
Selten reagiert das Publikum in einer Ausschusssitzung mit Applaus. Am heutigen Donnerstagabend, 11. Juni 2026, tat es das — als der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr (WALV) einstimmig einen Fünf-Punkte-Antrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf der Landesstraße 311 durch die Ortsdurchfahrt Sorgensen verabschiedete. Anlass für den Jubel war nicht nur der Beschluss selbst, sondern das, was er symbolisiert: Kommunalpolitik, die auf Bürgerdruck reagiert.
Dass das Thema dringend ist, hatte kurz zuvor noch einmal ein wortwörtliches hautnahes Erlebnis von Lutz Wackermann unterstrichen, beratendes Mitglied im Ausschuss und einer der Treiber hinter dem Antrag: Bei einem Ortstermin, auf der Anfahrt von Burgdorf aus, war er selbst beinahe mit einem Lastwagen zusammengestoßen. Besser hätte die Lage auf der L311 nicht beschrieben werden können.
Eine Bürgerin aus Sorgensen wandte sich in der Sitzung direkt an den Ausschuss und dankte ausdrücklich Wackermann sowie den Parteien SPD, CDU, WGS Freie Burgdorfer und Bündnis 90/Die Grünen. Es sei ein starkes Signal kommunaler Politik im Sinne der Bürgerinnen und Bürger, sagte die Bürgerin.
Zur Situation: Die L311 ist Hauptachse durch Sorgensen und Schulweg für Kinder aus Sorgensen, Dachtmissen und Weferlingsen. Das Land hatte die Ortsdurchfahrt 2018 ausgebaut und dabei einseitig einen Radschutzstreifen markiert — den die meisten Radfahrenden bei Tempo 50 meiden und stattdessen auf dem Gehweg in der Gegenrichtung fahren. Eine Kurve im Bereich Mühlenweg schränkt die Sicht so stark ein, dass Schulkinder morgens teils lange warten müssen, bevor sie die Fahrbahn queren können.
Der Antrag sieht fünf Maßnahmen vor: Die Einmündung des Mühlenwegs soll als wichtige Fuß- und Radverbindung zwischen den Dörfern ausgewiesen werden. An den Einmündungen Mühlenweg und Plantagenweg sollen Mittelinseln das Queren erleichtern, der geplante Radweg nach Weferlingsen soll dabei einbezogen werden. Auf der L311 soll Tempo 30 gelten, mindestens vom Ortseingang bis zur Kreisbahnstraße (K124). Der Radschutzstreifen soll rot markiert und bis zur Querungshilfe am Ortsausgang verlängert werden — nach dem Vorbild der K121 in Otze. Und die Verkehrskommission soll einen Ortstermin abhalten, gemeinsam mit den Ortsvorstehern der drei Dörfer und der Bürgerinitiative.
Verwaltungsmitarbeiterin Danielle Frommelt zog mit: Man renne offene Türen ein und ziehe am selben Strang. Die Landesbehörde für Straßenbau sperre sich noch etwas, werde aber immer wieder kontaktiert — der politische Druck helfe. Eine Querungshilfe sei grundsätzlich möglich, erfordere aber einen korrespondierenden Gehweg, der erst gebaut werden müsse. Die Maßnahmen ließen sich nicht alle gleichzeitig umsetzen; sie kündigte an, den Katalog aufzuspalten und mit einer gesonderten Vorlage zurückzukommen. Alles sei also kein schneller Prozess — aber man bewege sich.
Der Beschluss fiel einstimmig. Der Applaus danach war deutlicher Ausdruck der Erleicheichterung.
