
Nach Jahren zäher Debatten ist der Weg frei: Der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr (WALV) hat am heutigen Donnerstag, 11. Juni 2026, die Gründung der Stadtentwicklung Burgdorf GmbH am Mittwochabend einstimmig zur Weiterberatung empfohlen. Die neue Gesellschaft soll der Stadt ermöglichen, Stadtentwicklungsprojekte, Wohnraum und städtische Grundstücke schneller und agiler anzugehen als bisher im Verwaltungsbetrieb möglich.
Die GmbH wird vollständig städtisch geführt, das Stammkapital beträgt 100.000 Euro. In der Anfangsphase fließen jährlich 100.000 Euro aus dem städtischen Haushalt in die Gesellschaft — sobald sie sich selbst trägt, fällt dieser Zuschuss weg. Laut Businessplan soll das nach drei Jahren der Fall sein.
Dass es überhaupt so weit kam, war kein leichter Prozess. Björn Sund (SPD) brachte die Erleichterung des Abends auf den Punkt: Es sei viele Jahre um diese Gesellschaft gerungen worden. Man brauche sie dringend, um Förderkonzepte aufzustellen, größere Handlungsmöglichkeiten zu haben und als Stadt schneller reagieren zu können. Manchmal müsse man mutig sein und Geld in die Hand nehmen — und er sei felsenfest überzeugt, dass sich die GmbH irgendwann selbst tragen werde. „Es ist alternativlos“, sagte Sund.
Die CDU hatte sich über lange Zeit schwer getan. Klaus Köneke (CDU) erinnerte daran: Ursprünglich habe man auf einen externen Partner gesetzt — konkret die Stadtsparkasse Burgdorf. Deren Aufgehen in der Sparkasse Hannover habe diesen Plan hinfällig gemacht. Nun sei die Gesellschaft rein städtisch — und damit stehe und falle viel mit der Person des Geschäftsführers. Neun Politikerinnen und Politiker im Aufsichtsrat seien allerdings wenig in der Lage, jemanden mit echtem Fachexpertise zu kontrollieren, weil das Wissen dafür fehle.
Dennoch schloss sich die CDU der Empfehlung an — mit einer Bedingung: Sollte der Notar zusammen mit dem Bürgermeister noch Änderungen am Gesellschaftsvertrag vornehmen, möchte die Fraktion darüber förmlich abstimmen, nicht nur informiert werden. Dieser Wunsch nach einem schriftlichen Änderungsantrag führte kurz vor der Abstimmung zu Irritation im Saal: Sund zeigte sich konsterniert, das Ergebnis sei doch längst absehbar gewesen. Auch Mario Gawlik (FGB) wollte einen solchen Antrag schriftlich haben. Schließlich einigte sich der Ausschuss darauf, einen Beschluss zu fassen und den kommenden Änderungsantrag der CDU noch im Verwaltungsausschuss kommenden Dienstag zu beraten. Einstimmig empfahl der Ausschuss die Gründung.
Kritik an der Gesellschaftsstruktur kam von Michael Fleischmann (parteilos): Den Aufsichtsrat halte er für überflüssig — die Gesellschafterversammlung könne allein entscheiden und spare Kosten.
Gawlik betonte lobend, die Stadträtin Silke Vierke und ihre Kollegin Anja Piel hätten viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt. Die Kommunalaufsicht habe die Gründung geprüft und ausdrücklich befürwortet.
Der Name der Gesellschaft — Stadtentwicklung Burgdorf GmbH — ist bewusst an Stadtwerke und Servicebetriebe Burgdorf angelehnt. Zuvor lief das Projekt noch unter dem Namen „Burgdorf GmbH“ Der Verwaltungsausschuss entscheidet am 16. Juni.
