
Die Polizeiinspektion (PI) Burgdorf hat am heutigen Dienstag, 2. Juni 2026, im Ausschuss für Soziales, Integration, Prävention und Gleichstellung die Kriminalstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt — und dabei auch den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern gesucht. Christoph Badenhop, Leiter der PI Burgdorf, war gemeinsam mit Alexandra Frost vom Präventionsteam der PI Burgdorf, Manuel Warga (Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes) und Björn Korth (Leiter des Einsatz- und Streifendienstes) erschienen, um nicht nur Zahlen zu präsentieren, sondern ins Gespräch zu kommen.
Subjektive und objektive Sicherheit liegen oft weit auseinander
Badenhop eröffnete mit einer grundsätzlichen Einordnung: Die Polizei sei meistens dann präsent, wenn sie unerwünscht sei — bei Blutentnahmen, Festnahmen, Maßnahmen. Wer die Beamten auf der Straße sehe, sehe das ambivalent: „Wenn ein Funkwagen den ganzen Tag die Marktstraße rauf und runter fährt, sagen die einen: ‚Schön, die Polizei ist da.‘ Die anderen sagen: ‚Muss ja gefährlich hier sein.'“ Mit ein und derselben Maßnahme entstünden zwei völlig verschiedene Empfindungen. Das Spannungsfeld zwischen objektiver und subjektiver Sicherheit ziehe sich durch die gesamte Arbeit der Behörde.
Ein weiterer Grundsatz: Nur was angezeigt werde, erscheine in der Statistik. Was im Dunkelfeld bleibe, tauche dort nicht auf. Badenhops Appell: „Bitte immer anzeigen, wenn etwas ist. 110 anrufen — dann kommt der nächste freie Wagen. Nicht über die Wache, dann geht es erst noch telefonisch zur Leitstelle.“


Die Zahlen im Überblick
Die Aufklärungsquote im Gesamtverbund der PI Burgdorf (Burgdorf und Uetze) lag 2025 bei 55 Prozent — für Burgdorf allein bei 51 Prozent und damit etwas niedriger. Badenhop erläuterte, warum diese Zahl mit Vorsicht zu genießen sei: Bei Kontrolldelikten wie Drogenbesitz werde der Täter immer direkt mitgeliefert. Wo die Polizei keine Schwerpunkte setze, tauchten entsprechende Delikte schlicht nicht in der Statistik auf. 60 Prozent Aufklärungsquote bedeute zudem nicht, dass 60 Prozent auch verurteilt würden.
Warga betonte die Bedeutung von Zeugenhinweisen: „Das Vertrauen muss da sein.“ Selbst bei engen Ressourcen werde die Polizei Ermittlungsansätze nicht aufgeben.
Im Einzelnen liegen folgende Aufklärungsquoten vor — jeweils für Burgdorf und Uetze gemeinsam:
Einbrüche in Pkw lagen unter zehn Prozent Aufklärungsquote. Betroffen seien häufig Handwerkerfahrzeuge und Wanderparkplätze; teils handele es sich um Banden. Diebstahl von Kraftfahrzeugen lag bei 40 Prozent — GPS-Tracker hätten in Burgdorf bei 15 Fahrzeugen zum Erfolg geführt. Fahrraddiebstahl kam auf 14 Prozent; die Täter seien schwer zu ermitteln. Wohnungseinbrüche verzeichneten eine Aufklärungsquote von 7,2 Prozent bei 332 Delikten — ein Wert, der früher erheblich höher lag. Bei Gewerbeeinbrüchen handele es sich meist um keine örtlichen Täter sondern organisierte Banden; die Fälle würden zentral bearbeitet, was das Know-how bündele.
Rohheitsdelikte erreichten eine Aufklärungsquote von 94 Prozent — der Täter werde meist direkt mitgeliefert. Es handele sich häufig um Beziehungsdelikte, etwa nach Schützenfest oder Kneipenschlägereien. Nach einem Anstieg nach Corona zeigten die Zahlen nun eine fallende Tendenz. Sachbeschädigungen lagen bei 18 Prozent mit 330 Fällen; die hohe Fallzahl erkläre sich vor allem durch die vielen beschädigten Wahlplakate im vergangenen Jahr. Gewalt gegen Einsatzkräfte wurde 17-mal registriert, davon ein Fall im Rettungsdienst. Korth ordnete ein: „Im Vergleich zum urbanen Raum wie Hannover sind wir hier zum Glück noch gering.“
Bei Betäubungsmitteldelikten gebe es in Burgdorf keine offene Drogenszene. Die Jugenddelinquenz explodiere nicht — trotz der gegenteiligen Wahrnehmung: Auf die Frage, ob man im Stadtpark einen Sicherheitsdienst einsetzen solle, weil dort ja „ständig so viel passiert“, antwortete Badenhop klar: „Objektiv geben die Zahlen das nicht her. Wo sollen die jungen Menschen denn hin?“ Messerangriffe hingegen hätten auch in Burgdorf zugenommen — laut Warga handele es sich aber meist um Vorfälle innerhalb von Wohnungen, etwa die Drohung mit dem Frühstücksmesser am Tisch. Die Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit seien begrenzt.
eScooter: Problem erkannt, Fokus angekündigt
Aus dem Publikum kam die Klage, man fühle sich von eScootern bedroht — die Fahrer schienen keine Regeln zu kennen. Björn Korth bestätigte: Es gebe erhebliche Steigerungen bei der Nutzung und auch bei Verkehrsunfällen. „Das Problem ist uns bewusst. Wir werden in Zukunft den Fokus darauf setzen — sei es durch Ordnungswidrigkeiten oder Präventionsmaßnahmen.“ Alexandra Frost ergänzte, dass die Thematik auch präventiv in den Schulen behandelt werde. Imke Fronia von der Diakonie Hannover-Land wies auf eine generationsübergreifende Verrohung im Straßenverkehr hin; Korth zitierte daraufhin § 1 StVO: gegenseitige Rücksichtnahme und nicht auf dem eigenen Recht beharren.
Bürgersprechstunde geplant
Die PI Burgdorf hat angekündigt, wieder eine Bürgersprechstunde anzubieten. Eine vergleichbare Veranstaltung vor zwei Jahren war nach Badenhops Worten „brechend voll“. Die Bürgerinnen und Bürger hätten dabei vor allem Wünsche nach Kameras und besserer Beleuchtung geäußert. Im November soll zudem eine erneute Analyse stattfinden, bei der die Bürger sagen sollen, was ihnen fehlt.
Aus dem Publikum meldete sich der Seniorenrat: Man würde die Polizei gerne öfter sehen. Badenhop antwortete mit seinem zu Beginn eingebrachten Grundsatz: Ohne konkreten Anlass müsse Polizei auch erstmal nicht ständig vor Ort sein. Wie beispiwlese auch im Stadtpark, in dem nach Aussagen von Bürgern ein Sicherheitsdienst vonnöten wäre. Die Polizisten konnten dem Stadtpark aber kein erhöhtes Kriminalitätsaufkommen attestieren.
