Marktstraße bleibt am Pferdemarktsamstagen offen — aber das Thema ist nicht vom Tisch

Der Seniorenrat schlägt vor, die Marktstraße in Burgdorf, an Pferdemarkt-Sonnabenden zu sperren, um für mehr Aufenthaltsqualität zu sorgen.
Foto: Bastian Kroll

Mit sechs zu drei Stimmen hat der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr (WALV) am heutigen Donnerstagabend, 11. Juni 2026, die Verwaltungsempfehlung beschlossen, den Antrag des Seniorenrats auf eine temporäre Sperrung der Marktstraße nicht weiterzuverfolgen. Das Stimmenverhältnis verdeckt, wie gespalten der Ausschuss in der Sache war — und dass kaum jemand die Idee grundsätzlich schlecht findet.

Der Antrag stammte von Gero von Oettingen für den Seniorenrat: An den Pferdemarkts-Sonnabenden soll die Marktstraße zwischen 7 und 17 Uhr gesperrt, der Wochenmarkt auf den Spittaplatz verlagert und die Marktstraße zur Flaniermeile werden — ein Gewinn für Sicherheitsgefühl und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, heißt es im Antrag.

Noch bevor die eigentliche Diskussion begann, machte Stefan Auerbach als beratendes Mitglied des Seniorenrats seiner Enttäuschung Luft. Der Vorschlag sei eine echte Chance gewesen, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern — und er bedauere, dass daraus nun nichts werde. Er kündigte an, das Thema auch in Zukunft im Blick zu behalten.

Schon zu Beginn der Diskussion brachten mehrere Ausschussmitglieder Sympathie für den Gedanken zum Ausdruck. Claudia Baumgarten (Bündnis 90/Die Grünen) fand es „schade“, dass die Verwaltung das Vorhaben ablehnt — und gab dem Thema eine Zukunft: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Man rede von einem Tag im Monat, einem Sonnabend ohne Berufsverkehr. Dirk Bierkamp (WGS Freie Burgdorfer) verwies darauf, dass ein verkaufsoffener Sonntag ja auch funktioniere. Warum nicht einfach mal testen?

Doch zwei strukturelle Probleme stellten sich quer. Erstens der ÖPNV: Die Marktstraße ist eine zentrale Busachse. Die regiobus-Linien 906, 907 und 910 befahren sie an Sonnabenden mit bis zu sechs Fahrten pro Stunde. Wäre sie gesperrt, fielen die Haltestellen Spittaplatz und Bergstraße weg — an einem Pferdemarkt-Sonnabend zwischen 7 und 17 Uhr steigen dort rund 85 Menschen ein und 90 aus. Als Ersatz blieben nur die deutlich weiter entfernten Haltestellen Bahnhof und Immenser Straße. Ausgerechnet die mobilitätseingeschränkten Personen, die der Antrag stärken wollte, träfe das am härtesten.

Zweitens der Wochenmarkt. Björn Sund (SPD) sprach von einer „schweren Herzens“ getroffenen Entscheidung: Man wolle den ohnehin unter Druck stehenden Markt nicht zusätzlich belasten. Und ohne ein abgestimmtes Gesamtkonzept und die Mitnahme des Einzelhandels sei ein solcher Versuch zum Scheitern verurteilt, ergänzte Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf): Wenn der Verein Stadtmarketing Burgdorf nicht hinter dem Projekt stehe, werde niemand die Fläche „bespielen“.

Danielle Frommelt aus der Stadtverwaltung stellte klar, dass man mit den Marktbeschickern bereits gesprochen habe — mündlich. Deren Position: Sie wollen nicht auf den Spittaplatz, sondern lieber dauerhaft in die Marktstraße. Das wiederum verschärft das ÖPNV-Problem. Wirtschaftsförderin Petra Fritz ergänzte: Alle hätten schon am Tisch gesessen. Das Gespräch solle weitergehen — getrennt nach Themen, damit sich die Interessen nicht gegenseitig blockieren.

Susanne Paul (SPD) brachte die Erfahrung aus dem Verkehrsversuch ein: Solange der SMB das Thema nicht auf die Fahne schreibe, sei ein Versuch zu riskant. Baumgarten widersprach: Der Wochenmarkt sei in der Vorlage gar nicht befragt worden. Und auf eine Initiative des Einzelhandels werde man wohl lange warten, waren sich die Ausschussmitglieder einig. Zu erkennen war: Zu tief ist noch die Wunde aus dem gescheiterten und vorzeitig abgebrochenem Verkehrsversuch mit einer Einbahnstraße in der Marktstraße, die den Einzelhändlern zu Einbußen geführt hat,

Am Ende folgte die Mehrheit der Verwaltungsempfehlung — ohne die Tür zu schließen. Der Verwaltungsausschuss entscheidet am 16. Juni.

Download als PDF

Nach oben scrollen