
Es war kein Routinebesuch, der die Misere ans Licht brachte. Als ein Statiker für den Mühlentag an Pfingsten vor Ort war, öffnete dieser einzelne Bauteile — und sah, was vorherige zerstörungsfreie Überprüfungen nicht zeigen konnten. Stefan Breitmoser, Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, erläuterte dem Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau (USB) am heutigen Dienstag, 9. Juni 2026, was er dort vorfand.


Eine Bockwindmühle ist kein gewöhnliches Bauwerk. Ihr gesamter Mühlenkörper dreht sich auf einem zentralen Hauptbaum — einem mächtigen senkrechten Pfosten, der frei steht und auf einzelnen Fundamentblöcken ruht. Darunter: eine Bockkonstruktion aus zwei sich kreuzenden, massiven Eichenträgern, die den Hauptbaum auf allen vier Seiten mit Schrägabstützungen sichern. An diesen Streben nagt der Wind, Jahr für Jahr. Die Konstruktion stammt aus dem 17. Jahrhundert — die Mühle stand damals sprichwörtlich unter dem Vorbehalt: Schauen wir mal, ob es klappt. Wenn nicht, stellen wir sie woanders hin. Eigentlich nur für ein paar Jahre am Standort geplant, überdauerte sie Jahrhunderte.


Wo die Querträger münden, dort brach das Holz weg
Am höchstbelasteten Punkt — dort, wo die Querträger am Ende zusammengeführt werden — hatte sich Wasser in die Verzapfung gefressen. Das Holz, traditionell in Zimmermannsbauweise mit einem sogenannten Sternversatz zusammengefügt, war von innen heraus zermürbt. Breitmoser beschrieb den Moment plastisch: Man habe den Zollstock einfach reinschieben können. Das Holz gab nach wie weicher Käse.
Es reiche nicht das kleine Vorholz an der Verbindungsstelle — eigentlich ein filigraneres Element an einem ansonsten beeindruckenden Bauteil — einfach zu ersetzen. Denn das Kreuz hat inzwischen so weit nachgegeben, dass der Hauptbaum bereits auf dem Boden aufsteht. Was nicht so sein soll: Er soll frei stehen. Um ihn in die richtige Position zurückzubringen, muss die gesamte Konstruktion angehoben werden. Bei dynamischen Belastungen — Wind, Bewegung — besteht akute Kippgefahr. Die Mühle wurde sofort gesperrt, auf Empfehlung des Statikers auch der gesamte Bereich ringsum. Das traf auch den Parkplatz des Nachbargeschäfts Parlasca, der geschlossen werden musste.
KW 25: Zangenkonstruktion soll Mühle halten
Abhilfe soll in einem ersten Schritt eine sogenannte Zangenkonstruktion — eine Klammer, die an der beschädigten Stelle die Last vom schadhatten Knotenpunkt hinwegtransportiert — schaffen. Die Maßnahmen sollen in Kalenderwoche 25 beginnen und im Juni abgeschlossen sein — „wenn uns keine bösen Überraschungen erwischen“, so Breitmoser. Einen Zimmermann hält er für die Ausführung bereit, der Statiker hat die Arbeiten vorbereitet. Kosten: rund 25.000 Euro aus städtischen Denkmalrücklagen. Die Kosten für den Statiker des nächsten Schritts sind darin bereits eingerechnet.
Die gute Nachricht: Die Flügel sind in gutem Zustand, die Holzschindeln des Gebäudes sind nach rund 40 Jahren zwar nicht mehr ganz dicht, aber das sei ein vergleichsweise kleines Problem. Der obere Teil der Mühle steht stabil. Nach Abschluss der Notmaßnahmen kann die Absperrung des Geländes aufgehoben werden — die Befürchtung, die Mühle könnte zwei bis fünf Jahre nicht zugänglich sein, teilt Breitmoser nicht. Die Ehrenamtlichen, die die Mühle regelmäßig mechanisch bewegen müssen — Bremsen prüfen, Mühlenblätter drehen — dürfen das nach der Notmaßnahme wieder weiterhin tun. Mehr aber zunächst nicht.
Klaus Köneke (CDU) fragte nach: „Das ist nur eine Zwischenlösung?“ — Breitmoser bestätigte: „Das ist nur eine Notmaßnahme. Nicht, dass wir vorbeifahren und sehen, dass sie umgekippt ist.“
Was die Sanierung kostet, steht erst im Herbst fest
Der eigentliche Sanierungsaufwand lässt sich erst abschätzen, wenn der nächste Schritt vollzogen ist: eine provisorische Bockkonstruktion, wie sie bereits bei der Sanierung in den späten 1980er Jahren eingesetzt wurde. Damals wurden Böcke unter den Mühlenkörper gestellt, die den Hauptbaum entlasteten. Erst wenn die tragenden Teile nicht mehr unter Last stehen, lasse sich ihr tatsächlicher Zustand prüfen. Dazu kommt: Die beiden Hölzer unten, die das Kreuz bilden, seien kaum noch zu halten. Der Denkmalschutz hatte schon einmal ein Auge zugedrückt — Teile wurden bereits ausgetauscht und haben mit dem 17. Jahrhundert nichts mehr zu tun. Im Herbst, so Breitmoser, werde man mit einer konkreten Kostenzahl zurückkommen.
Michael Fleischmann (parteilos) mahnte: Besser sei eine Maßnahme mit Nachhaltigkeit. Oliver Sieke (CDU) fragte, ob externe Finanzierungsquellen denkbar seien — Sponsoren, ein Förderverein oder ein Investor. Der VVV würde die Mühle sicher gerne promoten, brauche aber dafür auch Vorlauf. Breitmoser bremste: Solange keine belastbare Zahl vorliege, sei es zu früh für solche Gespräche.
Am Rande erwähnte Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) die Magdalenenkapelle, die ebenfalls nicht betretbar ist. Breitmoser: Ein Architekt ist bereits beauftragt, der plant, wie die Sanierung aussehen könnte.
