Rathaus-Debatte vertagt: Angeblicher Ratsbeschluss zur Campuslösung nicht vorhanden

Foto: Bastian Kroll

Gab es einen Ratsbeschluss für die Campuslösung oder nicht? Diese Grundsatzfrage führte am gestrigen Montag im Ausschuss für Haushalt, Finanzen und Verwaltungsangelegenheiten zu einer hitzigen Debatte und am Ende zu einer Vertagung der Entscheidung über die Zukunft der Burgdorfer Rathäuser. Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) stellte fest: „Wenn es heißt, es gibt einen Beschluss, dann muss der eindeutig sein. Man kann es ja diskutiert haben, aber gibt es einen Ratsbeschluss?“ Die Antwort: nein. Auch die Forderung nach einer vollständigen Machbarkeitsstudie mit Wirtschaftlichkeitsberechnung blieb im Raum stehen. Der Ausschuss beschloss, das Thema in zwei Wochen erneut zu beraten.

Hintergrund: Campus-Gedanke gibt es seit 2019, aber keinen Ratsbeschluss

Gawlik hakte nach: „Wurde die Vorlage der Campuslösung im Rat beschlossen? 2020? Ich halte es für hochproblematisch, wenn dieses postuliert wird und nicht vorhanden ist. Da wird ein falscher Eindruck erweckt.“

Stefan Breitmoser von der Verwaltung klärte auf: „Im Oktober 2020 wurde es im Verwaltungsausschuss behandelt, wurde aber nicht in den Rat gegeben. In der Begründung wurde dann auf den Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau im November 2019 hingewiesen – da kam der Campus-Gedanke der Rathäuser I bis III auf, wenn er auch nicht explizit so genannt wurde.“ Gawlik beharrte: „Ich wollte das nur feststellen – das kann man diskutiert haben, aber es gibt keinen Ratsbeschluss.“

Oliver Sieke (CDU) ergänzte: „Im A-USB (Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau, die Red.) wurde jüngst auch der Campusgedanke als Leitbild entschieden. Andere Ideen wurden deswegen nicht untersucht. Meine Ablehnung lag darin begründet, weil andere Dinge dadurch ausgeschlossen werden. Und ich werde die Beschlussvorlage weiterhin ablehnen – die Machbarkeitsstudie ist in Summe nicht vollständig weil sie auch einen Neubau auf der grünen Wiese nicht beinhaltet.“

Der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau hatte am 16. Februar 2026 mit Mehrheit die Campuslösung als Leitidee empfohlen.

Fehlende Wirtschaftlichkeitsberechnung bemängelt

Gawlik führte aus: „Es fehlt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung – was kostet der Arbeitsplatz pro Variante?“

Simone Heller (Grüne) wandte ein: „Was passiert mit den alten Gebäuden? Die darf ich aus der Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht herausnehmen. Wir müssen sie ja unterhalten, verkaufen ist schwierig – für das Rathaus II erstmal jemanden zu finden. Ich finde den Campus ganz gut: Rathaus I, II und III zusammen. Die Rathäuser IV und V sind schon etwas weiter weg.“ Sie betonte: „Das hat auch was mit Lebendigkeit in unserem kleinen Burgdorf zu tun. Die Mitarbeiter wie auch Besucher gehen dann zum Rathaus ins Zentrum. Ich sehe eine Gefahr darin, das herauszuziehen. In diese Berechnung müsste das alles mit einbezogen werden, wie die Frage, was mache ich dann mit den alten Gebäuden? Das Geld ist dann ja trotzdem notwendig. Mit gutem Gewissen kann ich der Leitidee Campus folgen.“

Gawlik verwies darauf: „Auch das ISEK [Integriertes Stadtentwicklungskonzept] sagt aus, dass es darum geht, Dinge in der Innenstadt zu halten.“

Sieke: „Machbarkeitsstudie vollständig machen“

Oliver Sieke (CDU) forderte: „Mein Vorschlag wäre, die Machbarkeitsstudie vollständig zu machen – auch mit einem Rathaus auf der grünen Wiese. Ob es später gefällt oder nicht. Es könnte ein Null-Energiehaus werden, wir müssen uns nur die Erfahrungswerte von Bauhof und IGS ansehen.“ Er kritisierte: „Hier wurde Zeitdruck erzeugt. Diesen Zeitdruck mag ich hier in den Ausschüssen und im Rat gar nicht.“

Zum Rathaus II und Brandschutz fragte er: „Was kostet es uns, dass wir mit Rathaus II nochmal zehn Jahre über die Runden kommen?“ Er forderte eine weitere Konzentration, effizientere Bearbeitung und keine angemieteten Räume.

Zur Belebung der Innenstadt sagte er: „Wenn jemand durch die Innenstadt zum Rathaus fährt, wenn es außerhalb liegt, würde er auch anhalten. Wie groß mag denn dieser Effekt sein? Macht das zwei Millionen Umsatz aus – sind es eher weniger oder eher mehr?“ fragte er launisch.

Zum Thema Abgängigkeit: „Beim Rathaus I hat niemand gesagt, dass es abgängig ist. Ich möchte bitten, darüber nachzudenken, die Machbarkeitsstudie um kreative Ideen zu erweitern.“

Kaever: Steht Grundstück unter Denkmalschutz?

Volkhard Kaever (WGS FreieBurgdorfer) sagte: „Ich finde die Campuslösung selbst charmant. Das Rathaus I ging vor, haben dabei aber die Rathäuser II und III aus dem Blick verloren. Ich frage mich aber: steht das Grundstück neben Rathaus III unter Denkmalschutz? Ich will diese Frage vorher geklärt haben.“

Stadträtin Silke Vierke antwortete: „Ich bin seit 25 Jahren dabei, die Rathäuser waren immer ein Thema.“ Zu Rathaus II: „Wir sind in guten Gesprächen mit der Region, aber wir müssen die Stromleitungen erneuern, und müssen Gebäudeteile abschotten – das wird eine Kernsanierung. Da sehe ich keine andere Alternative.“

Sie bestätigte zum nicht vorhandenen Ratsbeschluss: „Es ist alles soweit richtig gelaufen – es musste damals nur in den Verwaltungsausschuss, nicht in den Rat. Wir nehmen das Thema Denkmalschutz aber mit und klären das.“

Zur Frage von Gawlik, ob die Stadt die Rathäuser IV und V kaufen könne, sagte Vierke: „Wir können nachfragen, ich kann es mir aber nicht vorstellen, eine Zusage zu bekommen“

Paul: „In zehn Jahren können wir noch Nullen dranhängen“

Matthias Paul (SPD) warnte: „Es kostet alles ähnlich viel. In zehn Jahren können wir noch Nullen dranhängen. Aus heutiger Sicht wäre die Privatisierung des Gebäudes (gemeint ist das Rathaus II, die Red.) nicht denkbar – Zäune vorm Stadtpark, das kann ich mir nicht vorstellen.“

Er plädierte für schrittweises Vorgehen: „Wenn wir Rathaus II erledigt haben, dann kümmern wir uns um Rathaus III. Dann müssen wir sehen, ob das dann noch geht. Es würde nichts daran ändern, jetzt mit Rathaus II weiterzumachen. Wir können jetzt mit Rathaus II voranschreiten – die Ausgaben würden dadurch gestreckt werden. Das scheint unserer Finanzlage angemessen zu sein. Bei der Alten Realschule wären die Kosten auf einen Schlag aufzubringen.“

Sieke konterte zu den Zäunen: „Ich vergleiche es mit fettem Riegel quer auf dem Parkplatz als Erweiterung vom Rathaus III – da weiß ich nicht, was mir schlechter gefällt. Ich glaube bei den Kosten nicht, dass es das Ende der Fahnenstange ist. Wenn wir einmal neu bauen, haben wir die Preissteigerungen nicht.“

Er präzisierte seine Position: „Bei Rathaus I sehe ich die nostalgische Idee, Rathaus II gehört auch dazu. Aber Rathaus III – da hängt mein Herz nicht dran. Rathaus IV und V kann man dann irgendwann kündigen. III, IV, V kann man dann in einem Neubau zusammenfassen – so könnte man Synergien erzielen. Es gehört in die Machbarkeitsstudie mit rein.“

Hinz und Paul zur Bedeutung der Rathäuser

Ausschussvorsitzender Gerald Hinz (SPD) zu Rathaus II: „Die Sanierung müssen wir machen. Will es dann noch einer kaufen? Es gibt keine vernünftige Drittnutzungsmöglichkeit.“

Matthias Paul betonte: „Die Rathäuser sind eine der wenigen stadtbildprägenden Gebäude, die die Identität Burgdorfs ausmachen – wird sollten alles dransetzen, dieses zu erhalten. Städtebaulich ist einiges in den 1960ern schief gelaufen. Die Gebäude sind ein sehr, sehr wichtiger Wert.“

Gawlik stimmte zu: „Wir müssen das Rathaus II machen, für welchen Zweck auch immer.“

Vertagung: Denkmalschutz-Frage klären

Tanja Kicza (CDU) schlug vor: „Die hier Anwesenden waren nicht bei der CDU-Fraktionssitzung. Wir wollen zudem auch auf Nummer sicher gehen und den Vorschlag von Dr. Kaever aufnehmen. Vertagen wir die Entscheidung in den Ausschuss in zwei Wochen. Dann haben wir eine Meinung dazu.“

Breitmoser wies darauf hin: „Der Neubau auf der grüne Wiese mag immer schon wieder Thema gewesen sein, es gab aber keinerlei Grundlage – bislang gibt es keinen Prüfauftrag an uns.“ Eine Berechnung für einen Neubau innerhalb der nächsten zwei Wochen könne die Stadtverwaltung – auch gerade zusammen mit den weiterlaufenden Kosten der Bestandsgebäude – nicht seriös erstellen.

Matthias Paul: „Ein Neubau kann, denke ich, nicht günstiger sein – denn mit den anderen Gebäuden müssen wir ja auch was machen.“

Der Ausschuss beschloss die Vertagung.

Hintergrund: Rathaus II muss bis 2028 saniert sein

Rathaus II (alte Landratsvilla) hat eine befristete Baugenehmigung bis Mitte 2028. Die Region Hannover stellte erhebliche Brandschutzmängel fest: Fluchtwege und Elektroinstallation im gesamten Gebäude sind nicht regelkonform.

Das Rathaus I wird derzeit für 8,3 Millionen Euro saniert (ursprünglich 3,2 Millionen) und soll Anfang 2027 fertig sein. Das Rathaus III (Bürgerbüro) benötigt ebenfalls Sanierung oder Ersatz.

Die Rathäuser IV und V sind angemietet. Rund 250 Mitarbeitende der Stadtverwaltung sind auf mehrere Standorte verteilt.

Ausführliche Hintergrundinformationen zur Rathaussanierung finden sich im AltkreisBlitz-Artikel vom 7. Februar 2026 und im Artikel vom am 2. Dezember 2025.

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