Seit fast zwei Jahrzehnten empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) als einen zentralen Baustein gegen durch das Virus ausgelöste Krebserkrankungen. Entgegen der Empfehlung der STIKO basierend auf guten wissenschaftlich belegten Ergebnissen aus anderen Ländern, stagnieren die Impfquoten in Deutschland. Die Region Hannover will diesem Trend mit einer verstärkten Aufklärungsoffensive entgegenwirken.
Dafür rollt mit Unterstützung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Hannover, der das Fahrzeug und den Fahrer stellt, ab dem 21. April 2026 der „HPV-Infobus“ durch die Region, der Fragen rund um das Thema HPV und Krebsvorsorge durch Impfung beantwortet.
Dr. Andrea Wünsch, Fachbereichsleitung des Gesundheitsamtes der Region Hannover: „Wir warten nicht, bis die Familien zu uns kommen, sondern beraten dort, wo wir die Jugendlichen erreichen: direkt in den Schulen. Nur durch frühzeitige Aufklärung und eine Impfung können wir langfristig schwere Erkrankungen verhindern.“
Wie ist der Ablauf?
Der Infobus ist ab dem 21. April im Einsatz und wird rund 30 Schulen in der Region und der Landeshauptstadt Hannover anfahren. Im Infobus werden den Schülern spielerisch Informationen über das HPV-Virus, Folgeerkrankungen und die Impfung vermittelt. Eine Impfung im Bus findet nicht statt. Das Fahrzeug wird jeweils von der ersten bis zur zweiten großen Pause an den Schulen stehen. Auf Wunsch der Schulen wird den Schülern der 5., 6. und 7. Klassen zusätzlich auch eine Info-Präsentation angeboten.
Was ist eigentlich HPV?
Die humanen Papillomviren (HPV) sind Viren, mit denen sich mehr als 80 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens infizieren, ohne es zu bemerken. Bei zehn Prozent der Fälle bleibt die Infektion dauerhaft bestehen und kann verschiedene Krebsarten auslösen. Die Viren werden von Mensch zu Mensch über Haut und Schleimhäute übertragen. Die Viren, die mit einem hohen Risiko einhergehen Krebs auszulösen, werden bei sexuellen Kontakten übertragen. Die HP-Viren können verschiedene Krebsarten auslösen: Die häufigsten durch HPV ausgelösten Krebsarten sind Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs, Analkrebs, Mund- und Rachenkrebs.
Was tut die Region noch für die Aufklärung?
Bereits in der 4. Klasse werden im Rahmen der Schuluntersuchungen die Impfpässe gesichtet. Eltern erhalten Infoflyer und werden auf die wichtige J1-Vorsorgeuntersuchung hingewiesen. Auch in der 9. und 10. Klasse finden bei den Infektionsschutzbelehrungen vor dem Berufspraktikum erneute Impfpasskontrollen statt, um auf noch ausstehende Impfungen hinzuweisen. Wissenschaftlich wurden im Rahmen einer Masterarbeit in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule (MHH) die Beweggründe der Impfentscheidung der Sorgeberechtigten untersucht, um Impfangebote besser steuern zu können.
Was rät die STIKO?
Obwohl die STIKO die Impfung bereits 2007 für Mädchen und 2018 auch für Jungen empfohlen hat, klafft eine deutliche Lücke zum Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese strebt bis 2030 eine Impfquote von 90 Prozent aller 15-jährigen Mädchen an. In Deutschland sind wir davon noch weit entfernt: Aktuell verfügen nur etwa 55 Prozent der Mädchen und lediglich ein Drittel der Jungen dieses Alters über einen vollständigen Schutz. Ein Hauptgrund für die niedrigen Zahlen ist der oft verpasste ideale Zeitpunkt für die erste Impfung im Alter von 9 bis 14 Jahren. In diesem Zeitraum sind nur zwei Impfungen für einen ausreichenden lebenslangen Impfschutz erforderlich, ab dem 15. Lebensjahr werden dafür drei Impfungen benötigt.