Burgdorfs Schuldenberg wächst auf über 340 Millionen Euro

Foto: Bastian Kroll

Die finanzielle Lage der Stadt Burgdorf spitzt sich weiter zu: Das Haushaltsdefizit für 2026 verschlechtert sich um weitere 3,5 Millionen Euro auf nun 32,88 Millionen Euro. Und auch wenn die Gewerbesteuereinnahmen erfreulich steigen, werden die Mehreinnahmen von der Regionsumlage nahezu vollständig aufgefressen. Der Schuldenstand der Investitionskredite wird nach den Planungen 2026 erstmals die 200-Millionen-Marke überschreiten – und bis 2028 auf 208,8 Millionen Euro anwachsen. Hinzu kommen Im Liquiditätskredite, die die Gesamtschulden der Stadt auf 340,7 Millionen Euro erhöhen. Im Ausschuss für Haushalt, Finanzen und Verwaltungsangelegenheiten am gestrigen Montag, 26. Januar 2026, präsentierte die Verwaltung den 1. Nachtragshaushalt 2026, der im März vom Rat beschlossen werden soll.

3. Finanzbericht 2025: „Der Tränenstrom wird langsamer“

„Der Tränenstrom wird langsamer“, kommentierte Ausschussvorsitzender Gerald Hinz (SPD) den fortgeschriebenen 3. Finanzbericht 2025. Tatsächlich fällt das Defizit im Ergebnishaushalt deutlich geringer aus als zunächst befürchtet: Hatte die Verwaltung noch mit 26,28 Millionen Euro Minus gerechnet, liegt das zum 31. Dezember 2025 prognostizierte Ergebnis bei -14,93 Millionen Euro – eine Verbesserung um rund 11,35 Millionen Euro. Der Finanzhaushalt weiß nach einer Prognose von -41,81 Millionen Euro nun ein prognostizierten Fehlbetrag von 23,37 Millionen Euro.

Hauptgrund sind vor allem die Gewerbesteuereinnahmen: Mit 19,2 Millionen Euro übertrafen sie die letzte Prognose noch einmal um über zwei Millionen Euro. Das ist ein neuer Rekord – im bisherigen Rekordjahr 2024 waren es noch 15,9 Millionen Euro gewesen. Zusammen werden Erträge von 65,76 Millionen Euro erwartet, 8,11 Millionen Euro mehr als zunächst angesetzt worden waren.

Dennoch bleibt das Gesamtbild düster: Der Finanzhaushalt aus Verwaltungstätigkeit schließt mit rund fünf Millionen Euro im Minus. Die Verwaltung benötigt weiterhin deutliche Liquiditätskredite, der Bestand liegt bei 16 Millionen Euro. Die Gesamtschulden für Investitionen beliefen sich zum 31. Dezember 2025 auf 153,72 Millionen Euro.

Neben dem Minus von 5,07 Millionen Euro aus der Verwaltungstätigkeit müssen aber auch noch kommen 4,4 Millionen Euro für Tilgungen aufgebracht werden – eine Lücke von neun Millionen Euro. „Bis 2019 ist es uns gut gelungen, ein Plus bei der Verwaltungstätigkeit zu haben“, zeigte Lars Hammermeister, Abteilungsleiter Finanzen und Steuern, grafisch auf. „Die Tendenz ist sehr negativ“, ließ er die Ausschussmitglieder wissen. Für die Tilgungen müssen weitere Schulden aufgenommen werden.

1. Nachtrag 2026: Defizit steigt auf 32,88 Millionen Euro

Der nun eingebrachte 1. Nachtragshaushalt 2026 bringt weitere schlechte Nachrichten: Der ursprünglich mit 29,34 Millionen Euro angesetzte Jahresfehlbetrag in diesem Jahr verschlechtert sich um 3,54 Millionen Euro auf nun 32,88 Millionen Euro.

Im Detail:

  • Ordentliches Ergebnis: Von ursprünglich -32,50 Millionen Euro auf nun -33,56 Millionen Euro (Verschlechterung um 1,06 Millionen Euro)
  • Ordentliche Erträge: 92,00 Millionen Euro (plus 1,88 Millionen Euro)
  • Ordentliche Aufwendungen: 125,56 Millionen Euro (plus 2,94 Millionen Euro)

Steuern steigen – aber auch die Regionsumlage

Die Steuern entwickeln sich positiv: Insgesamt nimmt die Stadt 1,038 Millionen Euro mehr ein als ursprünglich geplant. Die Gewerbesteuer steigt um eine Million Euro, die Grundsteuer B um 60.000 Euro – „damit erreichen wir wieder den Stand von 2024“, so die Verwaltung. Der Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer bringt 315.000 Euro mehr.

Allerdings gibt es auch Minusposten: Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer fällt um 267.000 Euro geringer aus, die Vergnügungssteuer um 70.000 Euro.

Das größte Problem: Die Regionsumlage steigt um 1,080 Millionen Euro – und frisst damit die Steuermehreinnahmen nahezu komplett auf.

Investitionen treiben Neuverschuldung in die Höhe

Besonders drastisch steigt die Neuverschuldung: Von ursprünglich 6,01 Millionen Euro auf nun 19,12 Millionen Euro – mehr als eine Verdreifachung.

Hauptgründe sind:

  • Sanierung Rathaus I: Zusätzliche 3,07 Millionen Euro im Jahr 2026
  • Erwerb von Grundstücken: 527.000 Euro
  • Umgestaltung Platz Am Brandende: 550.000 Euro

Die Investitionstätigkeit verschlingt statt ursprünglich geplanter 10,84 Millionen Euro nun 23,91 Millionen Euro.

Schuldenstand der Investitionskredite überschreitet 200-Millionen-Marke

Die Entwicklung des Schuldenstands der Investitionskredite zeigt die dramatische Situation:

  • 2026: 192,9 Millionen Euro
  • 2027: 199,4 Millionen Euro
  • 2028: 208,8 Millionen Euro

Die Gesamtverbindlichkeiten, inklusive der voraussichtlichen Liquiditätskredite, werden sich der Prognose nach bis Ende 2029 auf etwa 340,7 Millionen Euro erhöhen.

Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) fragte nach: „Da kommen die Investitionen in die Rathäuser und beiden Schulen noch dazü“ Lars Hammermeister bestätigte: „Ja, in der Planung sind nur die beschlossenen Maßnahmen enthalten“ Die in der gleichen Sitzung vorgestellten Sanierungen und Neubauten – mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich – sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten.

Mittelfristige Finanzplanung bietet keine Entspannung

Auch die Folgejahre bringen keine Entlastung. Die Neuverschuldung wird wie folgt projiziert:

  • 2027: 6,5 Millionen Euro
  • 2028: 9,4 Millionen Euro
  • 2029: -1,6 Millionen Euro

Die Jahresergebnisse sollen durchweg negativ bleiben:

  • 2027: -26,91 Millionen Euro
  • 2028: -32,97 Millionen Euro

„Für 2027, 2028 und 2029 ist keine Entspannung zu erwarten“, stellte Lars Hammermeister klar.

Personalkosten im Vergleich: Burgdorf hat deutlich mehr Mitarbeiter als Lehrte

Ein weiteres Thema sorgte für Diskussion: Dir Bierkamp (WGS Freie Burgdorfer) fragte nach dem Personalbestand. Die Stadt Burgdorf beschäftigt 590 Mitarbeiter, Lehrte dagegen nur 450. „Ich habe mal mit Lehrte verglichen: Haben wir mehr Aufgaben? Wieso ist das so ein Missverhältnis?“

Nicole Raue aus der Verwaltung erklärte: „Das wird mit einem höheren Anteil an Kita-Personal zusammenhängen. Wenn ich die Abteilungen wie beispielsweise Soziales anschaue, dann ist-Personal das im Verhältnis. Ich prüfe das aber noch einmal.“ Stadträtin Silke Vierke ergänzte: „Es ist auch unter den restlichen Mitarbeitern – ohne das Kita – schwer vergleichbar wegen anderer Strukturen beispielsweise beim Schwimmbad, den Servicebetrieben und anderen Bereichen.“ Hinz verwies auf die Komplexität: „Benchmarking muss hier mit mit identischen Aufgabenvergleichen stattfinden – da muss man ganz tief bohren.“

Digitale Souveränität: Warnung vor Microsoft-Abhängigkeit

Oliver Sieke (CDU) brachte das Thema digitale Souveränität ein: „Wenn ich Microsoft 365 höre, bekomme ich Sorge. Das ist der einfachere Weg, aber viele Dinge sind dadurch nicht in den Change zu bringen.“ Er regte einen hybriden Ansatz an und verwies auf Schleswig-Holstein, das diesen Weg bereits gegangen sei. „Es gibt Dinge, wo keine Fachverfahren vorhanden sind – ich rege an, das zu tun.“ Hinz fügte in wenigen Worten hinzu: „Das möchte ich ausdrücklich unterstützen.“

Wie geht es weiter?

Der 1. Nachtragshaushalt 2026 soll im März 2026 vom Rat beschlossen werden. Es stehen nun die Beratungen in den Fraktionen an, auch kommt der Finanzausschuss noch vor der Ratssitzung im März noch zwei Mal zusammen. Die Verwaltung bot an, Fragen direkt vorab an sie zu stellen, damit diese bereits vorab beantwortet werden können.

Die Stadt steht vor enormen finanziellen Herausforderungen: Neben den bereits einkalkulierten Investitionen kommen die Sanierungen und Neubauten der Rathäuser, Schulen und weiterer städtischer Gebäude hinzu – mit Kosten, die in die Dutzende Millionen gehen. Wie Burgdorf diese Aufgaben stemmen will, ohne den Schuldenstand noch weiter explodieren zu lassen, bleibt eine der drängendsten Fragen der kommenden Jahre.

Download als PDF

Nach oben scrollen