
Ein Kind steht irgendwo in der Stadt, ist allein und weiß nicht weiter. Vielleicht hat es den Heimweg nicht gefunden, vielleicht ist der Handyakku leer, vielleicht sucht es verzweifelt seine Mama. Genau für diesen Moment gibt es die Kinderschutzinseln — und Burgdorf will davon künftig deutlich mehr.
Im Ausschuss für Jugendhilfe und Familie am heutigen Montag, 8. Juni 2026, stellte Michaela Schneider, Geschäftsführerin der Kinderschutzallianz Niedersachsen und im Innenministerium des Landes angesiedelt, das Konzept vor. Die Idee ist denkbar einfach: Teilnehmende Geschäfte bringen einen Aufkleber – am besten den mit dem Maskottchen Basko — einem Polizeihund — im Schaufenster an. Kinder, die dieses Zeichen kennen, wissen: Hier kann ich reingehen und um Hilfe bitten. Die Mitarbeitenden sind geschult, die Kosten werden von der Kinderschutzallianz getragen.
Seit 2023 wächst das Netz beständig. Bundesweit gibt es bereits 850 solcher Inseln, allein 150 in Hannover und der Region. Burgdorf ist derzeit mit drei Anlaufstellen dabei: die Volksbank sowie beide Filialen der Sparkasse Hannover tragen den Aufkleber, der die Filialen als Kinderschutzinsel auszeichnet.



Kinder werden selbst zu Botschaftern
Was das Konzept von einem schlichten Hinweisschild unterscheidet, ist der pädagogische Ansatz dahinter. Die Kinderschutzallianz setzt von Anfang an auf die Kinder selbst. An der Ingo-Siegner-Grundschule (ISGS) — sie macht in Burgdorf den Anfang — richtet Julia John, Sozialpädagogin an der Schule, im Sommer eine AG ein. Schülerinnen und Schüler erkunden dabei gemeinsam ihr Viertel: Wo halten sie sich auf? Welche Geschäfte kennen sie? Wo wäre eine Kinderschutzinsel sinnvoll?
Das ist kein Zufall. Schneider berichtete, dass Evaluationen an Schulen, die das Konzept eingeführt haben, einen Rückgang von Gewalt um rund 80 Prozent zeigen. Die entscheidende Stellschraube: Kinder, die die Inseln selbst mitgestalten und benennen, identifizieren sich weit stärker damit und nehmen das Angebot häufiger in Anspruch. „Die Kinder tragen das mit Stolz“, sagte Schneider.
Julia Kucharski vom Team Frühe Hilfen der Stadt Burgdorf erklärte, dass man sich aktuell noch in der Anfangsphase befinde — das Thema erschließt man sich, die Planung geht voran gehalten. Ziel ist es, dass die ISGS-Kinder als Multiplikatoren wirken: Wer in der fünften oder sechsten Klasse mit Kinderschutzinseln aufgewachsen ist, gibt das Wissen an jüngere Geschwister und Freunde weiter. Weitere Schulen sollen später folgen.
Auftakt mit dem echten Basko
Für den 1. Oktober ist bereits ein Highlight geplant: Dann kommt Basko nach Burgdorf — ein echter Polizeihund – in Lebengröße. Michaela Schneider findet das selbstredend: „Kinder fahren auf Basko voll ab.“ Der geplante Auftakt soll das Konzept in der Öffentlichkeit bekannt machen; denn das größte Problem ist nicht das Fehlen der Inseln, sondern dass Kinder nicht wissen, dass es sie gibt.
Politisch stieß die Initiative auf uneingeschränkte Zustimmung. Ausschussmitglied Thomas Wortmann (CDU) wies darauf hin, dass der Präventionsrat der Stadt das Thema aufgreifen solle — Christoph Badenhop, Leiter der Polizeiinspektion Burgdorf und seine Kollegin Gabriele Voß seien die richtigen Ansprechpartner. Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) bestätigte, dass Kinderschutzinseln bereits im Präventionsrat verankert seien. Ausschussvorsitzende Christiane Gersemann (SPD) schloss den Tagesordnungspunkt – begleitet von einem herzlichen Applaus – und der Bitte um weitere Unterstützung, denn das Netz in Burgdorf soll wachsen.
Mehr Informationen zum Konzept unter: www.kinderschutzallianz.org/projekte
