
Mit einem berührenden Abschied und einem herzlichen Willkommen hat die Sitzung des Rates der Stadt Burgdorf am gestrigen Donnerstag, 19. März 2026, begonnen. Johanna Hattendorf (SPD) verliert ihren Sitz im Rat, weil sie ihren Wohnsitz aus Burgdorf verlegt. Ihr Nachfolger Rudolf Alker (SPD) wurde noch in derselben Sitzung als Ratsmitglied verpflichtet.
Den Ton des Abends setzte bereits die Einwohnerfragestunde: Ein Bürger hatte morgens eigens eingekauft und dem Rat Süßigkeiten mitgebracht – alles, worauf „Danke“ stand. „Ich wollte einfach mal danken“, sagte er schlicht. Ein kleiner Moment, der die Stimmung des Abends gut einfing.



Johanna Hattendorf sprach von einem Abschied „mit lachendem und weinendem Auge“. Sie sei dankbar für das Vertrauen ihrer Partei – Christiane Gersemann (SPD) habe sie vor über fünf Jahren zur Kandidatur angesprochen. Seitdem habe sie die Kommunalpolitik schätzen gelernt: „Kommunalpolitik ist das Fundament unserer Demokratie.“ Besonders am Herzen lag ihr die Vielfalt im Rat. Je mehr Menschen mitmachten, desto größer die Chance, dass jeder Bürger jemanden im Gremium persönlich kenne. Sie habe sich für junge Menschen eingesetzt und auch für Frauen, die nach wie vor unterrepräsentiert seien. Angesichts des demografischen Wandels dürften Entscheidungen nicht allein von Älteren getroffen werden. „Ich hoffe, dass auch der nächste Rat junge Leute hat – und ich würde mich sehr freuen, wenn sie den Mut haben.“ Selbst in strittigen Debatten habe man am Ende meist den anderen verstanden: „Letztendlich versuchen alle einen Kompromiss zu finden – so sollte jeder überzeugte Demokrat denken.“ Den Burgdorfer Rat werde sie sehr vermissen. Anhaltender Applaus folgte.
Gerald Hinz (SPD) würdigte seine Fraktionskollegin: Sie habe sich voll eingebracht, das politische Handwerk gelernt, in der Partei im Vorstand die Protokolle geschrieben und im Rat Akzente gesetzt. Er wünschte ihr, auch am neuen Wohnort in der Kommunalpolitik aktiv zu bleiben: „Das Handwerk, das du hier gelernt hast, wirst du mitnehmen.“ Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) zeigte sich beeindruckt von ihren Abschiedsworten. Gemeinsam mit der Ratsvorsitzenden Birgit Meinig (SPD) überreichte er Blumen und einen Burgdorf-Gutschein.



Meinig umrahmte den Übergang mit einem knappen, treffenden Satz: „Wir müssen Abschied nehmen – aber dieser Platz wird nachbesetzt.“ Als altgedienter Kommunalpolitiker sei Rudolf Alker vielen im Saal noch gut bekannt. Alker, der nach seiner Verpflichtung das Wort ergriff, gab sich knapp und klar: „Ich freue mich, noch einmal dabei zu sein – und auf faire Auseinandersetzungen.“ Meinig begrüßte ihn mit Blumen und freute sich auf die Zusammenarbeit.
