
Die kommunale Wärmeplanung zeigt die Potenziale für Burgdorfs Wärmeversorgung: Geothermie könnte jedes Gebäude beheizen, ist aber teuer. Auf über 90 Prozent der Bebauung wären Luftwärmepumpen möglich. Wärmenetze könnten in der Kernstadt wirtschaftlich sein. Das stellten am heutigen Montag, 16. Februar 2026, die beauftragten Unternehmen enercity und IP Syscon im Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau. Neben dem Ausschuss waren die Ortsräte Schillerslage, Otze und Ramlingen-Ehlershausen sowie die Ortsvorsteher von Hülptingsen, Beinhorn, Dachtmissen und Sorgensen anwesend. Ausschussvorsitzender war Matthias Paul (SPD).
Bestandsaufnahme: 76 Prozent heizen mit Erdgas
Burgdorf Klimaschutzmanager Volker Krüger leitete ein: „Für Mittelzentren ist das eine Pflichtaufgabe. Wir müssen bis Ende des Jahres fertig sein.“ Die Stadt habe nach einer Ausschreibung die Unternehmen enercity und IP Syscon beauftragt. Am 28. Mai werde es zudem eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben.
Sebastian Gütte (IP Syscon) erklärte: „Es geht nicht um Empfehlungen für jedes Haus, sondern um Quartiersebene.“ Die Analyse umfasst vier Phasen: Bestandsaufnahme, Potenzialaufnahme, Szenarienentwicklung und ein Maßnahmenkatalog.
Die Zahlen: Mehr als 50 Prozent der Gebäude wurden vor 1970 gebaut, „die Hälfte hatte keine Wärmeschutzverordnung“, also ohne Vorgaben. 76 Prozent sind Wohngebäude, 21 Prozent Gewerbe und Landwirtschaft. Erdgas ist mit 76 Prozent der meistgenutzte Brennstoff, dazu kommen 18 Prozent Heizöl und sechs Prozent Biomasse. Eine Heatmap zeigt hohen Verbrauch in der Kernstadt, am Rand vereinzelte Gebiete.
Sanierungsquote und Wärmebedarf
Aktuell werden 0,83 Prozent aller Gebäude pro Jahr saniert. Mit Infoveranstaltungen und Fördergeldern ließe sich die Quote auf 1,25 Prozent steigern, Best Practice wäre 1,66 Prozent.
Der Jahresheizenergiewert liege in der Stadt Burgdorf bei 400 Gigawattstunden (GWh), erklärten die Analytiker. Der Strombedarf bei dieser Wärmemenge liege für Wärmepumpen bei 131 GWh (Luft) bzw. 99 GWh (Erde). Photovoltaik auf Dächern könnte in der Heizperiode 44 GWh Strom erzeugen. Gütte: „Nur mit Solarenergie können wir nicht den Strom für die Wärmepumpen erzeugen.“
Potenziale: Geothermie, Biomasse, Abwasserwärme
Biomasse aus landwirtschaftlichen Flächen: 35 GWh (Restholz, Durchforstungen). Oberflächennahe Geothermie würden fast 4.000 GWh bringen– „man könnte jedes Gebäude in der Stadt damit beheizen“. Auf über 90 Prozent der Bebauung sind Luftwärmepumpen möglich. Abwasserwärme der Kläranlage würde 10 GWh bringen. Doe Wärmeentnahme aus der Aue: 0,9 GWh pro Heizperiode. Bei der Tiefengeothermie ab 400 Meter gibt es große Potenziale: Es liegen 100 bis 160 Grad bei Ramlingen und Ehlershausen vor
Dominique Diederich (enercity) nannte mögliche nachfolgende Maßnahmen: Machbarkeitsanalysen für Wärmenetze, Effizienzsteigerung, Ausbau erneuerbarer Wärmeerzeugung und eine strategische Planung.
Diskussion: Wärmenetze und Umsetzung
Matthias Paul (SPD) fragte: „Wenn die Heizung jetzt fällig ist, würde ich nicht auf das Wärmenetz warten. Erst frühenstens 2028/2029 könnte ein Wärmenetz da sein.“
Paul fragte: „Wenn ich heute eine Wärmepumpe kaufe und dann kommt ein Wärmenetz?“ Diederich: „Wenn Sie heute etwas beschließen, heißt es nicht, dass die Menschen dann anders heizen müssen.“
Michael Fleischmann (parteilos) fragte nach der Größe eines Fernwärmenetzes. Gütte: „Wir haben nur das Potenzial erkannt, dann muss man detaillierter schauen und planen.“ Klimaschutzmanager Krüger ergänzte: „Ein Nahwärmenetz muss der Rat entscheiden.“
Zu Tiefengeothermie in Ehlershausen erklärte Gütte: „Wir reden von Millionenbeträgen nur für Testbohrungen.“
Krüger zu den Ortschaften und einem Nahwärmenetz: „In den Ortschaften wird es vermutlich darauf hinauslaufen: Jeder muss sich selber kümmern. Auch bei Neubaugebieten fehlt die kritische Masse, es wirtschaftlich zu machen. Es wird vielleicht ein paar Insellösungen geben, aber die muss man erstmal finanzieren.“
Klaus Köneke (CDU): „Bei der MHH oder großen Gebäuden gibt es Preise, die rentabel sind. Praktisch sind schon Mehrfamilienhäuser weniger wirtschaftlich. Nahwärme würde Sinn machen, wo eine Wohnungsbaugenossenschaft 10 Blöcke hat.“
Paul ergänzte: „Das wird nicht gemacht, um Bürgern Angst zu machen. Das sind langjährige Prozesse.“
Die kommunale Wärmeplanung ist für Mittelzentren Pflichtaufgabe nach Bundes- und Landesgesetz. Sie muss bis Ende 2026 fertig sein und arbeitet auf Quartiersebene, nicht für einzelne Häuser. Am 28. Mai findet eine Informationsveranstaltung für Bürger statt.
