er verwies außerdem auf die Ausstellung im Obergeschoss: „Machen Sie mit und schreiben Sie Ihre Visionen auf“ – oben fänden sich bereits Einträge, darunter den Wunsch, Hannover 96 möge wieder in der Bundesliga spielen. „Das wünsche ich mir auch“, so Wzietek. „Nichts wird mehr so sein wie früher“, schloss er.



Pollehn: „Unsere Stadt hat vieles zu bieten – nur kein Geld“
Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn sprach von einer Zeitreise durch die Stadtgeschichte und einem Blick in die Zukunft zugleich – und verknüpfte die Ausstellungen mit dem Themenjahr 2027 der Stadt unter dem Motto „Neues wagen“. Burgdorf habe oft Neuland betreten: das erste Telefongespräch am 28. November 1899, die ersten Frauen im Stadtrat am 15. September 1946, eine der frühen städtischen Müllabfuhren in der Region – damals noch mit BU-Kennzeichen. „Ich bin dafür, das wieder einzuführen“, erklärte Pollehn, der die Stadt an die Zeit als eigenem Landkreis erinnerte. Bildung habe die Stadtgeschichte stets begleitet, von der Schenkungsurkunde zur Lehrerbesoldung im Jahr 1516 bis zur neuen IGS. Auch die Feuerwehr mit ihrer langen Tradition erwähnte er dankbar. Einen besonderen Hinweis gab es für das Goldene Buch der Stadt, das in der Ausstellung zu sehen ist – mit dem ersten Eintrag von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer. „Ich möchte Ihre Erwartungen aber nicht enttäuschen“, so Pollehn: „Es ist nicht aus Gold – es heißt nur so.“ Auf eine Ausstellung „Visionen Burgdorf 2029″, die bereits 2002 in der Alten Rotation gezeigt wurde, blickte er zurück: Einige Visionen seien wahr geworden – der Schwerverkehr aus der Innenstadt ist verschwunden, die Schulen wurden verbessert. „Unsere Stadt hat vieles zu bieten – nur kein Geld“, sagte er mit einem Schmunzeln.


Von der Rufnummer 5 bis zur ersten Demokratie
Die Ausstellung „Die Ersten in Burgdorf – Eine Stadt wagt Neues“ führt durch Jahrhunderte Stadtgeschichte. Ein Schwerpunkt liegt auf dem ersten Telefon: Der technikbegeisterte Uhrmacher Heinrich Becker installierte bereits 1883 in seinem Haus am heutigen Spittaplatz 9 Telefonapparate – und trieb die Einführung des öffentlichen Telefonnetzes voran. Im September 1899 verlegte die Post die ersten Leitungen zu 24 Teilnehmern; die Spar- und Darlehenskasse Burgdorf erhielt als erstes Unternehmen im Ort die Rufnummer 5. Weitere Kapitel widmen sich der Schulgeschichte seit dem 17. Jahrhundert, den ersten Frauen im Burgdorfer Stadtrat nach der demokratischen Kommunalwahl vom 15. September 1946 sowie der Geschichte der städtischen Müllabfuhr – von der Pferdekutsche bis zur Mülltonne aus Kunststoff.
Im Obergeschoss lädt „VISIONEN – Burgdorf 2050″ dazu ein, selbst mitzumachen: Besucherinnen und Besucher können ihre eigenen Wünsche und Ideen für die Zukunft der Stadt aufschreiben.
Praktische Informationen
Beide Ausstellungen sind bis zum 17. Mai 2026 zu sehen. Geöffnet ist sonntags von 14 bis 17 Uhr; für Schulklassen, Vereine und Gruppen werden Führungen nach Vereinbarung angeboten. Ansprechpartner ist VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich unter der Telefonnummer 05136/1862.
Zu den Gästen der Eröffnung zählten neben Bürgermeister Pollehn auch VVV-Ehrenvorsitzender Karl-Ludwig Schrader, stellvertretender Stadtbrandmeister Florian Bethmann und Ehrenstadtbrandmeister Alfred Brönnemann. An der Zusammenstellung, Organisation und dem Aufbau der Ausstellung wirkten mit: Christoph Adolph, Gerhard Bleich, Anke Gehrke, Karl-Heinz Röber, Martin Schlehuber, Silvia Schwentke, Christina Winter und Burkhard Wolters, denen ein besonderer Dank ausgesprochen wurde.















