
Die Campuslösung wird als Leitidee verfolgt. Mit 27 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Rat der Stadt Burgdorf am gestrigen Donnerstag, 19. März 2026, eine richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft der Burgdorfer Rathäuser getroffen: Die Verwaltung soll in der Innenstadt konzentriert werden, die bestehenden Rathäuser I bis III sollen saniert und ertüchtigt werden. Matthias Paul (SPD) sprach von einem „historischen Beschluss“.
Kompromiss nach kontroversen Debatten
„Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt — das hätte ich am Anfang nicht gedacht“, sagte Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) und lobte die Ausschussarbeit: Man habe es geschafft, die Argumente respektvoll auszutauschen. Kern des Kompromisses ist, dass die Rathäuser in der Innenstadt bleiben, eine Nutzung der Alten Realschule jedoch ausdrücklich ausgeschlossen wird. „Die Alte Realschule wird es nicht“, stellte Nijenhof klar.
Oliver Sieke (CDU) brachte noch einmal Skepsis gegenüber der Campus-Idee zum Ausdruck: Er könne sich mit der Vorstellung, „so einen Betonklotz“ im Zentrum zu errichten, der den „wunderschönen Zugang zum Stadtpark“ versperre, überhaupt nicht anfreunden. Zudem fehle in der Machbarkeitsstudie die Einbeziehung von Alternativstandorten auf der grünen Wiese.
Rathaus II als Kleinod
Matthias Paul (SPD) legte den Finger auf den kulturellen Wert: Burgdorf sei arm an stadtbildprägenden Gebäuden. „Das Rathaus II ist eines der Gebäude, was neben dem Rathaus I und dem Schloss noch auf Postkarten abgebildet werden würde — so ein Kleinod.“ Es in öffentlicher Nutzung zu halten, werde historischen Wert haben.
Nijenhof ergänzte die pragmatische Perspektive: Das Rathaus II müsse saniert werden — warte man noch zehn Jahre, werde es so teuer, dass man es sich nicht mehr leisten könne. Bemerkenswert auch sein Argument für die Personalgewinnung: Das Argument der Verwaltung gegen teure Sanierungen sei in den Ausschüssen nie „wir haben kein Geld“ gewesen, sondern „wir haben kein Personal“. „Wenn man den Menschen etwas gibt, damit sie gerne bleiben, setzen wir ein Zeichen, dass wir es wollen und es gute Arbeitsplätze gibt“, so Nijenhof.
Kritik von Fleischmann
Michael Fleischmann (parteilos) lehnte ab. „Sie tun ja so, als ob sie auf dem goldenen Dukatenesel sitzen“, warf er den Befürwortern vor. Er verwies auf Leerstände wie die Prinzhornschule und auch Alte Realschule als Alternativen und hielt eine Konzentration in der Stadtmitte für nicht zwingend. Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) hielt dagegen: Es gehe heute nur darum, Leitplanken zu setzen, wo die Verwaltung in den nächsten Monaten suchen solle — „damit es uns nicht noch die nächsten Jahre beschäftigt.“
Anika Lilienthal (FDP) enthielt sich. Solange die Stadt 50 Jahre alte Sporthallen habe, könne sie das nicht mitgehen: „Da hat ein Rathaus nicht die Priorität.“
Abstimmungsergebnis
Der Antrag der Fraktion Freigeist Burgdorf, der eine Neukonzeption unter dem Titel „Rathaus neu denken“ forderte, wurde mit 23 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und vier Gegenstimmen angenommen. Die weiteren Beschlüsse im Paket wurden mit 27 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme (Fleischmann) und einer Enthaltung (FDP) verabschiedet. Die Verwaltung wird nun die Machbarkeitsstudie für die Rathäuser I bis III weiter ausarbeiten.
