
Mit breiter Mehrheit hat der Rat der Stadt Burgdorf am gestrigen Donnerstag, 19. März 2026, das Grobkonzept zur Umsetzung des Ganztagsanspruchs an Burgdorfer Grundschulen beschlossen. 29 Ratsmitglieder stimmten dafür, eine Stimme enthielt sich. Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) bezeichnete den Beschluss als Meilenstein — doch nicht alle teilen die Begeisterung vorbehaltlos.
Das Konzept war zuvor am 16. März von beiden zuständigen Ausschüssen einstimmig als Grobkonzept empfohlen worden und auch im Verwaltungsausschuss am gestrigen Tag einstimmig durchgegangen. Ab dem 13. August 2026 sollen alle Burgdorfer Grundschülerinnen und Grundschüler der Jahrgänge 1 bis 4 täglich von 7.30 bis 15.30 Uhr betreut werden — inklusive einer Randzeitenbetreuung.
Vertagen? Keine Option
Jens Braun (AfD) plädierte dafür, den Beschluss aufzuschieben, bis die finanzielle Seite des Projekts vollständig abgesichert sei. „Wir kaufen die Katze im Sack“, so Braun. Ratsvorsitzende Birgit Meinig (SPD) hielt dagegen: Es handele sich um einen gesetzlichen Anspruch, die Stadt sei dazu verpflichtet. Erster Stadtrat Michael Kugel ergänzte, eine Vertagung würde der Stadt nicht helfen. Braun enthielt sich am Ende der Abstimmung.
Großer sozialer Fortschritt — mit erheblichen Kosten
Ausschussvorsitzende Christiane Gersemann (SPD) warb ausdrücklich für das Konzept: Burgdorf nutze seine Chance, indem es den Ganztag bereits ab dem kommenden Schuljahr für alle vier Jahrgangsstufen anbiete, obwohl das Gesetz zunächst nur den ersten Jahrgang verpflichtend vorschreibe. Damit werde das Angebot für mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler gelten. „Das ist ein großer sozialer Fortschritt“, sagte Gersemann, und lobte die konstruktive Mitarbeit aller Beteiligten.
Bürgermeister Pollehn unterstrich den kommunalen Kontext und nahm kein Blatt vor den Mund: „Manchmal stehen Kinder eine Stunde schon vorher vor dem Hort und werden dort einfach abgestellt. Das wissen wir.“ Burgdorf wolle zeigen, wie flexibel und kompetent eine Kommune diesen Schritt gehen könne. „Das ist ein Meilenstein“, betonte er.
Hartmut Braun (Bündnis 90/Die Grünen) pflichtete dem Lob inhaltlich bei, fand aber ein treffendes Bild für die Lage der Kommunen: „Wir sind im Maschinenraum: Wir bekommen Anweisungen von oben, aber haben keinen Treibstoff.“ Die finanzielle Seite sei noch vage, und die Beitragsfrage müsse sozialverträglich gelöst werden. „Wir sind eine arme Kommune. Das ist nicht einfach, aber ich denke, wir werden eine Lösung finden“, so Braun.
Klares Bekenntnis bei aller Kritik
Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) machte deutlich, dass er das Konzept trotz seiner Kritik mitträgt. „Wir wollen eine Lösung, die zum Leben passt“, sagte er — und an die Eltern gerichtet: „Macht Euch keine Sorgen.“ Gleichzeitig bezeichnete er das neue Angebot mit JuLeiCa-Personal als erheblichen qualitativen Rückschritt für jene Kinder, die bisher den Hort besuchen. Der Rechtsanspruch sei ohnehin da — „wir haben keine andere Wahl“. Er fügte hinzu, was ihn grundsätzlich beschäftige: „Es ist ein typisches Beispiel: Es wird was Gutes beschlossen, aber nicht das Geld dazu.“
Klaus Köneke (CDU) schloss sich dem an: Die genaue Kostenbeteiligung der Eltern müsse gesondert beschlossen werden, die Zahlen — diskutiert werden 60, 70 oder 80 Euro pro Ferienwoche — seien noch offen.
Über die Debatten aus den Ausschüssen hatten wir bereits ausführlich berichtet.
Mit dem gestrigen Ratsbeschluss hat das Projekt nun die notwendige politische Legitimation. Die Feinabstimmung – darunter die genaue Beitragshöhe, die Sozialstaffelung und die genaue Ausgestaltung der Randzeiten – soll im Juni den Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Die Politik nimmt Bürgermeister Pollehn und die Verwaltung dabei ausdrücklich in die Pflicht, notwendige Konzeptoptimierungen zu erarbeiten.
