Nach acht Jahren in der Scheune: Schillerslages Handdruckspritze erwacht wieder zum Leben

Mit viel Muskelkraft wurde an der Handdruckspritze das Wasser gepumpt.
Foto: Bastian Kroll

Es ist, mit Verlaub, ein kleines historisches Datum für ein historisches Gefährt. Am heutigen Sonnabend, 25. April 2026, holte die Gruppe Schillerslage des Historischen Löschzuges der Stadt Burgdorf ihre Handdruckspritze aus dem Jahr 1904 nach acht Jahren in einer Scheune wieder ans Tageslicht – und stellte sie erstmal unter die Lupe. Rund zehn Mitglieder kamen dafür ans Feuerwehrhaus Schillerslage, wo das gute Stück nun neben dem modernen wasserführenden Tragkraftspritzenfahrzeug steht: 120 Jahre Feuerwehrgeschichte auf engstem Raum.

Kein Rost, kein Drama

Zugführer Jörg Neitzel führte durch die Inspektion – und das Ergebnis fiel erfreulich aus. Die Handdruckspritze hat ihre Zeit im Dornröschenschlaf bemerkenswert gut überstanden. Größere Mängel waren nicht zu erkennen; bis auf das Ersetzen einiger Riemen und Dichtungen sowie das Aufarbeiten des Holzes und Abdichten des Wassertanks stehen keine nennenswerten Arbeiten an. „Da haben wir ganz andere Spritzen in der Stadt, die haben ganz andere Probleme“, ließ Neitzel wissen. Vor zehn Jahren wurde das Schillerslager Gefährt bereits aufwendig restauriert – offenbar mit dauerhaftem Erfolg.

Pferdegespann inklusive, Wasserleitung exklusive

Bei der genaueren Besichtigung offenbarte das knapp eine Tonne schwere Fahrzeug seinen ganzen historischen Charme. Gezogen von Pferden, bot es Platz für sechs Einsatzkräfte und war mit rund 350 Litern Wasser, vier C-Schläuchen und zwei Strahlrohren bestückt. Für die Wasserversorgung sorgten Saugschläuche, um aus Gewässern zu pumpen – ein Unterflurhydrant existierte damals selbstverständlich noch nicht. Stattdessen gehören ein Erdbohrer und ein eigener Saugkopf zur Ausrüstung, mit denen die Feuerwehrleute anno 1904 kurzerhand Grundwasser anzapften. Man behalf sich, wie man konnte.

Schwengel rauf, Schwengel runter

Der eigentliche Höhepunkt des Tages war dann die Inbetriebnahme. Sechs Personen übernahmen die sogenannten Schwengel – die Pumphebel, die im Wechsel auf- und abbewegt werden müssen – und brachten die Spritze in den Saugbetrieb, in den Tankbetrieb und zum Auffüllen des Tanks. Harte Knochenarbeit, wie sich schnell zeigte. „Die haben früher stundenlang gepumpt und mussten sich häufig abwechseln“, berichtete ein Mitglied des Historischen Löschzuges. Nach kurzer Zeit stand Wasser am Strahlrohr an und schoss in hohem Bogen davon. Zugführer Neitzel war beeindruckt: „Man, die hat aber ordentlich Druck.“ Rund 600 Liter pro Minute schätzt er als Wasserabgabe – für ein 120 Jahre altes Gefährt eine durchaus respektable Leistung.

Teil eines größeren Zuges – und offen für alle

Der Historische Löschzug der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Burgdorf besteht nicht nur aus der Schillerslager Spritze. Auch die Handdruckspritzen aus Beinhorn, Dachtmissen, Ramlingen-Ehlershausen und Burgdorf mit weiteren Mitgliedern, die sich um die historischen Spritzen kümmern, gehören dazu. Letztere ist derzeit im Stadtmuseum im Rahmen der Ausstellung „Die Ersten in Burgdorf – eine Stadt wagt Neues“ zu sehen – bis zum 17. Mai jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr.

In diesem Jahr wird der Historische Löschzug übrigens 50 Jahre alt – ein rundes Jubiläum für eine Gruppe, die zeigt, dass Feuerwehrgeschichte lebendig bleiben kann. Wer mitmachen möchte, muss dafür übrigens keine aktive Feuerwehrfrau und kein aktiver Feuerwehrmann sein: Der Historische Löschzug steht jedem offen, der Lust auf Tradition und alte Technik hat. Vorteil beim Historischen Löschzug: „Wir wissen, wann der nächste Einsatz ist.“ Weitere Informationen gibt es unter www.historischer-loeschzug-burgdorf.de.

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