Finanzamttunnel: Ausschuss votiert einstimmig für Variante 1 — Radverkehr und Fußgänger werden entflochten

Die östliche Zufahrt zum Tunnel soll umgebaut werden. Die Radfahrer sollen zukünftig zudem die Außenseiten befahren.
Foto: Bastian Kroll

1.700 bis 1.800 Radfahrerinnen und Radfahrer passieren den Tunnel unter dem Bahndamm am Finanzamt täglich — einer der meistgenutzten Radverkehrspunkte in Burgdorf. Wie dieser Engpass sicherer werden soll, darüber hat der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr am heutigen Donnerstag, 11. Juni, entschieden: einstimmig für Variante 1.

Dipl.-Ing. Heinz Mazur vom Planungsbüro PGT stellte dem Ausschuss zwei Varianten vor, nachdem die ursprüngliche Planung aus dem Jahr 2023 von der Verkehrsbehörde gestoppt worden war. Das Problem: „Haifischzähne“ als Querungshilfe über einen reinen Radweg sind in keinem deutschen Regelwerk vorgesehen und rechtlich unzulässig. Die Planung musste überarbeitet werden.

Ziel bleibe es, im Bestand zu arbeiten und kein Großprojekt anzugehen, das den Tunnel auf Jahre blockiert hätte, sagte Mazur. Der Kern beider Varianten: eine neue Beleuchtung mit LED-Elementen in den Tunnelecken, die flacher und damit weniger vandalismusanfällig sind. Das Licht soll zudem bedarfsgesteuert reagieren — gedimmt im Normalbetrieb, heller sobald jemand den Tunnel nutzt.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Führung von Rad- und Fußverkehr.

Variante 1 dreht die Zuordnung der Tunnelseiten grundlegend um: Wo bisher Fußgänger liefen, fahren künftig Radfahrer — auf der Außenkurve. Fußgänger werden in die Innenkurve geführt. Noppenplatten trennen beide Bereiche voneinander. Auf der Ostseite werden Radfahrer unter der Hochbrücke auf den Parkplatz geleitet, um Fußgängern einen eigenen Bereich zu geben. Für Fußgänger aus dem Friedhofsbereich ist eine nahezu barrierefreie Gehwegrampe vorgesehen. Tunneleingänge werden mit eindeutigen Hinweisschildern versehen. Kostenschätzung für die Baumaßnahme: rund 165.000 Euro, mit optionaler Gehwegrampe rund 181.000 Euro.

Variante 2 entspricht weitgehend der ursprünglichen Planung von 2023 — ohne die rote Einfärbung des Radwegs und mit einer Aufmerksamkeitsfläche statt der unzulässigen Haifischzähne. Sie kommt ohne Auslenkung des Radverkehrs aus und ist mit rund 150.000 Euro etwas günstiger.

Die schriftliche Vorlage der Verwaltung empfahl Variante 2: Das Tiefbauamt sah in der Parallelführung von Rad- und Fußverkehr bis zum Querungsbereich Vorteile — direkter Sichtkontakt, natürliche Geschwindigkeitsreduzierung durch die Kurvenführung, kein Einfädeln in den Kfz-Parkverkehr. Mazur hingegen sprach sich in der Sitzung für Variante 1 aus: Sie sei die bessere Lösung — klarer, eindeutiger in der Führung. Als optionale Aufwertung regte er an, die Tunnelwände durch Schulen bemalen zu lassen, was die Akzeptanz erhöhe und zu weniger Schmierereien führe.

Björn Sund (SPD) fand beide Varianten gut, zog aber Variante 1 vor: Die Entkopplung von Rad- und Fußverkehr sei überzeugender, die Herausführung des Radverkehrs sinnvoll. Wenn man es mache, solle man es vernünftig machen — auch wenn Variante 1 etwas teurer sei. Er zeigte sich erleichtert, dass der Tunnel kein „dunkles Loch“ mehr sein werde, fragte aber nach, warum Fußgänger den Radweg noch queren müssten. Mazur erklärte, die Querung liege bewusst am äußeren Bereich mit gutem Überblick, und zwei sichere Wartebereiche seien eingeplant. Ganz vermeiden lasse sie sich nicht — der Radverkehr komme aus allen Richtungen.

Dirk Bierkamp (WGS FreieBurgdorfer) fragte nach Vandalismus — bisher seien Lampen eingeworfen und Spiegel zerstört worden. Mazur versicherte, die neuen flachen LED-Elemente in den Ecken seien deutlich weniger gefährdet als herkömmliche Leuchten.

Mario Gawlik (FGB) sprach sich ebenfalls für Variante 1 aus. Claudia Baumgarten (Bündnis 90/Die Grünen) schloss sich an und stellte die Frage, ob man die letzten Parkplätze vor dem Tunnel nicht zugunsten der Fußgänger aufgeben könnte. Mazur sagte, beide Möglichkeiten seien grundsätzlich denkbar, erforderten aber eine Abstimmung mit der Verkehrsbehörde. Michael Fleischmann (parteilos) fragte nach Lastenrädern und Fahrradanhängern — kein Problem, so Mazur: Die Zuwegung sei drei Meter breit, mehr als doppelt so breit wie für einen Einrichtungsradweg erforderlich.

Rudolf Alker (SPD) wollte wissen, welche Variante die Verwaltung empfehle. Danielle Frommelt wich aus: Die Politik habe gewünscht, die Optionen nochmals zu überdenken — beide seien eine Verbesserung gegenüber dem heutigen Zustand. Frommelt regte an, testweise die letzten Parkplätze vor dem Tunnel zu sperren und die Situation zu beobachten. Hartmut Braun (Bündnis 90/Die Grünen) bat darum, diesen Aspekt vom eigentlichen Beschluss zu trennen.

Frank Hofmann vom ADFC unterstützte ebenfalls Variante 1: Sie lasse mehr Potenzial, sei ein guter Kompromiss und verbessere die Situation für Radfahrer wie Fußgänger. Die Beleuchtung solle idealerweise auch auf die Geschwindigkeit der Radfahrenden reagieren. Hofmann schlug auch vor, dass die Ausfädelung aus dem Hermann-Hoffmann-Kreisel besser gestaltet werden könne. Heute müssen die Radfahrer zusammen mit den Autofahrern zunächst die Ausfahrt auf die Hochbrücke nehmen und dann im 90 Grad-Winkel abzuzweigen. Dieses können eleganter gelöst werden und zu weniger Konflikten führen,

Das Ergebnis war eindeutig: Der Ausschuss empfahl Variante 1 einstimmig. Der Verwaltungsausschuss trifft die abschließende Entscheidung am 16. Juni.

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