
Zwei Abstimmungen über Sportförderung, zwei gegensätzliche Ergebnisse mit derselben Richtung: Der Rat der Stadt Burgdorf hat am gestrigen Donnerstag, 19. März 2026, den Antrag auf dauerhafte Abschaffung der Energiekostenpauschale für Sportvereine abgelehnt – und gleichzeitig ein neues Gebührenmodell beschlossen, das die Vereine künftig mehr an den Energiekosten beteiligt.
Hintergrund: Fünf Jahre ohne Beiträge
Zwischen 2020 und 2024 hatte der Rat der Stadt in mehreren Beschlüssen auf die Erhebung der Energiekostenpauschale für Sportvereine verzichtet. Gleichzeitig sah das Haushaltssicherungskonzept von 2015 vor, die Einnahmen aus dieser Beteiligung um 10.000 Euro jährlich zu steigern. In den Jahren vor der Pandemie hatte die Stadt durchschnittlich 25.000 Euro pro Jahr von den Vereinen erhalten – das neue Ziel liegt bei 35.000 Euro.
Um die Angemessenheit der Pauschale und ein zeitgemäßes Modell zu entwickeln, beauftragte die Stadt die Hochschule Hannover: Prof. Dr. Andreas Daum und sein Projektteam erarbeiteten eine Neukalkulation. Das neue Modell sieht einen einheitlichen Standardpreis je Quadratmeter und Stunde vor, berücksichtigt die Altersstruktur der Vereinsmitglieder durch einen Faktor zugunsten von Jugendabteilungen und rechnet verursachergerecht nach gebuchten Stunden ab.
Antrag auf dauerhafte Abschaffung scheitert
„Wir wissen ja, wie es gleich ausgehen wird“, kommentierte Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) die Aussichten des eigenen Antrags auf Abschaffung des Duschgroschens lakonisch. Die Regelung sei schlicht nicht mehr zeitgemäß und hätte längst wegfallen sollen. Michael Fleischmann (parteilos) unterstützte ihn: „Die Stadt bricht sich keinen Zacken aus der Krone. 35.000 Euro ist auch Geld – es ist für die Stadt wenig, aber für die Vereine viel.“ Anika Lilienthal (FDP) ergänzte: „Die Vereine bringen eine wahnsinnige Leistung – das kann man in Geld gar nicht aufwiegen. Wenn wir die mehr belasten, finde ich das nicht richtig.“
Der Verwaltungsausschuss hatte den Antrag von WGS FreieBurgdorfer bereits einstimmig abgelehnt. Im Rat unterlag er mit 25 Gegenstimmen bei lediglich vier Ja-Stimmen. Die AfD enthielt sich.
Neues Modell beschlossen – mit Stichdatum 1. Januar 2026
Gleichzeitig beschloss der Rat das neue Gebührenmodell, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Mit 26 Ja-Stimmen bei vier Gegenstimmen fand es eine deutliche Mehrheit.
Gerald Hinz (SPD) verteidigte das Modell als faire und planbare Lösung, die die Vereine nicht überfordern werde. Die Vereine hätten elf Jahre Vorbereitungszeit gehabt, unterstrich auch Tanja Kicza (CDU). Im Kommunenvergleich stehe Burgdorf noch günstig da. Anika Lilienthal sieht eine Doppelbelastung der Vereine, sie werde daher die Vorlage ablehnen. Einsparungspotenzial gebe es dagegen bei den Personalkosten. Hartmut Braun (Bündnis 90/Die Grünen) stellte klar, es sei „keine Doppelbelastung“: Der Duschgroschen gehe in die Energiekostenbeteiligung über. Michael Fleischmann wetterte, dass er eine „breite Kostensteigerung auf dem Rücken der Bürgerinnen und Bürger“ sehe. Er prognostizierte: „Wir werden noch höhere Kosten bekommen.“ Erster Stadtrat Michael Kugel widersprach und hob hervor, dass keine Dynamisierung geplant sei: „Es gibt keine Steigerungen.“ Wenn es Erhöhungen geben solle, dann müsse dies erneut der Rat beschließen. Simone Heller (Bündnis 90/Die Grünen) wandte sich scharf gegen Fleischmann: „Einfach Unwahrheiten in den Raum zu werfen – es reicht. Lies die Vorlage, dann kannst du auch qualifiziert darüber reden.“
Gegen das neue Modell stimmten WGS FreieBurgdorfer, FDP und Fleischmann.
Der Ausschuss für Schulen, Kultur und Sport hatte sich Anfang März mit dem Thema befasst. Der Rat folgte der Beschlussempfehlung des Ausschusses.
