Volle Tagesordnung, viele Beschlüsse: Was der WALV am gestrigen Donnerstag alles entschieden hat

Nach Angaben der Stadtverwaltung hat das Aufstellen von Fahrradbügeln in der Marktstraße zu weniger wild geparkten Fahrzeugen geführt. Weitere Fahrradbügel sollen nun aufgestellt werden, um vorhandene Lücken zu schließen.
Foto: Bastian Kroll

16 Tagesordnungspunkte, dreieinhalb Stunden, ein Applaus aus dem Publikum: Die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr (WALV) am gestrigen Donnerstag, 11. Juni 2026, im Ratssaal des Schlosses war eine der vollsten der laufenden Ratsperiode. Der AltkreisBlitz war vor Ort und hat zu den größten Themen jeweils eigene Artikel veröffentlicht — hier der Überblick.

Den Auftakt machte die Entwurfsplanung für den Platz am Brandende: Landschaftsarchitektin Ines Kruse vom Büro Linnea stellte das Ergebnis eines langen Beteiligungsprozesses mit 730 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor — Wasserspiel, neue Bäume, kommunikative Sitzmöbel, ebener Belag. Der Ausschuss empfahl einstimmig, die Planung weiterzuführen.

Danach ging es unter die Eisenbahn: Das Büro PGT präsentierte zwei Varianten zur Aufwertung der Bahnunterführung am Finanzamt. Der Ausschuss votierte einstimmig für Variante 1, die Rad- und Fußverkehr künftig räumlich trennt.

Im Block der Verwaltungsmitteilungen informierte die Stadt unter anderem über den Stand der Verfahren zum Fußgängerüberweg am Schäferkamp-Kreisel — ein Thema, das die SPD seit 2020 verfolgt — sowie über die Sanierung schadhafter Fahrbahndecken, Ergebnisse der verkehrstechnischen Untersuchung am Bahnübergang Ehlershausen und den Vermarktungsstand der Baugebiete Hornweg und Ehlershäuser Weg. Mündlich ergänzte die Verwaltung: Ein Parkplatz in der Marktstraße beim Pizza-Bringdienst Nahe des Kreisels wird zum Behindertenparkplatz umgewidmet, weitere Fahrradständer werden aufgestellt.

In der Marktstraße gibt es zukünftig zudem noch zwei weitere Neuerungen: Zwei Fußgängerüberwege sind auf Wunsch der Stadt von der Verkehrsbehörde angeordnet worden: Auf Höhe der Apotheke Schnaith sowie beim Tedi-Markt werden nun Fußgängerüberwege eingerichtet.

Bei der Ausschreibung des Citymanagements gab es Einigkeit: Der Vergabeprozess soll im Oktober durch den Verwaltungsausschuss beschlossen werden und anschließend EU-weit ausgeschrieben werden. Mario Gawlik (FGB) mahnte, dass man seit 2022 auf ein solches Instrument warte — die Stadt müsse in diesem Bereich deutlich mehr Tempo zeigen. Empfehlung: einstimmig.

Das schwerwiegendste Thema des Abends war die Gründung der Stadtentwicklung Burgdorf GmbH: Nach jahrelangem Ringen empfahl der WALV einstimmig, die neue städtische Gesellschaft für Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Klimaschutz zu gründen — mit einem Änderungsantrag der CDU im Gepäck.

Kontrovers wurde es beim Antrag des Seniorenrats: Die temporäre Sperrung der Marktstraße an Pferdemarkts-Sonnabenden scheiterte mit sechs zu drei Stimmen — obwohl sich mehrere Ausschussmitglieder grundsätzlich aufgeschlossen zeigten.

Beim Schulweg für die Grundschülerinnen und Grundschüler in Otze folgte der Ausschuss einstimmig der Empfehlung des Ortsrats. Einen schweren Stand hatte Michael Fleischmann (parteilos) mit seinem Antrag für ein neues Winterdienstkonzept: Nur eine Stimme — seine eigene — stimmte dafür, sieben dagegen, eine Enthaltung. Die Verwaltung hatte zuvor überzeugend dargelegt, dass der Winterdienst in der vergangenen Saison trotz außergewöhnlicher Bedingungen gut funktioniert habe und bereits in der Evaluation ist. In den Ortsteilen sei es zudem möglich, dass zukünftig externe Dienstleister den Räumdienst übernehmen.

Mit sieben zu zwei Stimmen sprach sich der WALV dafür aus, die Initiative zur Wiedereinführung des BU-Kennzeichens zu bekräftigen und erneut das Gespräch mit der Region Hannover zu suchen. Der Antrag geht nun in den Rat.

Einstimmig beschlossen wurde auch der Antrag zur Wiedernutzbarmachung der Fuß- und Radwegeverbindung am Bahnübergang Ahrbeck Nord — ein Thema, das rechtlich komplex ist und das Eisenbahnbundesamt einbezieht. Auch hier erklärte die Verwaltung, bereits rechtlichen beistand einbezogen zu haben, um den Bahnübergang schnellstmöglich wieder in Betrieb nehmen zu können.

Den emotionalsten Moment des Abends lieferte der letzte große Tagesordnungspunkt: Mit lautem Applaus aus dem Publikum nahm der WALV einstimmig einen parteiübergreifenden Antrag für mehr Verkehrssicherheit auf der L311 in der Ortsdurchfahrt Sorgensen an — ein seltenes Bild in einem Ausschusssaal.

Der Verwaltungsausschuss kommt nun am 16. Juni zusammen, der Rat tagt am kommenden Donnerstag, 18. Juni 2026.

Download als PDF

Nach oben scrollen