
Eine kontroverse Debatte um Photovoltaik (PV) auf dem Dach von Rathaus I hat am heutigen Montag, 16. Februar 2026, den Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau der Stadt Burgdorf beschäftigt. Der Antrag der Grünen-Fraktion, die Dachfläche des gerade in der Generalsanierung befindlichen Rathauses in der Marktstraße vollumfänglich mit PV-Modulen auszustatten, wurde am Ende „als behandelt angesehen“ – ohne konkreten Beschluss. Hauptargument der Verwaltung: Das Gebäude ist statisch „höchstgradig ausgelastet“ und würde unter der zusätzlichen Last zusammenbrechen.
Grüne: „Leuchtturmprojekt für Klimaschutz“
Simone Heller (Bündnis 90/Die Grünen) begründete den Antrag ihrer Fraktion vom 27. Januar: „Es geht uns auch um unsere Haltung: Welche Haltung haben wir zum Thema Klimaschutz?“ Sie verwies darauf, dass von Mai bis November nichts vom Rathaus zu sehen sei, „weil da Bäume davor stehen“. Auch Denkmalschutzgründe hätten PV auf dem Dach zunächst verhindert.
Die Grünen wünschten sich, „dass es ein Leuchtturmprojekt bleibt, auch auf Bezug auf regenerative Energien – ein Vorzeigeprojekt“. Die Klimaziele seien als übergeordnetes öffentliches Interesse zu sehen. „Die Stadt hat sich selbst zu Klimaschutzzielen verpflichtet. Uns geht’s nicht um das einzelne Haus, sondern um die Haltung dazu.“
Verwaltung: „Das Dach hält, aber unten funktioniert es nicht“
Andreas Fischer, Leiter Stadtentwicklung und Hochbau, erklärte, man habe dem Thema PV Raum geben wollen. „Die Situation ist aber: Das Rathaus I ist nicht in einem gebaut worden. Es wurde aufgestockt. Das Hauptdach führt Last von oben nach unten – und diese Last zu groß. Wir kommen an die Grenzen. Wir haben geguckt: was ist technisch möglich?“

Stefan Breitmoser, Leiter der Abteilung Gebäudewirtschaft, ergänzte drastisch: „Statisch ist das Gebäude höchstgradig ausgelastet. Das Dach oben hält, aber unten funktioniert das nicht.“ Er zeigte am Modell, dass es zusammenbrechen würde. Das Modell stand anschließend schief auf dem Tisch und demonstrierte die Gegebenheiten. So plastisch, dass es von einzelnen Ausschussmitgliedern sogar fotografiert wurde.
Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) schlug vor: „Es dennoch zu prüfen, fände ich gut. Die Dachflächen gehen aber nach Osten und Westen, wir haben dort kein Südgefälle. Ich will wissen, ob es geht, was es kosten würde und so weiter.“
Michael Fleischmann (parteilos) warnte: „Wir können nicht ständig nur Geld ausgeben. Wir stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Wir sollten uns besser um unsere Pflichtaufgaben kümmern.“
Matthias Paul (SPD) gab zu bedenken: „Jeder Statiker wird da hohe Sicherheiten einbauen. Das bedeutet relativ große statische Arbeiten – darüber muss man sich klar sein. Und auch die Planung kostet ein paar tausend Euro.“
Heller konterte: „Ein paar PV-Platten sollen das Ding zum Einstürzen bringen? Das kann ich mir kaum vorstellen. Eine Statik, die so auf Kante geht, finde ich schrecklich, da überhaupt einen Bürger reinzuschicken. Dann stürzt alles zusammen? Das kann doch nicht sein.“
Dr. Karl-Heinz Vehling (Freigeist Burgdorf) erklärte: „Der Antrag ist mir sympathisch, aber nicht beschlussfähig. Jetzt braucht’s eine Prüfung, welche Auswirkungen es hat, und welche Kosten – und wie viel Zeit wir verlieren. Wenn wir die Kosten haben, kann man es auch beschließen. Technisch machbar ist es sicherlich, aber eine Frage des Preises.“
Paul fragte die Verwaltung: „Gehen Sie von einem Baustopp von einem halben Jahr aus?“ Bürgermeister Pollehn bestätigte: „Kosten und Zeit kommen hier ins Spiel.“
Köneke: „Dieses Gebäude bietet sich als allerletztes an“
Klaus Köneke (CDU) argumentierte wirtschaftlich: „Man sollte sich auf die Flächen konzentrieren, wo es wirtschaftlich vertretbar ist. Die geplante Anlage auf dem Ratssaal hat mit 13,5 kWp schon mehr als bei einem Privathaus.“ Er verwies auf Alternativen wie Hallendächer und leicht geneigte Flächen. „West/Ost ist nicht schlecht. Aber als Symbol ist das zu teuer“ – auch wegen der Zerklüftung durch die Gaubenbänder. „Nehmt ein anderes Gebäude, wo sich das anbietet. Dieses Gebäude bietet sich als allerletztes an“, so Köneke.
Nijenhof konkretisierte seinen Vorschlag: „Der Antrag ist ja auch sehr radikal – das gesamte Gebäude gleich mit PV zu belegen. Ich bräuchte Daten für eine Entscheidung. Wir können aber nicht ein halbes Jahr Baustopp machen. Mal abgesehen von den Kosten ist das unsinnig. Eine kurzfristige Lösung wäre: vor dem 19. März – dann ist Ratssitzung – entsprechende Daten zusammentragen, um dann eine Entscheidung zu treffen.“ Michael Fleischmann blieb skeptisch: „Da wird doch nichts draus.“
Verwaltungsausschuss soll entscheiden
Matthias Paul warnte: „Ein Baustopp wäre schlecht und teuer.“ Breitmoser verwies darauf, dass es eine Stellungnahme des Statikers bereits gebe. Matthias Paul weiter: „Wenn man machen will, was man kann, muss man einen Baustopp machen. Für die paar Quadratmeter ist das schwierig, auch wenn ich Freund der PV bin.“ Er resümierte: „Dann werden wir es hier als behandelt ansehen. Alles andere würde auf Baustopp hinauslaufen.“ Cord-Heinrich Schweer (CDU) äußerte seinen Unmut: „Ich hätte den Antrag gerne abgelehnt“, woraufhin eine Abstimmung folgte.
Der Vorschlag, den Antrag „als behandelt anzusehen“, wurde bei einer Nein-Stimme mehrheitlich angenommen. Das bedeutet: Es gibt noch keinen konkreten Beschluss, sondern die Weiterverweisung an den Verwaltungsausschuss und Rat.
Hintergrund: Grünen-Antrag berief sich auf Klimaschutzpapier
In ihrem Antrag vom 27. Januar hatte die Grünen-Fraktion argumentiert, die vollumfängliche PV-Ausstattung des Rathaus-I-Dachs solle „ein Leuchtturmprojekt auch im Hinblick auf die Versorgung (Strom und Wärme) mit regenerativer Energie sein“.
Im Zuge der Besichtigung sei deutlich geworden, „dass eine PV-Anlage nur in kleiner Form auf dem hinteren Dachbereich angedacht ist. Mündlich wurde dazu der Denkmalschutz als Verhinderung genannt. Dies widerspricht dem vom Rat beschlossenen Klimaschutzpapier vom Juni 2021.“
Die Grünen verwiesen auf das Klimaschutzpapier, in dem sich der Rat zu einer Selbstverpflichtung bekannt habe, sowie auf die „Strategische Ausrichtung/Zukunftsvision Burgdorf“ mit der Initiative „Burgdorf – entdecke die Möglichkeiten!“, in der „PV-Anlagen auf allen Dächern der Stadt Vision und Wunsch“ seien.
Zudem zitierten sie einen Erlass der Landesregierung vom 15. August 2024, der die Klimaziele als übergeordnetes öffentliches Interesse darlegt und den Rahmen für PV- und Solarthermieanlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden erleichtert: „Das Denkmalschutzgesetz sieht vor, dass Eingriffe in ein Kulturdenkmal zu genehmigen sind… Das ist grundsätzlich der Fall, wenn der Eingriff in das äußere Erscheinungsbild reversibel ist und in die denkmalgeschützte Substanz nur geringfügig eingegriffen wird.“
