Chicago trifft auf Burgdorf: Kunst verbindet im Kunstraum MITTE37

Der Kunstraum MITTE37 hat am Sonnabendabend gezeigt, welches Potenzial in diesem neuen Ort steckt. Die Eröffnung der Ausstellung „EXPANDED FIELD I – migrating the colour fields“ wurde zu einem Abend, an dem internationale Kunst, persönliche Begegnungen und lebendige Gespräche zusammenkamen.

Der Raum war gut gefüllt, die Stimmung aufmerksam und neugierig. Fünf Kunstschaffende aus Chicago und Deutschland standen gemeinsam im Kunstraum, berichteten von ihren Arbeiten, ihren Wegen und ihren Inspirationsquellen. Sie erzählten davon, wie es ist, in einer US-Metropole auszustellen, zu improvisieren und neue künstlerische Formen auszuprobieren. Daraus entstand ein Austausch, in den sich auch das Publikum interessiert einbrachte. Chicago war an diesem Abend in Burgdorf unmittelbar erfahrbar, persönlich und im direkten Gespräch.

In ihrer Eröffnungsansprache machte Susanne Schumacher, Initiatorin des Kunstraums, deutlich, dass MITTE37 ein Ort des Dialogs sein möchte. Im 250. Jahr der USA stehen dort amerikanische Metropolen im Mittelpunkt. Im Sommer ist es Chicago, im Winter soll Boston folgen, parallel zur Fußball-Weltmeisterschaft in den USA. Beide Städte stehen für lebendige Kunstszenen, Vielfalt und eine Kultur, die sich ständig neu erfindet.

Dass künstlerische Stimmen aus diesen Städten nun in Burgdorf sichtbar werden, versteht MITTE37 als Ausdruck gelebter Verbindung. Die internationale Begegnung zeigte, wie Kunst Menschen zusammenführen kann, wie Freundschaften entstehen und wie kreative Zusammenarbeit auch große Hürden überwindet, von Einreiseformalitäten bis zu Zollbestimmungen. Moderiert und übersetzt wurden die Gespräche von den Kuratoren Lars Schumacher und Marianna Buchwald.

Der Künstler Takako aus Chicago präsentierte Collagen, die aus hunderten Werbematerialien entstehen, also aus Bildern, die täglich auf Menschen einströmen. Aus bis zu 400 Einzelteilen formt er neue Bildwelten, die zum Schmunzeln oder Staunen einladen. Ein Werk trägt den Titel „Anhedonie“, ein Begriff für den Verlust der Freude durch Reizüberflutung. Takako setzt dem eine Gegenbewegung entgegen und versteht Kunst als Einladung, Freude neu zu entdecken.

Für Lori Kaplan entsteht Kunst dort, wo Innenwelt und Außenwelt einander berühren. Linien, Gesten und Worte werden in ihren Arbeiten zu Spuren eines Prozesses, der Veränderung und Entstehung sichtbar macht.

Daniela Castro, erste in den USA geborene Tochter einer mexikanischen Familie, fand in Chicago eine offene kreative Gemeinschaft. Ihre textile Arbeit, zugleich ihre Bachelorarbeit, richtet sich mit geschnittenen und collagierten Wortelementen gegen jede Form von Gewalt am Körper. In MITTE37 erklärte sie, wie Sprache selbst zu Material werden kann, zu Schutz, Widerstand und Identität.

Beate Axmann zeigte zwei großformatige Malereien auf Seidenpapier und eine Leinwandarbeit, inspiriert von Orten in Chicago wie Navy Pier, Cloud Gate und der markanten Architektur der Stadt. Besonders eindrucksvoll waren feine Drahtgeflechte, Fundstücke aus Chicago, die wie schwebende Flügel wirkten. Axmann bezeichnete sie als „gefallene Engel“.

Marianna Buchwald stellte ihre kreativen Prozesse und das seit zehn Jahren bestehende Netzwerk „The Ocean Between“ vor, gemeinsam mit Symposiums-Partnerin Kristin Heike aus Hannover.

Viele Besucher beschrieben den internationalen Austausch als überraschend intensiv und persönlich. Die Nähe, die Offenheit und die Lebendigkeit des Abends machten die Eröffnung zu einem besonderen Moment. Die Ausstellung zeigt, wie Kunst Brücken schlagen kann, zwischen Chicago und Burgdorf, zwischen Atelier und Straße sowie zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Beobachtung.

Die Finissage am Donnerstag, 25. Juni 2026, knüpft an diese Stimmung an und bringt erneut Künstler aus Chicago nach Burgdorf. Ab 17:30 Uhr stehen persönliche Begegnungen im Mittelpunkt. Ab 18:30 Uhr folgt eine Filmpräsentation der Chicago Film Group 312. Anschließend sind zwei Kunstgespräche mit dem Rapper und Spoken-Word-Artist Kao Ra Zen sowie den Filmemachern Richard Syska und Kevin B. Chatham und weiteren beteiligten Kunstschaffenden geplant.

Zum Ausklang setzt der Zapfenstreich des Burgdorfer Schützenfestes einen eigenen kulturellen Kontrast. So soll ein internationaler Abend mit einem lokalen Burgdorfer Moment enden. Weitere Informationen gibt es bei Susanne Schumacher per Mail an info@mitte37.de.

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