
Mit einem Gedenken an den verstorbenen Ehrenortsratsherrn Karl-Heinz Dralle begann die Sitzung des Ortsrates Otze am heutigen Donnerstag, 7. Mai 2026, im Altenteilerhaus Am Speicher in Otze. Zehn Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Sitzung – und erlebten eine Premiere: Es war die erste Sitzung von Ortsbürgermeister Fabian Demuth (CDU).
Eine Kette mit Geschichte
Den feierlichsten Moment des Abends brachte Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) mit: Er überreichte Demuth die Kette des Ortsbürgermeisters. Sie stammt aus dem Jahr 1968, gestiftet vom Schützenverein „Otzenta“ – damals war Otze noch eine Gemeinde. Auf ihrer Rückseite trägt sie die Inschrift: „Walte deines Amtes getreu deines Eides.“ Ihr bekanntester Träger war Carl Hunze, der das Amt des Ortsbürgermeisters von 1974 bis 2016 – also 42 Jahre lang – innehatte. Ehrenortsratsherr Hunze verfolgte die Sitzung als Gast und kommentierte die jüngere Geschichte mit trockenem Humor: Nach ihm folgten Ulla Träger für eine Wahlperiode, dann innerhalb der laufenden Periode erst Andreas Meyer und nun Fabian Demuth. „Drei Bürgermeister in zwei Wahlperioden – weiß nicht, wie das passieren konnte. Muss ja ein schweres Amt sein“, sagte Hunze. Demuth selbst zog am Ende der Sitzung ein nüchternes Fazit seiner Premiere: „Es war meine erste Sitzung – ich wurde etwas ins kalte Wasser geworfen.“


Bücherschrank am Lindenring
Eine Bürgerin regte in der Einwohnerfragestunde an, was sofort auf breite Zustimmung stieß: Ein öffentlicher Bücherschrank soll am Lindenbrink aufgestellt werden, zwischen den beiden Bänken, die dort bereits stehen. Die Stadtverwaltung habe den Standort bereits grundsätzlich genehmigt. Hans-Jörg Fischer vom Verein „Otzer Vereine und Verbände“ habe zudem zugesagt, die Nutzungsvereinbarung zu übernehmen; Ehrenamtliche aus dem Ort wollen die laufende Pflege des Schrankes sicherstellen. Das Fundament will der Inhaber eines örtlichen Unternehmens als Spende setzen.
Stefan Auerbach vom Förderkreis Burgdorfer Senioren brachte praktische Erfahrung mit: Der Förderkreis betreibt bereits zwei öffentliche Bücherschränke in Burgdorf und schätzte die Kosten auf rund 3.500 Euro für ein robustes, im Untergrund verankertes Modell aus einer gemeinnützigen Werkstatt. Er stellte in Aussicht, bis zu 50 Prozent des Preises beizusteuern. Der Rest müsse über Spenden zusammenkommen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Wegen langer Lieferzeiten wird der Schrank in diesem Sommer noch nicht stehen. Wer selbst baut, kann es natürlich schneller angehen.
Grundschule Otze: Projektampel auf null
Beim Sachstand zum Neubau der Grundschule Otze wurde Ungeduld geäußert. Demuth fragte direkt nach, wann die Projektampel den Wert 0 verlasse. Pollehn erklärte, die Vorgespräche mit Schulleitung und Behörden zählten noch nicht als eigentlicher Projektfortschritt; erst wenn ein Planungsbüro mit konkreten Vorschlägen beauftragt werde, bewege sich die Skala. Im nächsten Quartal solle das erkennbar werden.
Stellvertretender Ortsbürgermeister Otto Raguse (UWO) brachte auf den Punkt, was viele dachten: Seit er dem Ortsrat angehöre, stehe man auf dem Stand von vor 2021, betonte er. 700.000 Euro Planungskosten seien schon mal eingeplant gewesen – ohne sichtbaren Fortschritt. Pollehn wies die Kritik zurück: Über 60 Projekte stünden auf der Projektliste der Stadt, Otze sei nicht der einzige Ortsteil, der warte. Auch Ramlingen-Ehlershausen warte noch länger auf die neue Kita. Das Personal reiche schlicht nicht, alles gleichzeitig voranzutreiben. Auch Carl Hunze meldete sich zu Wort: „Das hatten wir alles schon – schon 2016. Das kann kein Bürger verstehen, dass es nicht weitergeht.“
BIOS: Querung, Lärm und Neubaustrecke
Arnim Goldbach von der BIOS – der Bürgerinitiative, die sich seit zehn Jahren für die Bahnstrecken-Anwohner in Otze einsetzt – berichtete über drei Themen. Bei den Querungshilfen läuft die Untersuchung für eine Unterführung eigentlich gut, wurde aber durch neue Prioritäten unterbrochen. Goldbach berichtete, er habe am Vortag gehört, dass nach Fertigstellung der Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin die Planung in Otze wieder aufgenommen werde.
Beim Lärmschutz ist die Lage schwieriger: Da die Strecke nicht mehr auf der Projektliste der Deutschen Bahn stehe, gebe es keinen gesetzlichen Anspruch – man ist auf freiwilligen Lärmschutz angewiesen, den leere Kassen erschweren. Die BIOS hofft, neue Informationen vom Bundestagsabgeordneten Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU) auf dessen Sommertour vor Ort zu bekommen. Beim ÖPNV dagegen gab es eine gute Nachricht: Die Bahnsteigverlängerung ist realisiert, der Regionalverkehr nicht eingeschränkt worden – dieses war bei der Gründung von BIOS – als immer mehr Güterverkehr auf die Schiene sollte – noch so nicht klar gewesen.
Zur übergeordneten Frage einer Neubaustrecke Hamburg–Hannover zeigte sich Goldbach skeptisch: Frühestens 2050, heißt es häufig, mancher Schätzung zufolge erst 2063 – bei Kosten von bis zu 14 Milliarden Euro. „Wir brauchen aber jetzt schon Entlastung“, so Goldbach.
Schulweg: Zebrastreifen soll kommen – Schilder stoßen an Grenzen
Breiten Raum nahm der Antrag von Ratsfrau Anika Lilienthal (FDP) zur Schulwegsicherung ein. Der Ortsrat stimmte einstimmig dafür, einen Fußgängerüberweg an der Kreuzung Worthstraße / Freiengericht zu beantragen und den Bahnübergang auf Sicherheitsoptionen prüfen zu lassen. Zugleich beschloss er einstimmig einen CDU-Ergänzungsantrag für „Achtung Schulweg“-Schilder entlang der Worthstraße und dem Heeg. Ob die Schilder am Heeg jedoch genehmigt werden, ist fraglich: Die Region hat dort schon einmal einen ähnlichen Antrag abgelehnt. Über die Hintergründe hat der AltkreisBlitz ausführlich berichtet.
