
Bauhelm aufsetzen und rein: Am heutigen Sonnabend, 9. Mai 2026, hat die Stadt Burgdorf zum bundesweiten Tag der Städtebauförderung die Baustelle des Rathauses I geöffnet. Der Andrang blieb überschaubar – rund 30 Einwohner nutzten im Verlauf des Tages die Gelegenheit, sich über den Baufortschritt zu informieren. Der AltkreisBlitz nahm mit neun weiteren Interessierten an der Führung um 13 Uhr teil.
8,1 Millionen Euro für Burgdorfs Innenstadt
Benedict Schmidtmann aus dem Team Innenstadtförderung der Stadtverwaltung begrüßte die Besucher zunächst im künftigen Besprechungsraum des Rathauses und führte in die allgemeine Städtebauförderung ein. Burgdorf ist seit drei Jahren an das Förderprogramm angeschlossen; seit 2022 gehört die Stadt zudem zum Programm „Lebendige Zentren“. Insgesamt stehen 8,1 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung, die auf verschiedene Projekte verteilt werden können. Bis zu 90 Prozent Förderanteil seien dabei möglich, so Schmidtmann.



Bereits umgesetzt wurde der Umbau und die Entsiegelung der Schulstraße. Derzeit laufe die Evaluierung des Platzes Am Brandende, für die rund 500.000 Euro veranschlagt sind. Auch der Bürgermeister-Schuster-Park sowie der Schützenplatz – auf dem eine Jugendfreizeitanlage entstehen könnte – stünden auf der Agenda. Für die Umsetzung aller Projekte seien 10 bis 15 Jahre eingeplant.
Rund 600 Eigentümer von Immobilien in der Innenstadt könnten ebenfalls Fördergelder beantragen, wenn es beispielsweise um Sanierung, Dämmung oder neue Dacheindeckung gehe, erläuterte Schmidtmann. Bettina Schlomka, ebenso zuständig für die Innenstadtsanierung bei der Stadt Burgdorf, ergänzte, die Beantragung durch private Eigentümer laufe bislang langsam an. 1,4 Millionen Euro stünden für private Projekte zur Verfügung; je nach Projektgröße seien Zuschüsse von 10.000 bis 100.000 Euro möglich. Für das Rathaus I selbst seien 1,6 Millionen Euro Fördermittel eingeplant – allerdings nicht mit der maximal möglichen 90-Prozent-Quote, da der Topf sonst für andere Projekte aufgebraucht wäre. Es gebe schlicht keine weitergehenden Fördermittel. Man habe viele Maßnahmen vor der Brust, könne aber immer nur eines, manchmal zwei Projekte zeitgleich vorantreiben, da die personellen Kapazitäten begrenzt seien, so Schlomka.
„Ein Wunder, dass nichts passiert ist“
Die eigentliche Baustellenführung übernahm Projektleiterin Tülay Baran aus Peine. Was die Handwerker nach dem Öffnen der Wände vorfanden, übertraf die schlimmsten Erwartungen: Erst dann habe man den wahren Zustand des Gebäudes feststellen können, und dieser sei verheerend gewesen. „Es sei ein Wunder, dass nichts passiert ist“, so Baran. Auch die Stirnwand des Ratssaals mit ihren Bemalungen konnte nicht erhalten werden: „Die kam einem schon beim Angucken entgegen“, beschrieb die Projektleiterin den Zustand bildlich.
Die gravierenden Befunde haben Konsequenzen für den Zeitplan: Der ursprüngliche Fertigstellungstermin musste verschoben werden. Nunmehr geht der Bauplan von Ostern 2027 aus – sofern keine weiteren unerwarteten Probleme auftreten. In der Vergangenheit hatte es davon bereits genug gegeben.
Kalkputz statt Zement, Aufzug statt Wendeltreppe
Die Sanierung ist aufwendig und auf die Besonderheiten des historischen Gebäudes abgestimmt. Die Dämmung erfolge von innen, da es sich auch um eine energetische Sanierung handle: Mehrere Schichten würden aufgetragen, um die Wände auszunivellieren, anschließend komme eine Trockenbauswand darüber, die verputzt werde. Offenes Fachwerk werde es nicht geben. Um die Atmungsaktivität des Hauses zu erhalten, werde mit Lehmputz oder Kalkputz gearbeitet – ohne Zementzusatz. Auch der unebene Boden müsse noch ausgeglichen werden.
Im Erdgeschoss wird eine Fußbodenheizung eingebaut, Wärmepumpen sorgen künftig für Wärme im Gebäude; in den oberen Etagen kommen normale Heizkörper zum Einsatz. Statt der bisherigen Wendeltreppe in der westlichen Wand entsteht im Gebäude ein zweites Treppenhaus als zusätzlicher Fluchtweg. Für die Barrierefreiheit wird ein Aufzug installiert. Die Fenster sollen aufgearbeitet werden.
Das Glockenspiel wird laut Stefan Breitmoser, Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, nächste Woche abgebaut; nach Abschluss der Sanierungsarbeiten soll es wieder zum Klingen gebracht werden.
Ratssaal als Schmuckstück
Das Herzstück des sanierten Rathauses I soll der Ratssaal werden – heute noch eine große Baustelle. Eine Etage darüber, in der das Ordnungsamt seine Räume beziehen soll, befinden sich die künftigen Büros ebenfalls noch im Rohbau ohne Zwischenwände. Das Ordnungsamt ist derzeit in angemieteten Räumen in der Schloßstraße untergebracht.





























